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Franz Kafka
Der Prozeß
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Zweites Kapitel. Erste Untersuchung
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Zweites
Kapitel
.
Erste
Untersuchung
K
. war
telephonisch
verständigt
worden
, daß am
nächsten
Sonntag
eine
kleine
Untersuchung
in seiner
Angelegenheit
stattfinden
würde
. Man
machte
ihn
darauf
aufmerksam
, daß diese
Untersuchungen
regelmäßig
, wenn auch vielleicht nicht jede
Woche
, so doch
häufige
,
einander
folgen
würden
. Es
liege
einerseits
im
allgemeinen
Interesse
, den
Prozeß
rasch
zu
Ende
zu
führen
,
anderseits
aber
müßten
die
Untersuchungen
in jeder
Hinsicht
gründlich
sein
und
dürften
doch wegen der damit
verbundenen
Anstrengung
niemals
allzulange
dauern
. Deshalb habe man den
Ausweg
dieser
rasch
aufeinanderfolgenden
, aber
kurzen
Untersuchungen
gewählt
. Die
Bestimmung
des
Sonntags
als
Untersuchungstag
habe man deshalb
vorgenommen
, um
K
. in seiner
beruflichen
Arbeit
nicht zu
stören
. Man
setze
voraus
, daß er damit
einverstanden
sei
,
sollte
er einen
anderen
Termin
wünschen
, so
würde
man
ihm
, so
gut
es
ginge
,
entgegenkommen
. Die
Untersuchungen
wären
beispielsweise
auch in der
Nacht
möglich
, aber
da
sei
wohl
K
. nicht
frisch
genug.
Jedenfalls
werde
man es,
solange
K
. nichts
einwende
, beim
Sonntag
belassen
. Es
sei
selbstverständlich
, daß er
bestimmt
erscheinen
müsse
, darauf
müsse
man
ihn
wohl
nicht
erst
aufmerksam
machen
. Es
wurde
ihm
die
Nummer
des
Hauses
genannt
, in dem er sich
einfinden
solle
, es war ein
Haus
in einer
entlegenen
Vorstadtstraße
, in der
K
. noch
niemals
gewesen
war.
K
.
hängte
, als er diese
Meldung
erhalten
hatte, ohne zu
antworten
, den
Hörer
an; er war
gleich
entschlossen
,
Sonntag
hinzugehen
, es war
gewiß
notwendig
, der
Prozeß
kam
in
Gang
und er
mußte
sich dem
entgegenstellen
, diese
erste
Untersuchung
sollte
auch die
letzte
sein
. Er
stand
noch
nachdenklich
beim
Apparat
,
da
hörte
er hinter sich die
Stimme
des
Direktor-Stellvertreters
, der
telephonieren
wollte
, dem aber
K
. den
Weg
verstellte
. "
Schlechte
Nachrichten
?"
fragte
der
Direktor-Stellvertreter
leichthin
, nicht um etwas zu
erfahren
,
sondern
um
K
. vom
Apparat
wegzubringen
. "Nein, nein",
sagte
K
.,
trat
beiseite
,
ging
aber nicht
weg
. Der
Direktor-Stellvertreter
nahm
den
Hörer
und
sagte
,
während
er auf die
telephonische
Verbindung
wartete
, über das
Hörrohr
hinweg
: "Eine
Frage
,
Herr
K
.:
Möchten
Sie mir
Sonntag
früh
das
Vergnügen
machen
, eine
Partie
auf
meinem
Segelboot
mitzumachen
? Es wird eine
größere
Gesellschaft
sein
,
gewiß
auch Ihre
Bekannten
darunter. Unter
anderem
Staatsanwalt
Hasterer
.
Wollen
Sie
kommen
?
Kommen
Sie doch!"
K
.
versuchte
, darauf
achtzugeben
, was der
Direktor-Stellvertreter
sagte
. Es war nicht
unwichtig
für
ihn
,
denn
diese
Einladung
des
Direktor-Stellvertreters
, mit dem er sich
niemals
sehr
gut
vertragen
hatte,
bedeutete
einen
Versöhnungsversuch
von dessen
Seite
und
zeigte
, wie
wichtig
K
. in der
Bank
geworden
war und wie
wertvoll
seine
Freundschaft
oder
wenigstens
seine
Unparteilichkeit
dem
zweithöchsten
Beamten
der
Bank
erschien
. Diese
Einladung
war eine
Demütigung
des
Direktor-Stellvertreters
,
mochte
sie auch nur in
Erwartung
der
telephonischen
Verbindung
über das
Hörrohr
hinweg
gesagt
sein
. Aber
K
.
mußte
eine
zweite
Demütigung
folgen
lassen
, er
sagte
: "
Vielen
Dank
! Aber ich habe
leider
Sonntag
keine
Zeit
, ich habe schon eine
Verpflichtung
." "
Schade
",
sagte
der
Direktor-Stellvertreter
und
wandte
sich dem
telephonischen
Gespräch
zu, das
gerade
hergestellt
worden
war. Es war kein
kurzes
Gespräch
, aber
K
.
blieb
in seiner
Zerstreutheit
die
ganze
Zeit
über neben dem
Apparat
stehen
.
Erst
als der
Direktor-Stellvertreter
abläutete
,
erschrak
er und
sagte
, um
sein
unnützes
Dasein
nur ein wenig zu
entschuldigen
: "Ich bin jetzt
antelephoniert
worden
, ich
möchte
irgendwo
hinkommen
, aber man hat
vergessen
, mir zu
sagen
, zu
welcher
Stunde
." "
Fragen
Sie doch noch
einmal
nach",
sagte
der
Direktor-Stellvertreter
. "Es ist nicht so
wichtig
",
sagte
K
., obwohl
dadurch
seine
frühere
, schon an sich
mangelhafte
Entschuldigung
noch weiter
verfiel
. Der
Direktor-Stellvertreter
sprach
noch im
Weggehen
über
andere
Dinge
.
K
.
zwang
sich auch zu
antworten
,
dachte
aber
hauptsächlich
daran, daß es am
besten
sein
werde
,
Sonntag
um neun
Uhr
vormittags
hinzukommen
,
da
zu dieser
Stunde
an
Werktagen
alle
Gerichte
zu
arbeiten
anfangen
.
Sonntag
war
trübes
Wetter
.
