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Im Umgange mit
solchen Menschen beschäftigte ich mich, der damals noch Unmündige, mit den
Schriften der Beredsamkeit, in der ich mich auszuzeichnen strebte, in
verwerflicher und eitler Absicht zur Frönung menschlicher Eitelkeit; in der
herkömmlichen Folge geriet ich auf die Schrift eines gewissen Cicero, dessen
Sprache, nicht dessen Geist wohl alle bewundern. Dieses Buch enthielt eine
Ermahnung zur Philosophie und war "Hortensius" betitelt. Dieses Buch
wandelte meinen Sinn, kehrte, o Herr, mein Gebet zu dir und gab meinen Wünschen
und meinem Sehnen eine andere Wendung. Plötzlich sank zusammen all meine eitle
Hoffnung, und mit unglaublichem Herzensdrang ersehnte ich unsterbliche Weisheit
und ich machte mich auf, zu dir zurückzukehren. Denn nicht um die Sprache zu
verfeinern nahm ich dies Buch vor, wie es das Geld, welches die Mutter dafür
ausgab der Vater war nämlich zwei Jahre vorher gestorben für den nun
neunzehnjährigen Jüngling bezweckte, nein, nicht deshalb benutzte ich jenes
Buch, nicht der Stil, sondern der Inhalt war es, welcher mich gewann.
Von welch glühender Sehnsucht
ward ich nun erfaßt, o mein Gott, wie entbrannte ich, mich über den Staub der
Erde zu erheben und aufzuschweben zu dir, und ich wußte nichts von deinem
Ratschluß! Bei dir ist die Weisheit. Die Liebe zur Weisheit heißt nun in
griechischer Sprache Philosophie, und jene Schrift feuerte mich dazu an.
Menschen aber gibt es, die uns durch die Philosophie verführen, indem sie ihre
Irrlehren mit einem großen, lockenden und ehrenvollen Namen färben und
schmücken, und fast alle früheren und zeitgenössischen Philosophen werden in
dem Buche aufgeführt und charakterisiert. Dies bestätigt deines Geistes
heilsame Mahnung, die du aussprachst durch deinen frommen und getreuen Knecht:
Sehet zu, daß euch niemand beraube durch die Philosophie und lose Verführung,
nach der Menschen Lehre und nach der Welt Satzungen und nicht nach Christo;
denn in ihm wohnt die ganze Fülle der Gottheit leibhaftig. Damals, du weißt es,
Licht meines Herzens, freute ich mich besonders, da die apostolischen Worte mir
noch nicht bekannt waren, über jene Mahnung, weil ich nicht diese oder jene
philosophische Richtung, sondern die Weisheit selbst, in welcher Form sie mir
auch entgegentrat, liebte, sie aufsuchte, verfolgte und fest und innig
umschloß. Mächtig ergriffen ward ich durch jene Schrift, entzündet und
entflammt war ich, nur dies stieß mich trotz solcher hohen Begeisterung zurück,
daß der Name Christi nicht darin enthalten war. Denn nach deiner
Barmherzigkeit, o Herr, hatte mein Herz in zarter Kindheit mit der Muttermilch
den Namen meines Erlösers eingesogen und unvergeßlich festgehalten, und was
diesen Namen nicht enthielt, so gelehrt, so fein und wahr es auch immer sein
mochte, es konnte mich nicht mit ganzer Seele erfassen.
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