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Ich hörte éinstmals von einem gelehrten
Manne sagen, die Zeit sei die Bewegung der Sonne, des Mondes und der Gestirne.
Ich aber stimmte nicht bei. Denn warum sollten nicht vielmehr die Bewegungen
aller Körper die Zeit sein? Oder wenn die Lichter des Himmels feierten und die
Scheibe des Töpfers sich nur noch bewegte, gäbe es dann keine Zeit mehr, um die
Drehungen dieser Scheibe zu messen, und sagen zu können, daß sie entweder in
gleicher Schnelligkeit vollbracht würden, oder wenn die Bewegung vielleicht
eine langsamere oder schnellere wäre, daß einige mehr, die andern minder
langsam seien? Oder wenn wir dieses sprächen, würden wir nicht auch noch in der
Zeit sprechen, oder wären in unsern Worten einige Silben nicht allein deshalb
von verschiedener Länge und Kürze, weil sie bald längere, bald kürzere Zeit
tönten?
Ich möchte zur Erkenntnis der
Bedeutung und des Wesens der Zeit kommen, wodurch wir die Bewegung der Körper
messen und zum Beispiel sagen, jene Bewegung sei doppelt so lang als diese. De=
ich frage dies, weil wir nicht bloß den Zeitraum Tag nennen, wo die Sonne sich
über dem Horizont befindet, danach scheiden wir Tag und Nacht - sondern auch
den Zeitraum des ganzen Umlaufes vom Aufgang bis wieder zum Aufgang, demgemäß
wir sagen: "So viele Tage sind verflossen", wir meinen dann die Tage
mit den dazugehörigen Nächten und zählen die Nächte nicht besonders; wird nun
der Tag durch die Bewegung der Sonne und ihren Kreislauf vom Morgen bis wieder
zum Morgen vollendet, so frage ich danach, ob die Bewegung selbst der Tag ist
oder ob es der Zeitraum ist, worin sie stattfindet, oder beides zugleich. Denn
wäre das erste der Tag, so wäre er also auch Tag, wenn die Sonne ihren Lauf
innerhalb einer einzigen Stunde vollendet; wäre es das zweite, so wäre dann
kein Tag, wenn es von einem Sonnenaufgang bis zum andern nicht länger als eine
Stunde währte, sondern vierundzwanzigmal müßte alsdann die Sonne umlaufen, um
einen Tag zu vollenden.
Wäre endlich beides zugleich der
Tag, so wäre es weder ein Tag zu nennen, wenn die Sonne ihren Lauf in der Zeit
einer Stunde vollendete, noch auch, wenn die Sonne ausbliebe und darüber so
viel Zeit verginge, als sie in der Regel braucht zur Vollendung ihres ganzen
Umlaufs von einem Morgen zum andern. ich will darum jetzt nicht weiter fragen,
was eigentlich ein Tag, sondern was denn die Zeit sei, mittels deren wir den
Umlauf der Sonne messen und sagen, er sei um die Hälfte Zeit kürzer als
gewöhnlich, wenn er in einem Zeitraume vollendet wäre, in welchem zwölf Stunden
ablaufen, und wenn wir beide Zeiten vergleichen, würden wir jene die einfache,
diese die doppelte Zeit nennen, wenn die Sonne zuweilen in jener einfachen,
zuweilen in jener doppelten Zeit vom Aufgange bis wieder zum Aufgange liefe.
Niemand sage mir deshalb, die Bewegung der Himmelskörper sei die Zeit, denn als
einst die Sonne auf Eines Wunsch stillstand, damit er eine Schlacht siegreich
vollende, stand wohl die Sonne still, die Zeit dagegen ging ihren Lauf, und
jene Schlacht wurde geliefert und beendigt in dem Zeitraume, der für sie
genügte. Ich sehe also, daß die Zeit eine gewisse Ausdehnung ist. Aber erkenne
ich es, oder glaube ich es nur zu erkennen? Du wirst mich es lehren, der du das
Licht und die Wahrheit bist.
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