K
. war sehr
ermüdet
,
da
er wegen einer
Stammtischfeierlichkeit
bis
spät
in die
Nacht
im
Gasthaus
geblieben
war, er hätte fast
verschlafen
.
Eilig
, ohne
Zeit
zu haben, zu
überlegen
und die
verschiedenen
Pläne
, die er
während
der
Woche
ausgedacht
hatte,
zusammenzustellen
,
kleidete
er sich an und
lief
, ohne zu
frühstücken
, in die
ihm
bezeichnete
Vorstadt
.
Eigentümlicherweise
traf
er, obwohl er wenig
Zeit
hatte,
umherzublicken
, die drei an seiner
Angelegenheit
beteiligten
Beamten
,
Rabensteiner
,
Kullich
und
Kaminer
. Die
ersten
zwei
fuhren
in einer
Elektrischen
quer
über
K
.
s
Weg
,
Kaminer
aber
saß
auf der
Terrasse
eines
Kaffeehauses
und
beugte
sich
gerade
, als
K
.
vorüberkam
,
neugierig
über die
Brüstung
. Alle
sahen
ihm
wohl
nach und
wunderten
sich, wie ihr
Vorgesetzter
lief
; es war irgendein
Trotz
, der
K
. davon
abgehalten
hatte, zu
fahren
, er hatte
Abscheu
vor
jeder, selbst der
geringsten
fremden
Hilfe
in dieser seiner
Sache
, auch
wollte
er
niemanden
in
Anspruch
nehmen
und
dadurch
selbst nur im
allerentferntesten
einweihen
;
schließlich
hatte er aber auch nicht die
geringste
Lust
, sich durch
allzu
große
Pünktlichkeit
vor
der
Untersuchungskommission
zu
erniedrigen
.
Allerdings
lief
er jetzt, um nur
möglichst
um neun
Uhr
einzutreffen
, obwohl er nicht
einmal
für
eine
bestimmte
Stunde
bestellt
war.
Er hatte
gedacht
, das
Haus
schon von der
Ferne
an
irgendeinem
Zeichen
, das er sich selbst nicht
genau
vorgestellt
hatte, oder an einer
besonderen
Bewegung
vor
dem
Eingang
schon von
weitem
zu
erkennen
. Aber die
Juliusstraße
, in der es
sein
sollte
und an deren
Beginn
K
. einen
Augenblick
lang
stehenblieb
,
enthielt
auf
beiden
Seiten
fast
ganz
einförmige
Häuser
,
hohe
,
graue
, von
armen
Leuten
bewohnte
Miethäuser
. Jetzt, am
Sonntagmorgen
,
waren
die
meisten
Fenster
besetzt
,
Männer
in
Hemdärmeln
lehnten
dort und
rauchten
oder
hielten
kleine
Kinder
vorsichtig
und
zärtlich
an den
Fensterrand
.
Andere
Fenster
waren
hoch
mit
Bettzeug
angefüllt
, über dem
flüchtig
der
zerraufte
Kopf
einer
Frau
erschien
. Man
rief
einander
über die
Gasse
zu, ein
solcher
Zuruf
bewirkte
gerade
über
K
. ein
großes
Gelächter
.
Regelmäßig
verteilt
befanden
sich in der
langen
Straße
kleine
, unter dem
Straßenniveau
liegende
, durch ein
paar
Treppen
erreichbare
Läden
mit
verschiedenen
Lebensmitteln
. Dort
gingen
Frauen
aus und ein oder
standen
auf den
Stufen
und
plauderten
. Ein
Obsthändler
, der seine
Waren
zu den
Fenstern
hinauf
empfahl
, hätte,
ebenso
unaufmerksam
wie
K
., mit seinem
Karren
diesen fast
niedergeworfen
.
Eben
begann
ein in
besseren
Stadtvierteln
ausgedientes
Grammophon
mörderisch
zu
spielen
.
K
.
ging
tiefer
in die
Gasse
hinein,
langsam
, als hätte er nun schon
Zeit
oder als
sähe
ihn
der
Untersuchungsrichter
aus
irgendeinem
Fenster
und
wisse
also, daß sich
K
.
eingefunden
habe. Es war
kurz
nach neun. Das
Haus
lag
ziemlich
weit
, es war fast
ungewöhnlich
ausgedehnt
,
besonders
die
Toreinfahrt
war
hoch
und
weit
. Sie war
offenbar
für
Lastfuhren
bestimmt
, die zu den
verschiedenen
Warenmagazinen
gehörten
, die jetzt
versperrt
den
großen
Hof
umgaben
und
Aufschriften
von
Firmen
trugen
, von denen
K
. einige aus dem
Bankgeschäft
kannte
. Gegen seine
sonstige
Gewohnheit
sich mit
allen
diesen
Äußerlichkeiten
genauer
befassend
,
blieb
er auch ein wenig am
Eingang
des
Hofes
stehen
. In seiner
Nähe
auf einer
Kiste
saß
ein
bloßfüßiger
Mann und
las
eine
Zeitung
. Auf einem
Handkarren
schaukelten
zwei
Jungen
.
Vor
einer
Pumpe
stand
ein
schwaches
,
junges
Mädchen
in einer
Nachtjoppe
und
blickte
,
während
das
Wasser
in ihre
Kanne
strömte
, auf
K
. hin. In einer
Ecke
des
Hofes
wurde
zwischen zwei
Fenstern
ein
Strick
gespannt
, auf dem die zum
Trocknen
bestimmte
Wäsche
schon
hing
. Ein Mann
stand
unten
und
leitete
die
Arbeit
durch ein
paar
Zurufe
.
K
.
wandte
sich der
Treppe
zu, um zum
Untersuchungszimmer
zu
kommen
,
stand
dann aber wieder
still
,
denn
außer
dieser
Treppe
sah
er im
Hof
noch drei
verschiedene
Treppenaufgänge
und
überdies
schien
ein
kleiner
Durchgang
am
Ende
des
Hofes
noch in einen
zweiten
Hof
zu
führen
. Er
ärgerte
sich, daß man
ihm
die
Lage
des
Zimmers
nicht
näher
bezeichnet
hatte, es war doch eine
sonderbare
Nachlässigkeit
oder
Gleichgültigkeit
, mit der man
ihn
behandelte
, er
beabsichtigte
, das sehr
laut
und
deutlich
festzustellen
.
