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Wer sammelte die bittern Wasser
an einen einzigen Ort? Sie haben dasselbe Ziel zeitlichen und irdischen Glückes,
dessentwegen sie alles tun, obwohl sie von unzähligen Sorgen hin- und
herschwanken. Wer, Herr, als du, der du gesagt hast: Es sammele sich das Wasser
an besondere Örter, damit man das Trockene sehe, das nach dir dürstet? Denn
auch das Meer ist dein und du hast es gemacht und deine Hände haben das
Trockene bereitet; denn nicht die Bitterkeit der Willen, sondern die Sammlung
der Gewässer wird Meer genannt. Denn du hältst auch die unordentlichen
Neigungen der Seele zusammen und steckst Grenzen, die sie nicht überschreiten
dürfen und zwingst so die Wogen, sich an sich selbst zu brechen, und gestaltest
dies Meer nach der Ordnung deiner Herrschaft über alles.
Doch die Seelen, die nach dir
dürsten und stets vor deinem Angesichte sind, die du in anderer Absicht von der
Gemeinschaft des Meeres getrennt hast, benetze du sie im verborgenen mit dem
süßen Quell, damit auch die Erde ihre Frucht trage; es trägt unsere Seele
Frucht und auf Geheiß unseres Herrn und Gottes läßt sie aufgehen Werke der
Barmherzigkeit nach ihrer Art; sie liebt ihren Nächsten und hilft ihm in den
Nöten des Lebens und trägt in sich den Samen zu Ähnlichem, denn, eingedenk
unserer Schwachheit, fühlen wir Mitleid, dem Dürftigen beizustehen, wie auch
wir wünschen würden, daß uns geholfen würde, wenn gleiche Not uns drängte;
nicht nur in geringen Dingen, die dem Grase gleichen, das von selbst aus der
Erde wächst, sondern auch in der kräftigen Gewährung von Schutz und Hilfe,
gleich einem fruchtbaren Baume, das heißt, durch die Wohltat, den, der Unrecht leidet,
aus der Hand der Gewalt zu reißen und ihm eine Zufluchtsstätte durch die Kraft
eines gerechten Urteils zu gewähren.
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