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Bin ich nicht aus der Kindheit
auf dem Wege zu meinem jetzigen Lebensalter in das Knabenalter gelangt, oder
besser gesagt: kam es nicht in mich und folgte meiner Kindheit Doch jene ist
nicht vergangen; wohin sollte sie auch gehen: Und doch war sie nicht mehr. Denn
nicht mehr war ich ein unmündig Kind, sondern ein Knabe, der Sprache wohl
kundig. Ich erinnere mich noch daran, und woher ich die Sprache lernte, erfuhrt
ich nachher. Denn es unterrichteten mich nicht Erwachsene, indem sie mir nach
einem bestimmten klar durchdachtenLehrplane Worte mitteilten, wie bald nachher
die Buchstaben, sondern ich erlernte es selbst kraft des Geistes, den du, m ein
Gott, mir gegeben, wenn ich mit Seufzen und allerlei Tönen und Gebärden die
Gefühle, die mein Herz empfand, ausdrücken wolte, damit man meinem Willen
nachkäme; und ich war nicht imstande, alles, was ich wollte, zu äußern, und
sprach mir zuvor stillinnerlich die Worte vor im Gedächtnis; benannte man
irgendeinen Gegenstand und wandte man sich bei dem Worte danach, so bemerkte
ich es und behielt es bei nur, daß das Ding von ihnen benannt werde, welches
sie aussprachen, wenn sie es zeigen wollten. Daß man aber dies damit bezweckte,
erhellte aus der Bewegung des Körpers, gleichsam die Universalnatursprache für
alle Völker; durch das Mienen- und Augenspiel und die Tätigkeit der übrigen
Glieder und durch den Klang der Stimme, welcher anzeigt, was die Seele wünscht
und begehrt, was sie verwirft und meidet. So begriff ich allmählich die Worte
in ihrer mannigfaltigen Bedeutung, in ihrer verschiedenen Stellung und bei
ihrem häufigen Gebrauche, welche Dinge die Worte bezeichneten, und sprach durch
sie, da meine Mutter sich bereits an diese Ausdrucksweise gewöhnt hatte, meine
Wünsche aus. So bin ich mit denen, unter welchen ich lebte, in eine
Gemeinschaft hinsichtlich der Bezeichnung der Willensäußerungen getreten und
schritt weiter hinein in die Stürme des gesellschaftlichen Lebens, doch noch
abhängig von der Autorität der Eltern und vom Willen Erwachsener.
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