Schließlich
stieg
er doch die
Treppe
hinauf und
spielte
in
Gedanken
mit einer
Erinnerung
an den
Ausspruch
des
Wächters
Willem
, daß das
Gericht
von der
Schuld
angezogen
werde
,
woraus
eigentlich
folgte
, daß das
Untersuchungszimmer
an der
Treppe
liegen
mußte
, die
K
.
zufällig
wählte
.
Er
störte
im
Hinaufgehen
viele
Kinder
, die auf der
Treppe
spielten
und
ihn
, wenn er durch ihre
Reihe
schritt
,
böse
ansahen
. "Wenn ich
nächstens
wieder
hergehen
sollte
",
sagte
er sich, "
muß
ich entweder
Zuckerwerk
mitnehmen
, um sie zu
gewinnen
, oder den
Stock
, um sie zu
prügeln
."
Knapp
vor
dem
ersten
Stockwerk
mußte
er sogar ein
Weilchen
warten
, bis eine
Spielkugel
ihren
Weg
vollendet
hatte, zwei
kleine
Jungen
mit den
verzwickten
Gesichtern
erwachsener
Strolche
hielten
ihn
indessen
an den
Beinkleidern
; hätte er sie
abschütteln
wollen
, hätte er ihnen
wehtun
müssen
, und er
fürchtete
ihr
Geschrei
.
Im
ersten
Stockwerk
begann
die
eigentliche
Suche
.
Da
er doch nicht nach der
Untersuchungskommission
fragen
konnte,
erfand
er einen
Tischler
Lanz
- der
Name
fiel
ihm
ein, weil der
Hauptmann
, der
Neffe
der
Frau
Grubach
, so
hieß
- und
wollte
nun in
allen
Wohnungen
nachfragen
, ob hier ein
Tischler
Lanz
wohne
, um so die
Möglichkeit
zu
bekommen
, in die
Zimmer
hineinzusehen
. Es
zeigte
sich aber, daß das
meistens
ohne
weiteres
möglich
war,
denn
fast alle
Türen
standen
offen
und die
Kinder
liefen
ein und aus,. Es
waren
in der
Regel
kleine
,
einfenstrige
Zimmer
, in denen auch
gekocht
wurde
.
Manche
Frauen
hielten
Säuglinge
im
Arm
und
arbeiteten
mit der
freien
Hand
auf dem
Herd
.
Halbwüchsige
,
scheinbar
nur mit
Schürzen
bekleidete
Mädchen
liefen
am
fleißigsten
hin und her. In
allen
Zimmern
standen
die
Betten
noch in
Benützung
, es
lagen
dort
Kranke
oder noch
Schlafende
oder
Leute
, die sich dort in
Kleidern
streckten
. An den
Wohnungen
, deren
Türen
geschlossen
waren
,
klopfte
K
. an und
fragte
, ob hier ein
Tischler
Lanz
wohne
.
Meistens
öffnete
eine
Frau
,
hörte
die
Frage
an und
wandte
sich
ins
Zimmer
zu
jemandem
, der sich aus dem
Bett
erhob
. "Der
Herr
fragt
, ob ein
Tischler
Lanz
hier
wohnt
." "
Tischler
Lanz
?"
fragte
der aus dem
Bett
. "Ja",
sagte
K
., obwohl sich hier die
Untersuchungskommission
zweifellos
nicht
befand
und daher seine
Aufgabe
beendet
war. Viele
glaubten
, es
liege
K
. sehr viel daran, den
Tischler
Lanz
zu
finden
,
dachten
lange
nach,
nannten
einen
Tischler
, der aber nicht
Lanz
hieß
, oder einen
Namen
, der mit
Lanz
eine
ganz
entfernte
Ähnlichkeit
hatte, oder sie
fragten
bei
Nachbarn
oder
begleiteten
K
. zu einer
weit
entfernten
Tür
, wo ihrer
Meinung
nach ein
derartiger
Mann
möglicherweise
in
Aftermiete
wohne
oder wo
jemand
sei
, der
bessere
Auskunft
als sie selbst
geben
könne
.
Schließlich
mußte
K
.
kaum
mehr selbst
fragen
,
sondern
wurde
auf diese
Weise
durch die
Stockwerke
gezogen
. Er
bedauerte
seinen
Plan
, der
ihm
zuerst
so
praktisch
erschienen
war.
Vor
dem
fünften
Stockwerk
entschloß
er sich, die
Suche
aufzugeben
,
verabschiedete
sich von einem
freundlichen
,
jungen
Arbeiter
, der
ihn
weiter
hinaufführen
wollte
, und
ging
hinunter. Dann aber
ärgerte
ihn
wieder das
Nutzlose
dieser
ganzen
Unternehmung
, er
ging
nochmals
zurück
und
klopfte
an die
erste
Tür
des
fünften
Stockwerkes
. Das
erste
, was er in dem
kleinen
Zimmer
sah
, war eine
große
Wanduhr
, die schon zehn
Uhr
zeigte
. "
Wohnt
ein
Tischler
Lanz
hier?"
fragte
er. "
Bitte
",
sagte
eine
junge
Frau
mit
schwarzen
,
leuchtenden
Augen
, die
gerade
in einem
Kübel
Kinderwäsche
wusch
, und
zeigte
mit der
nassen
Hand
auf die
offene
Tür
des
Nebenzimmers
.
K
.
glaubte
in eine
Versammlung
einzutreten
. Ein
Gedränge
der
verschiedensten
Leute
- niemand
kümmerte
sich um den
Eintretenden
-
füllte
ein
mittelgroßes
,
zweifenstriges
Zimmer
, das
knapp
an der
Decke
von einer
Galerie
umgeben
war, die
gleichfalls
vollständig
besetzt
war und wo die
Leute
nur
gebückt
stehen
konnten
und mit
Kopf
und
Rücken
an die
Decke
stießen
.
K
., dem die
Luft
zu
dumpf
war,
trat
wieder hinaus und
sagte
zu der
jungen
Frau
, die
ihn
wahrscheinlich
falsch
verstanden
hatte: "Ich habe nach einem
Tischler
, einem
gewissen
Lanz
,
gefragt
?" "Ja",
sagte
die
Frau
, "
gehen
Sie,
bitte
, hinein."
