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Die Vergnügungen der Ohren nahmen
mich fester in Beschlag und unterjochten mich; aber du hast mich davon gelöst
und befreit. jetzt bekenne ich, daß ich mich den von deinen Worten beseelten
Tönen etwas hingebe, wenn sie mit lieblicher und künstlerischer Stimme gesungen
werden, jedoch nicht so, daß ich mich nicht von ihnen trennen könnte, sondern
daß ich aufstehen kann, wenn ich will. Aber um bei mir, vereint mit den sie
belebenden Textworten, selbst zugelassen zu werden, verlangen die Töne auch
einen einigermaßen würdigen Platz in meinem Herzen, und kaum weiß ich ihnen
einen passenden anzuweisen. Manchmal glaube ich ihnen mehr Ehre anzutun, als
ihnen gebührt, wenn ich merke, daß mein Gemüt durch die heiligen Worte in eine
höhere religiöse Begeisterung gerät, wenn sie also gesungen werden, als wenn
sie nicht gesungen würden, und daß alle Stimmungen des Geistes nach ihrer
Verschiedenheit eigentümliche Weisen haben in der Stimme und im Gesang, durch
deren mir unbekannte geheime Sympathie sie erregt wurden. Aber das Ergötzen
meines Fleisches, dem das Gemüt nicht darf zur Entnervung preisgegeben werden,
täuscht mich oft, während die Empfindung das Denken nicht so begleitet, daß es
hintansteht, sondern weil sie des Denkens halber verdient hat, zugelassen zu
werden, versucht, auch voranzueilen und die Führerschaft zu übernehmen Also
fehle ich auch darin, ohne daß ich es merke; ich merke es vielmehr erst
hinterher.
Zuweilen hüte ich mich jedoch vor
solcher Selbsttäuschung allzusehr und irre aus allzu großer Strenge: und
zuweilen wünsche ich, daß alle die lieblichen Sangesweisen, in denen Davids
Psalter wiederholt gesungen wird, von meinen Ohren und selbst von der Kirche
fernbleiben möchten; es scheint mir sicherer, was mir, wie ich mich erinnere,
von dem Bischof von Alexandrien, Athanasius, oft gesagt worden ist, weicher den
Vorleser die Psalmen nur mit wenigen Tönen psalmodieren ließ, so daß der
Vortrag dem Sprechen ähnlicher war als dem Singen. Wiederum, wenn ich gedenke
meiner Tränen, die ich vergoß bei den Gesängen deiner Kirche bei meiner
Bekehrung und daß ich auch jetzt noch bewegt werde nicht durch den Gesang,
sondern durch den Inhalt des Gesanges, daß er mit fließender und passendster
Melodie gesungen wird, dann erkenne ich wiederum den großen Nutzen dieser
Einrichtungen. So schwanke ich zwischen der Gefahr des Ergötzens und der
Erfahrung von der Heilswirksamkeit, und so werde ich mehr und mehr dazu
geführt, ohne dabei eine abgetane Meinung zum Vorschein zu bringen, die
Gepflogenheit, in der Kirche zu singen, zu billigen, damit durch das Ergötzen
der Ohren ein schwacher Geist sich zu einer frommen Stimmung emporheben könne.
jedoch, wenn es mir widerfährt, daß mich mehr der Gesang als der Inhalt, der
gesungen wird, bewegt, so Bestehe ich, daß ich sträflicherweise sündige und
wollte dann lieber den Sänger nicht hören. So steht es mit mir -, weinet mit
mir und weinet für mich, die ihr etwas Gutes im Herzen bewegt, aus welchem
Taten hervorgehen. Die ihr aber nicht handelt, euch kann das nicht bewegen. Du
aber, Herr mein Gott, erhöre, siehe mich an und siehe und erbarme dich meiner
und heile mich, du, vor dessen Augen ich mir selbst zum Rätsel geworden bin und
zur sittlichen Schwäche.
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