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Verecundus aber ward von
Bangigkeit bei unserem Glücke verzehrt, weil er sah, daß er seiner Bande wegen,
die ihn förmlich fesselten, von unserer Gemeinschaft ferngehalten werde. Er
war, obwohl seine Gattin gläubig war, noch kein Christ; aber weil seine Frau
gläubig war, ward er durch sie wie durch eine engere Fessel von dem Wege, den
wir eingeschlagen hatten, zurückgehalten, denn er wollte, so sagte er, auf
keine andere Weise Christ sein als auf die, da er es doch nicht sein konnte. In
seiner Güte machte er uns das Anerbieten, die Zeit unseres dortigen
Aufenthaltes auf seinem Landgute zu verbringen. Du wirst es ihm verzeihen, o
Herr, bei der Auferstehung der Gerechten. Du selbst hast ihm ja sein Erbteil
verliehen. Denn in unserer Abwesenheit, als wir schon in Rom waren, ward er von
einer Krankheit ergriffen, und in ihr zum gläubigen Christen geworden, schied
er aus diesem Leben. So hast du dich seiner und unser erbarmt, daß wir beim
Andenken an die ungemeine Leutseligkeit des Freundes gegen uns nicht von
unerträglichem Schmerz gequält wurden, wenn wir ihn nicht zu deiner Gemeinde
zählen konnten.
Dank sei dir, unser Gott, wir
sind die Deinen, das bezeugen deine Ermahnungen und Tröstungen: treuer
Verheißer, vergelten wirst du dem Verecundus für Cassiciacum, sein Landgut, wo
wir vom unruhigen Treiben der Welt ruhten in dir; vergelten wirst du es ihm mit
der Wonne deines immer grünenden Paradieses, weil du ihm seine Sünden noch auf
Erden vergabst, auf dem fruchtbaren Berge, auf deinem Berge, dem fruchtbaren
Gebirge.
Damals aber war er in Betrübnis;
Nebridius aber freute sich mit uns; denn obgleich er, noch kein Christ, in den
Abgrund jenes verderblichen Irrtums gefallen war, daß er den Leib deines
Sohnes, der die Wahrheit ist, für einen Scheinkörper hielt, erhob er sich doch
aus solchem Irrtum und war, obwohl er noch nicht in die Geheimnisse unserer
Kirche eingeweiht war, doch ein begeisterter Forscher der Wahrheit. Nicht lange
nach unserer Bekehrung und der Wiedergeburt durch deine heilige Taufe ward er
ein gläubiger Christ und diente dir in vollendeter Keuschheit und
Enthaltsamkeit in Afrika bei den Seinigen; nachdem er sein ganzes Haus zum
Christentum bekehrt hatte, da erlöstest du ihn von diesem Leibe, und nun lebt
er in Abrahams Schoß. Was es auch ist, was mit diesem Schoße bezeichnet wird,
dort lebt Nebridius, mein teurer Freund, einst ein Freigelassener, den du,
Herr, zu deinem geistlichen Kinde angenommen hast; ja dort lebt er. Denn
welchen andern Ort gäbe es für solch eine Seele? Dort lebt er, worüber er mich
armen, unwissenden Menschen viel fragte. Er neigt nicht mehr sein Ohr zu meinem
Munde, sondern den Mund seines Geistes an deine Quelle und trinkt in durstendem
Verlangen Weisheit, selig ohne Ende. Doch glaube ich nicht, daß er so sehr
davon trunken werde, daß er meiner vergessen könnte, da auch du, Herr, der du
sein Trank bist, meiner gedenkest. So lebten wir also, den trauernden
Verecundus tröstend, in ungetrübter Freundschaft über unsere Bekehrung und
ermahnten ihn zur Treue in seinem Stande, d. h. in seinem ehelichen Leben,
warteten aber, wann Nebridius nachfolgen würde, wozu er schon ganz fähig und
vorauszusehen war, daß er es sehr bald tun würde; endlich nahte auch mein Tag,
auf den ich im Verlangen nach Freiheit vom Berufe lange geharrt, um aus vollem
Herzen zu singen: Mein Herz hält dir vor dein Wort, dein Angesicht habe ich
gesucht! Dein Angesicht, o Herr, will ich suchen.
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