K
. hätte ihr vielleicht nicht
gefolgt
, wenn die
Frau
nicht auf
ihn
zugegangen
wäre
, die
Türklinke
ergriffen
und
gesagt
hätte: "Nach Ihnen
muß
ich
schließen
, es
darf
niemand mehr hinein." "Sehr
vernünftig
",
sagte
K
., "es ist aber jetzt schon zu
voll
." Dann
ging
er aber doch wieder hinein.
Zwischen zwei
Männern
hindurch
, die sich
unmittelbar
bei der
Tür
unterhielten
- der eine
machte
mit
beiden
,
weit
vorgestreckten
Händen
die
Bewegung
des
Geldaufzählens
, der
andere
sah
ihm
scharf
in die
Augen
-,
faßte
eine
Hand
nach
K
. Es war ein
kleiner
,
rotbäckiger
Junge
. "
Kommen
Sie,
kommen
Sie",
sagte
er.
K
.
ließ
sich von
ihm
führen
, es
zeigte
sich, daß in dem
durcheinanderwimmelnden
Gedränge
doch ein
schmaler
Weg
frei
war, der
möglicherweise
zwei
Parteien
schied
; dafür
sprach
auch, daß
K
. in den
ersten
Reihen
rechts
und
links
kaum
ein
ihm
zugewendetes
Gesicht
sah
,
sondern
nur die
Rücken
von
Leuten
,
welche
ihre
Reden
und
Bewegungen
nur an
Leute
ihrer
Partei
richteten
. Die
meisten
waren
schwarz
angezogen
, in
alten
,
lang
und
lose
hinunterhängenden
Feiertagsröcken
. Nur diese
Kleidung
beirrte
K
., sonst hätte er das
Ganze
für
eine
politische
Bezirksversammlung
angesehen
.
Am
anderen
Ende
des
Saales
, zu dem
K
.
geführt
wurde
,
stand
auf einem sehr
niedrigen
,
gleichfalls
überfüllten
Podium
ein
kleiner
Tisch
, der
Quere
nach
aufgestellt
, und hinter
ihm
,
nahe
am
Rand
des
Podiums
,
saß
ein
kleiner
,
dicker
,
schnaufender
Mann, der sich
gerade
mit einem hinter
ihm
Stehenden
- dieser hatte den
Ellbogen
auf die
Sessellehne
gestützt
und die
Beine
gekreuzt
unter
großem
Gelächter
unterhielt
. Manchmal
warf
er den
Arm
in die
Luft
, als
karikiere
er
jemanden
. Der
Junge
, der
K
.
führte
, hatte
Mühe
, seine
Meldung
vorzubringen
.
Zweimal
hatte er schon, auf den
Fußspitzen
stehend
, etwas
auszurichten
versucht
, ohne von dem Mann oben
beachtet
worden
zu
sein
.
Erst
als einer der
Leute
oben auf dem
Podium
auf den
Jungen
aufmerksam
machte
,
wandte
sich der Mann
ihm
zu und
hörte
hinuntergebeugt
seinen
leisen
Bericht
an. Dann
zog
er seine
Uhr
und
sah
schnell
nach
K
. hin. "Sie
hätten
vor
einer
Stunde
und
fünf
Minuten
erscheinen
sollen
",
sagte
er.
K
.
wollte
etwas
antworten
, aber er hatte keine
Zeit
,
denn
kaum
hatte der Mann
ausgesprochen
,
erhob
sich in der
rechten
Saalhälfte
ein
allgemeines
Murren
. "Sie
hätten
vor
einer
Stunde
und
fünf
Minuten
erscheinen
sollen
",
wiederholte
nun der Mann mit
erhobener
Stimme
und
sah
nun auch
schnell
in den
Saal
hinunter.
Sofort
wurde
auch das
Murren
stärker
und
verlor
sich,
da
der Mann nichts mehr
sagte
, nur
allmählich
. Es war jetzt im
Saal
viel
stiller
als bei
K
.
s
Eintritt
. Nur die
Leute
auf der
Galerie
hörten
nicht auf, ihre
Bemerkungen
zu
machen
. Sie
schienen
,
soweit
man oben in dem
Halbdunkel
,
Dunst
und
Staub
etwas
unterscheiden
konnte,
schlechter
angezogen
zu
sein
als die
unten
.
Manche
hatten
Polster
mitgebracht
, die sie zwischen den
Kopf
und die
Zimmerdecke
gelegt
hatten, um sich nicht
wundzudrücken
.
K
. hatte sich
entschlossen
, mehr zu
beobachten
als zu
reden
,
infolgedessen
verzichtete
er auf die
Verteidigung
wegen seines
angeblichen
Zuspätkommens
und
sagte
bloß
: "
Mag
ich zu
spät
gekommen
sein
, jetzt bin ich hier." Ein
Beifallklatschen
, wieder aus der
rechten
Saalhälfte
,
folgte
.
Leicht
zu
gewinnende
Leute
,
dachte
K
. und war nur
gestört
durch die
Stille
in der
linken
Saalhälfte
, die
gerade
hinter
ihm
lag
und aus der sich nur
ganz
vereinzeltes
Händeklatschen
erhoben
hatte. Er
dachte
nach, was er
sagen
könnte
, um alle auf
einmal
oder, wenn das nicht
möglich
sein
sollte
,
wenigstens
zeitweilig
auch die
anderen
zu
gewinnen
.
"Ja",
sagte
der Mann, "aber ich bin nicht mehr
verpflichtet
, Sie jetzt zu
verhören
" - wieder das
Murren
,
diesmal
aber
mißverständlich
,
denn
der Mann
fuhr
,
indem
er den
Leuten
mit der
Hand
abwinkte
,
fort
, - "ich will es
jedoch
ausnahmsweise
heute
noch tun. Eine solche
Verspätung
darf
sich aber nicht mehr
wiederholen
. Und nun
treten
Sie
vor
!"
Irgend
jemand
sprang
vom
Podium
hinunter, so daß
für
K
. ein
Platz
frei
wurde
, auf den er
hinaufstieg
. Er
stand
eng
an den
Tisch
gedrückt
, das
Gedränge
hinter
ihm
war so
groß
, daß er
ihm
Widerstand
leisten
mußte
,
wollte
er nicht den
Tisch
des
Untersuchungsrichters
und vielleicht auch diesen selbst vom
Podium
hinunterstoßen
.
