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Noch nicht lange hatte die
Mailänder Kirche diese Art der Erbauung und des Trostes eingeführt unter großer
Beteiligung der Brüder, die mit Mund und Herzen einstimmten. Ein Jahr war es
ungefähr oder vielleicht auch etwas länger, da verfolgte Justina, die Mutter
des jungen Königs Valentinian, deinen Anhänger, den Ambrosius, um ihrer
Ketzerei willen, zu der sie von den Arianern verführt worden war. Das fromme
Volk blieb die Nacht hindurch in deiner Kirche, bereit, mit ihrem Bischof,
deinem Diener, zu sterben. Dort war auch meine Mutter, deine Magd; vor allen
eifrig im Sorgen und Wachen, lebte sie nur dem Gebete. Wir, noch nicht erwärmt
von der Glut deines Geistes, wurden doch von dem Bangen und der Verwirrung der
Stadt mit ergriffen. Damals ward nach der Sitte der morgenländischen Kirche das
Singen der Hymnen und Psalmen eingeführt, damit das Volk nicht durch ermüdende
Trauer matt würde, und seitdem ist es bis auf den heutigen Tag so geblieben,
und viele, ja fast alle deine Kirchen des Erdkreises sind uns gefolgt.
Damals offenbartest du deinem
Bischof, dem schon erwähnten Ambrosius, wo die Leiber der Märtyrer des Protasius
und Gervasius verborgen ruhten, die du so viele Jahre hindurch im Schoß deiner
Verborgenheit unverwest verwahrt hattest, um sie zur rechten Zeit zur Bändigung
der Wut jenes Weibes, das doch eine Kaiserin war, hervorzubringen. Denn als sie
aufgefunden und ausgegraben mit den ihnen zukommenden Ehren zur Basilika des
Ambrosius gebracht wurden, da wurden nicht nur die, welche von unreinen
Geistern besessen waren, nach dem Bekenntnis ihrer Dämonen selbst, geheilt,
sondern auch ein angesehener Bürger, der mehrere Jahre hindurch blind war. Als
dieser nämlich nach der Ursache fragte, warum das Volk vor Freude jauchzte, und
es hörte, da sprang er hinaus und bat seinen Führer, ihn dorthin zu führen.
Nachdem er in die Kirche eingetreten war, bat er um die Erlaubnis, mit seinem
Schweißtuche die Bahre der Heiligen berühren zu dürfen, deren Tod ist wert
gehalten vor dem Herrn. Als er dies tat und dann seine Augen damit berührt
hatte, da wurden sie sogleich ihm aufgetan. Der Ruf davon aber verbreitete sich
weit und breit; alles war voll deines Lobes, und der Sinn jener Feindin wurde,
wenn auch nicht zu gesundem Glauben fortschreitend, doch von der Wut
zurückgehalten. Dank dir dafür, o mein Gott! Wohin hast du meine Erinnerung
geführt, daß ich dir auch dieses bekenne, das ich, wiewohl so groß, doch am
rechten Orte zu erwähnen vergessen hatte. Und damals, als so der Geruch deiner
Salben lieblich entströmte, eilten wir dennoch nicht zu dir. Deshalb weinte ich
so sehr unter dem Gesange deiner Hymnen, einst zu dir aufseufzend und nun
endlich aus voller Brust die Himmelsluft einatmend, soweit sie eindringen kann
in dieses Haus, das dem Heu gleicht.
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