Der
Untersuchungsrichter
kümmerte
sich aber nicht darum,
sondern
saß
recht
bequem
auf seinem
Sessel
und
griff
, nachdem er dem Mann hinter
ihm
ein
abschließendes
Wort
gesagt
hatte, nach einem
kleinen
Anmerkungsbuch
, dem
einzigen
Gegenstand
auf seinem
Tisch
. Es war
schulheftartig
,
alt
, durch
vieles
Blättern
ganz
aus der
Form
gebracht
. "Also",
sagte
der
Untersuchungsrichter
,
blätterte
in dem
Heft
und
wandte
sich im
Tone
einer
Feststellung
an
K
., "Sie sind
Zimmermaler
?" "Nein",
sagte
K
., "
sondern
erster
Prokurist
einer
großen
Bank
." Dieser
Antwort
folgte
bei der
rechten
Partei
unten
ein
Gelächter
, das so
herzlich
war, daß
K
.
mitlachen
mußte
. Die
Leute
stützten
sich mit den
Händen
auf ihre
Knie
und
schüttelten
sich wie unter
schweren
Hustenanfällen
. Es
lachten
sogar
einzelne
auf der
Galerie
. Der
ganz
böse
gewordene
Untersuchungsrichter
, der
wahrscheinlich
gegen die
Leute
unten
machtlos
war,
suchte
sich an der
Galerie
zu
entschädigen
,
sprang
auf,
drohte
der
Galerie
, und seine sonst wenig
auffallenden
Augenbrauen
drängten
sich
buschig
,
schwarz
und
groß
über seinen
Augen
.
Die
linke
Saalhälfte
war aber noch immer
still
, die
Leute
standen
dort in
Reihen
, hatten ihre
Gesichter
dem
Podium
zugewendet
und
hörten
den
Worten
, die oben
gewechselt
wurden
,
ebenso
ruhig
zu wie dem
Lärm
der
anderen
Partei
, sie
duldeten
sogar, daß
einzelne
aus ihren
Reihen
mit der
anderen
Partei
hie
und
da
gemeinsam
vorgingen
. Die
Leute
der
linken
Partei
, die
übrigens
weniger
zahlreich
waren
,
mochten
im
Grunde
ebenso
unbedeutend
sein
wie die der
rechten
Partei
, aber die
Ruhe
ihres
Verhaltens
ließ
sie
bedeutungsvoller
erscheinen
. Als
K
. jetzt zu
reden
begann
, war er
überzeugt
, in ihrem
Sinne
zu
sprechen
.
"Ihre
Frage
,
Herr
Untersuchungsrichter
, ob ich
Zimmermaler
bin -
vielmehr
, Sie haben
gar
nicht
gefragt
,
sondern
es mir auf den
Kopf
zugesagt
-, ist
bezeichnend
für
die
ganze
Art
des
Verfahrens
, das gegen mich
geführt
wird. Sie
können
einwenden
, daß es ja
überhaupt
kein
Verfahren
ist, Sie haben sehr
recht
,
denn
es ist ja nur ein
Verfahren
, wenn ich es als
solches
anerkenne
. Aber ich
erkenne
es also
für
den
Augenblick
jetzt an, aus
Mitleid
gewissermaßen
. Man kann sich nicht anders als
mitleidig
dazu
stellen
, wenn man es
überhaupt
beachten
will. Ich
sage
nicht, daß es ein
liederliches
Verfahren
ist, aber ich
möchte
Ihnen diese
Bezeichnung
zur
Selbsterkenntnis
angeboten
haben."
K
.
unterbrach
sich und
sah
in den
Saal
hinunter. Was er
gesagt
hatte, war
scharf
,
schärfer
, als er es
beabsichtigt
hatte, aber doch richtig. Es hätte
Beifall
hier oder dort
verdient
, es war
jedoch
alles
still
, man
wartete
offenbar
gespannt
auf das
Folgende
, es
bereitete
sich vielleicht in der
Stille
ein
Ausbruch
vor
, der allem ein
Ende
machen
würde
.
Störend
war es, daß sich jetzt die
Tür
am
Saalende
öffnete
, die
junge
Wäscherin
, die ihre
Arbeit
wahrscheinlich
beendet
hatte,
eintrat
und
trotz
aller
Vorsicht
, die sie
aufwendete
, einige
Blicke
auf sich
zog
. Nur der
Untersuchungsrichter
machte
K
.
unmittelbare
Freude
,
denn
er
schien
von den
Worten
sofort
getroffen
zu werden. Er hatte
bisher
stehend
zugehört
,
denn
er war von
K
.
s
Ansprache
überrascht
worden
,
während
er sich
für
die
Galerie
aufgerichtet
hatte. Jetzt, in der
Pause
,
setzte
er sich
allmählich
, als
sollte
es nicht
bemerkt
werden.
Wahrscheinlich
um seine
Miene
zu
beruhigen
,
nahm
er wieder das
Heftchen
vor
.
"Es
hilft
nichts",
fuhr
K
.
fort
, "auch Ihr
Heftchen
,
Herr
Untersuchungsrichter
,
bestätigt
, was ich
sage
."
Zufrieden
damit, nur seine
ruhigen
Worte
in der
fremden
Versammlung
zu
hören
,
wagte
es
K
. sogar,
kurzerhand
das
Heft
dem
Untersuchungsrichter
wegzunehmen
und es mit den
Fingerspitzen
, als
scheue
er sich
davor
, an einem
mittleren
Blatte
hochzuheben
, so daß
beiderseits
die
engbeschriebenen
,
fleckigen
,
gelbrandigen
Blätter
hinunterhingen
. "Das sind die
Akten
des
Untersuchungsrichters
",
sagte
er und
ließ
das
Heft
auf den
Tisch
hinunterfallen
. "
Lesen
Sie darin
ruhig
weiter,
Herr
Untersuchungsrichter
,
vor
diesem
Schuldbuch
fürchte
ich mich
wahrhaftig
nicht, obwohl es mir
unzugänglich
ist,
denn
ich kann es nur mit zwei
Fingern
anfassen
und
würde
es nicht in die
Hand
nehmen
." Es konnte nur ein
Zeichen
tiefer
Demütigung
sein
oder es
mußte
zumindest
so
aufgefaßt
werden, daß der
Untersuchungsrichter
nach dem
Heftchen
, wie es auf den
Tisch
gefallen
war,
griff
, es ein wenig in
Ordnung
zu
bringen
suchte
und es wieder
vornahm
, um darin zu
lesen
.
Die
Gesichter
der
Leute
in der
ersten
Reihe
waren
so
gespannt
auf
K
.
gerichtet
, daß er ein
Weilchen
lang
zu ihnen
hinuntersah
. Es
waren
durchwegs
ältere
Männer
, einige
waren
weißbärtig
.
Waren
vielleicht sie die
Entscheidenden
, die die
ganze
Versammlung
beeinflussen
konnten
,
welche
auch durch die
Demütigung
des
Untersuchungsrichters
sich nicht aus der
Regungslosigkeit
bringen
ließ
, in
welche
sie seit
K
.
s
Rede
versunken
war?
"Was mir
geschehen
ist",
fuhr
K
.
fort
, etwas
leiser
als
früher
, und
suchte
immer wieder die
Gesichter
der
ersten
Reihe
ab, was seiner
Rede
einen etwas
fahrigen
Ausdruck
gab
, "was mir
geschehen
ist, ist ja nur ein
einzelner
Fall
und als
solcher
nicht sehr
wichtig
,
da
ich es nicht sehr
schwer
nehme
, aber es ist das
Zeichen
eines
Verfahrens
, wie es gegen viele
geübt
wird.
Für
diese
stehe
ich hier ein, nicht
für
mich."
Er hatte
unwillkürlich
seine
Stimme
erhoben
. Irgendwo
klatschte
jemand
mit
erhobenen
Händen
und
rief
: "
Bravo
! Warum
denn
nicht?
Bravo
! Und wieder
Bravo
!" Die in der
ersten
Reihe
griffen
hier und
da
in ihre
Bärte
, keiner
kehrte
sich wegen des
Ausrufs
um. Auch
K
.
maß
ihm
keine
Bedeutung
bei, war aber doch
aufgemuntert
; er
hielt
es jetzt
gar
nicht mehr
für
nötig
, daß alle
Beifall
klatschten
, es
genügte
, wenn die
Allgemeinheit
über die
Sache
nachzudenken
begann
und nur manchmal einer durch
Überredung
gewonnen
wurde
.
"Ich will nicht
Rednererfolg
",
sagte
K
. aus dieser
Überlegung
heraus
, "er
dürfte
mir auch nicht
erreichbar
sein
. Der
Herr
Untersuchungsrichter
spricht
wahrscheinlich
viel
besser
, es
gehört
ja zu seinem
Beruf
. Was ich will, ist nur die
öffentliche
Besprechung
eines
öffentlichen
Mißstandes
.
Hören
Sie: Ich bin
vor
etwa zehn
Tagen
verhaftet
worden
, über die
Tatsache
der
Verhaftung
selbst
lache
ich, aber das
gehört
jetzt nicht
hierher
. Ich
wurde
früh
im
Bett
überfallen
, vielleicht hatte man - es ist nach dem, was der
Untersuchungsrichter
sagte
, nicht
ausgeschlossen
- den
Befehl
,
irgendeinen
Zimmermaler
, der
ebenso
unschuldig
ist wie ich, zu
verhaften
, aber man
wählte
mich. Das
Nebenzimmer
war von zwei
groben
Wächtern
besetzt
. Wenn ich ein
gefährlicher
Räuber
wäre
, hätte man nicht
bessere
Vorsorge
treffen
können
. Diese
Wächter
waren
überdies
demoralisiertes
Gesindel
, sie
schwätzten
mir die
Ohren
voll
, sie
wollten
sich
bestechen
lassen
, sie
wollten
mir unter
Vorspiegelungen
Wäsche
und
Kleider
herauslocken
, sie
wollten
Geld
, um mir
angeblich
ein
Frühstück
zu
bringen
, nachdem sie mein eigenes
Frühstück
vor
meinen
Augen
schamlos
aufgegessen
hatten. Nicht genug daran. Ich
wurde
in ein
drittes
Zimmer
vor
den
Aufseher
geführt
. Es war das
Zimmer
einer
Dame
, die ich sehr
schätze
, und ich
mußte
zusehen
, wie dieses
Zimmer
meinetwegen
, aber ohne meine
Schuld
, durch die
Anwesenheit
der
Wächter
und des
Aufsehers
gewissermaßen
verunreinigt
wurde
. Es war nicht
leicht
,
ruhig
zu
bleiben
. Es
gelang
mir aber, und ich
fragte
den
Aufseher
vollständig
ruhig
- wenn er hier
wäre
,
müßte
er es
bestätigen
-, warum ich
verhaftet
sei
. Was
antwortete
nun dieser
Aufseher
, den ich jetzt noch
vor
mir
sehe
, wie er auf dem
Sessel
der
erwähnten
Dame
als eine
Darstellung
des
stumpfsinnigsten
Hochmuts
sitzt
? Meine
Herren
, er
antwortete
im
Grunde
nichts, vielleicht
wußte
er
wirklich
nichts, er hatte mich
verhaftet
und war damit
zufrieden
. Er hat sogar noch ein
übriges
getan
und in das
Zimmer
jener
Dame
drei
niedrige
Angestellte
meiner
Bank
gebracht
, die sich damit
beschäftigten
,
Photographien
,
Eigentum
der
Dame
, zu
betasten
und in
Unordnung
zu
bringen
. Die
Anwesenheit
dieser
Angestellten
hatte
natürlich
noch einen
andern
Zweck
, sie
sollten
,
ebenso
wie meine
Vermieterin
und ihr
Dienstmädchen
, die
Nachricht
von meiner
Verhaftung
verbreiten
, mein
öffentliches
Ansehen
schädigen
und
insbesondere
in der
Bank
meine
Stellung
erschüttern
. Nun ist nichts davon, auch nicht im
geringsten
,
gelungen
, selbst meine
Vermieterin
, eine
ganz
einfache
Person
- ich will ihren
Namen
hier in
ehrendem
Sinne
nennen
, sie
heißt
Frau
Grubach
-, selbst
Frau
Grubach
war
verständig
genug,
einzusehen
, daß eine solche
Verhaftung
nicht mehr
bedeutet
, als einen
Anschlag
, den nicht
genügend
beaufsichtigte
Jungen
auf der
Gasse
ausführen
. Ich
wiederhole
, mir hat das
Ganze
nur
Unannehmlichkeiten
und
vorübergehenden
Ärger
bereitet
, hätte es aber nicht auch
schlimmere
Folgen
haben
können
?"
Als
K
. sich hier
unterbrach
und nach dem
stillen
Untersuchungsrichter
hinsah
,
glaubte
er zu
bemerken
, daß dieser
gerade
mit einem
Blick
jemandem
in der
Menge
ein
Zeichen
gab
.
K
.
lächelte
und
sagte
: "
Eben
gibt
hier neben mir der
Herr
Untersuchungsrichter
jemandem
von Ihnen ein
geheimes
Zeichen
. Es sind also
Leute
unter Ihnen, die von hier oben
dirigiert
werden. Ich
weiß
nicht, ob das
Zeichen
jetzt
Zischen
oder
Beifall
bewirken
sollte
, und
verzichte
dadurch
, daß ich die
Sache
vorzeitig
verrate
,
ganz
bewußt
darauf, die
Bedeutung
des
Zeichens
zu
erfahren
. Es ist mir
vollständig
gleichgültig
, und ich
ermächtige
den
Herrn
Untersuchungsrichter
öffentlich
, seine
bezahlten
Angestellten
dort
unten
, statt mit
geheimen
Zeichen
,
laut
mit
Worten
zu
befehligen
,
indem
er etwa
einmal
sagt
: "Jetzt
zischt
!" und das
nächste
Mal
: "Jetzt
klatscht
!""
In
Verlegenheit
oder
Ungeduld
rückte
der
Untersuchungsrichter
auf seinem
Sessel
hin und her. Der Mann hinter
ihm
, mit dem er sich schon
früher
unterhalten
hatte,
beugte
sich wieder zu
ihm
,
sei
es, um
ihm
im
allgemeinen
Mut
zuzusprechen
oder um
ihm
einen
besonderen
Rat
zu
geben
.
Unten
unterhielten
sich die
Leute
leise
, aber
lebhaft
. Die zwei
Parteien
, die
früher
so
entgegengesetzte
Meinungen
gehabt
zu haben
schienen
,
vermischten
sich,
einzelne
Leute
zeigten
mit dem
Finger
auf
K
.,
andere
auf den
Untersuchungsrichter
. Der
neblige
Dunst
im
Zimmer
war
äußerst
lästig
, er
verhinderte
sogar eine
genauere
Beobachtung
der
Fernerstehenden
.
Besonders
für
die
Galeriebesucher
mußte
er
störend
sein
, sie
waren
gezwungen
,
allerdings
unter
scheuen
Seitenblicken
nach dem
Untersuchungsrichter
,
leise
Fragen
an die
Versammlungsteilnehmer
zu
stellen
, um sich
näher
zu
unterrichten
. Die
Antworten
wurden
im
Schutz
der
vorgehaltenen
Hände
ebenso
leise
gegeben
.
"Ich bin
gleich
zu
Ende
",
sagte
K
. und
schlug
,
da
keine
Glocke
vorhanden
war mit der
Faust
auf den
Tisch
; im
Schrecken
darüber
fuhren
die
Köpfe
des
Untersuchungsrichters
und seines
Ratgebers
augenblicklich
auseinander
: "Mir
steht
die
ganze
Sache
fern
, ich
beurteile
sie daher
ruhig
, und Sie
können
,
vorausgesetzt
, daß Ihnen an diesem
angeblichen
Gericht
etwas
gelegen
ist,
großen
Vorteil
davon haben, wenn Sie mir
zuhören
. Ihre
gegenseitigen
Besprechungen
dessen, was ich
vorbringe
,
bitte
ich Sie
für
späterhin
zu
verschieben
,
denn
ich habe keine
Zeit
und
werde
bald
weggehen
."
Sofort
war es
still
, so sehr
beherrschte
K
. schon die
Versammlung
. Man
schrie
nicht mehr
durcheinander
wie am
Anfang
, man
klatschte
nicht
einmal
mehr
Beifall
, aber man
schien
schon
überzeugt
oder auf dem
nächsten
Wege
dazu.
"Es ist kein
Zweifel
",
sagte
K
. sehr
leise
,
denn
ihn
freute
das
angespannte
Aufhorchen
der
ganzen
Versammlung
, in dieser
Stille
entstand
ein
Sausen
, das
aufreizender
war als der
verzückteste
Beifall
, "es ist kein
Zweifel
, daß hinter
allen
Äußerungen
dieses
Gerichtes
, in
meinem
Fall
also hinter der
Verhaftung
und der
heutigen
Untersuchung
, eine
große
Organisation
sich
befindet
. Eine
Organisation
, die nicht nur
bestechliche
Wächter
,
läppische
Aufseher
und
Untersuchungsrichter
, die
günstigsten
Falles
bescheiden
sind,
beschäftigt
,
sondern
die
weiterhin
jedenfalls
eine
Richterschaft
hohen
und
höchsten
Grades
unterhält
, mit dem
zahllosen
,
unumgänglichen
Gefolge
von
Dienern
,
Schreibern
,
Gendarmen
und
andern
Hilfskräften
, vielleicht sogar
Henkern
, ich
scheue
vor
dem
Wort
nicht
zurück
. Und der
Sinn
dieser
großen
Organisation
, meine
Herren
? Er
besteht
darin, daß
unschuldige
Personen
verhaftet
werden und gegen sie ein
sinnloses
und
meistens
, wie in
meinem
Fall
,
ergebnisloses
Verfahren
eingeleitet
wird. Wie
ließe
sich bei dieser
Sinnlosigkeit
des
Ganzen
die
schlimmste
Korruption
der
Beamtenschaft
vermeiden
? Das ist
unmöglich
, das
brächte
auch der
höchste
Richter
nicht
einmal
für
sich selbst
zustande
. Darum
suchen
die
Wächter
den
Verhafteten
die
Kleider
vom
Leib
zu
stehlen
, darum
brechen
Aufseher
in
fremde
Wohnungen
ein, darum
sollen
Unschuldige
, statt
verhört
,
lieber
vor
ganzen
Versammlungen
entwürdigt
werden. Die
Wächter
haben nur von
Depots
erzählt
, in die man das
Eigentum
der
Verhafteten
bringt
, ich
wollte
einmal
diese
Depotplätze
sehen
, in denen das
mühsam
erarbeitete
Vermögen
der
Verhafteten
fault
,
soweit
es nicht von
diebischen
Depotbeamten
gestohlen
ist."
K
.
wurde
durch ein
Kreischen
vom
Saalende
unterbrochen
, er
beschattete
die
Augen
, um
hinsehen
zu
können
,
denn
das
trübe
Tageslicht
machte
den
Dunst
weißlich
und
blendete
. Es
handelte
sich um die
Waschfrau
, die
K
.
gleich
bei ihrem
Eintritt
als eine
wesentliche
Störung
erkannt
hatte. Ob sie jetzt
schuldig
war oder nicht, konnte man nicht
erkennen
.
K
.
sah
nur, daß ein Mann sie in einen
Winkel
bei der
Tür
gezogen
hatte und dort an sich
drückte
. Aber nicht sie
kreischte
,
sondern
der Mann, er hatte den
Mund
breit
gezogen
und
blickte
zur
Decke
. Ein
kleiner
Kreis
hatte sich um
beide
gebildet
, die
Galeriebesucher
in der
Nähe
schienen
darüber
begeistert
, daß der
Ernst
, den
K
. in die
Versammlung
eingeführt
hatte, auf diese
Weise
unterbrochen
wurde
.
K
.
wollte
unter dem
ersten
Eindruck
gleich
hinlaufen
, auch
dachte
er,
allen
würde
daran
gelegen
sein
, dort
Ordnung
zu
schaffen
und
zumindest
das
Paar
aus dem
Saal
zu
weisen
, aber die
ersten
Reihen
vor
ihm
blieben
ganz
fest
, keiner
rührte
sich, und keiner
ließ
K
. durch. Im
Gegenteil
, man
hinderte
ihn
,
alte
Männer
hielten
den
Arm
vor
, und irgendeine
Hand
- er hatte nicht
Zeit
, sich
umzudrehen
-
faßte
ihn
hinten
am
Kragen
.
K
.
dachte
nicht
eigentlich
mehr an das
Paar
,
ihm
war, als
werde
seine
Freiheit
eingeschränkt
, als
mache
man mit der
Verhaftung
ernst
, und er
sprang
rücksichtslos
vom
Podium
hinunter. Nun
stand
er
Aug
in
Aug
dem
Gedränge
gegenüber
. Hatte er die
Leute
richtig
beurteilt
? Hatte er seiner
Rede
zuviel
Wirkung
zugetraut
? Hatte man sich
verstellt
,
solange
er
gesprochen
hatte, und hatte man jetzt,
da
er zu den
Schlußfolgerungen
kam
, die
Verstellung
satt
? Was
für
Gesichter
rings
um
ihn
!
Kleine
,
schwarze
Äuglein
huschten
hin und her, die
Wangen
hingen
herab, wie bei
Versoffenen
, die
langen
Bärte
waren
steif
und
schütter
, und
griff
man in sie, so war es, als
bilde
man
bloß
Krallen
, nicht als
griffe
man in
Bärte
. Unter den
Bärten
aber - und das war die
eigentliche
Entdeckung
, die
K
.
machte
-
schimmerten
am
Rockkragen
Abzeichen
in
verschiedener
Größe
und
Farbe
. Alle hatten diese
Abzeichen
,
soweit
man
sehen
konnte. Alle
gehörten
zueinander
, die
scheinbaren
Parteien
rechts
und
links
, und als er sich
plötzlich
umdrehte
,
sah
er die
gleichen
Abzeichen
am
Kragen
des
Untersuchungsrichters
, der, die
Hände
im
Schoß
,
ruhig
hinuntersah
. "So",
rief
K
. und
warf
die
Arme
in die
Höhe
, die
plötzliche
Erkenntnis
wollte
Raum
, "ihr seid ja alle
Beamte
, wie ich
sehe
, ihr seid ja die
korrupte
Bande
, gegen die ich
sprach
, ihr habt
euch
hier
gedrängt
, als
Zuhörer
und
Schnüffler
, habt
scheinbare
Parteien
gebildet
, und eine hat
applaudiert
, um mich zu
prüfen
, ihr
wolltet
lernen
, wie man
Unschuldige
verführen
soll
! Nun, ihr seid nicht
nutzlos
hier
gewesen
,
hoffe
ich, entweder habt ihr
euch
darüber
unterhalten
, daß
jemand
die
Verteidigung
der
Unschuld
von
euch
erwartet
hat, oder aber -
laß
mich oder ich
schlage
",
rief
K
. einem
zitternden
Greis
zu, der sich
besonders
nahe
an
ihn
geschoben
hatte - "oder aber ihr habt
wirklich
etwas
gelernt
. Und damit
wünsche
ich
euch
Glück
zu
euerem
Gewerbe
." Er
nahm
schnell
seinen
Hut
, der am
Rande
des
Tisches
lag
, und
drängte
sich unter
allgemeiner
Stille
,
jedenfalls
der
Stille
vollkommenster
Überraschung
, zum
Ausgang
. Der
Untersuchungsrichter
schien
aber noch
schneller
als
K
.
gewesen
zu
sein
,
denn
er
erwartete
ihn
bei der
Tür
. "Einen
Augenblick
",
sagte
er.
K
.
blieb
stehen
,
sah
aber nicht auf den
Untersuchungsrichter
,
sondern
auf die
Tür
, deren
Klinke
er schon
ergriffen
hatte. "Ich
wollte
Sie nur darauf
aufmerksam
machen
",
sagte
der
Untersuchungsrichter
, "daß Sie sich
heute
- es
dürfte
Ihnen noch nicht zu
Bewußtsein
gekommen
sein
- des
Vorteils
beraubt
haben, den ein
Verhör
für
den
Verhafteten
in jedem
Falle
bedeutet
."
K
.
lachte
die
Tür
an. "Ihr
Lumpen
",
rief
er, "ich
schenke
euch
alle
Verhöre
",
öffnete
die
Tür
und
eilte
die
Treppe
hinunter. Hinter
ihm
erhob
sich der
Lärm
der wieder
lebendig
gewordenen
Versammlung
,
welche
die
Vorfälle
wahrscheinlich
nach
Art
von
Studierenden
zu
besprechen
begann
.
zurück
-
vor
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