Index
|
Wörter
:
alphabetisch
-
Frequenz
-
rückläufig
-
Länge
-
Statistik
|
Hilfe
|
IntraText-Bibliothek
Franz Kafka
Der Prozeß
IntraText CT - Text
Sechstes Kapitel. Der Onkel - Leni
zurück
-
vor
Hier klicken um die Links zu den Konkordanzen auszublenden
Sechstes
Kapitel
.
Der
Onkel
-
Leni
Eines
Nachmittags
-
K
. war
gerade
vor
dem
Postabschluß
sehr
beschäftigt
-
drängte
sich zwischen zwei
Dienern
, die
Schriftstücke
hineintrugen
,
K
.
s
Onkel
Karl
, ein
kleiner
Grundbesitzer
vom
Lande
,
ins
Zimmer
.
K
.
erschrak
bei dem
Anblick
weniger
, als er schon
vor
längerer
Zeit
bei der
Vorstellung
vom
Kommen
des
Onkels
erschrocken
war. Der
Onkel
mußte
kommen
, das
stand
bei
K
. schon etwa einen
Monat
lang
fest
. Schon damals hatte er
ihn
zu
sehen
geglaubt
, wie er, ein wenig
gebückt
, den
eingedrückten
Panamahut
in der
Linken
, die
Rechte
schon von
weitem
ihm
entgegenstreckte
und sie mit
rücksichtsloser
Eile
über den
Schreibtisch
hinreichte
, alles
umstoßend
, was
ihm
im
Wege
war. Der
Onkel
befand
sich immer in
Eile
,
denn
er war von dem
unglücklichen
Gedanken
verfolgt
, bei seinem immer nur
eintägigen
Aufenthalt
in der
Hauptstadt
müsse
er alles
erledigen
können
, was er sich
vorgenommen
hatte, und
dürfe
überdies
auch kein
gelegentlich
sich
darbietendes
Gespräch
oder
Geschäft
oder
Vergnügen
sich
entgehen
lassen
. Dabei
mußte
ihm
K
., der
ihm
als seinem
gewesenen
Vormund
besonders
verpflichtet
war, in allem
möglichen
behilflich
sein
und
ihn
außerdem
bei sich
übernachten
lassen
. "Das
Gespenst
vom
Lande
"
pflegte
er
ihn
zu
nennen
.
Gleich
nach der
Begrüßung
- sich in den
Fauteuil
zu
setzen
, wozu
ihn
K
.
einlud
, hatte er keine
Zeit
-
bat
er
K
. um ein
kurzes
Gespräch
unter vier
Augen
. "Es ist
notwendig
",
sagte
er,
mühselig
schluckend
, "zu meiner
Beruhigung
ist es
notwendig
."
K
.
schickte
sofort
die
Diener
aus dem
Zimmer
, mit der
Weisung
, niemand
einzulassen
. "Was habe ich
gehört
,
Josef
?"
rief
der
Onkel
, als sie allein
waren
,
setzte
sich auf den
Tisch
und
stopfte
unter sich, ohne
hinzusehen
,
verschiedene
Papiere
, um
besser
zu
sitzen
.
K
.
schwieg
, er
wußte
, was
kommen
würde
, aber,
plötzlich
von der
anstrengenden
Arbeit
entspannt
, wie er war,
gab
er sich
zunächst
einer
angenehmen
Mattigkeit
hin und
sah
durch das
Fenster
auf die
gegenüberliegende
Straßenseite
, von der von seinem
Sitz
aus nur ein
kleiner
,
dreieckiger
Ausschnitt
zu
sehen
war, ein
Stück
leerer
Häusermauer
zwischen zwei
Geschäftsauslagen
. "Du
schaust
aus dem
Fenster
!"
rief
der
Onkel
mit
erhobenen
Armen
, "um
Himmels
willen
,
Josef
,
antworte
mir doch! Ist es
wahr
, kann es
denn
wahr
sein
?" "
Lieber
Onkel
",
sagte
K
. und
riß
sich von seiner
Zerstreutheit
los
, "ich
weiß
ja
gar
nicht, was du von mir
willst
." "
Josef
",
sagte
der
Onkel
warnend
, "die
Wahrheit
hast du immer
gesagt
, soviel ich
weiß
.
Soll
ich deine
letzten
Worte
als
schlimmes
Zeichen
auffassen
?" "Ich
ahne
ja, was du
willst
",
sagte
K
.
folgsam
, "du hast
wahrscheinlich
von
meinem
Prozeß
gehört
." "So ist es",
antwortete
der
Onkel
,
langsam
nickend
, "ich habe von deinem
Prozeß
gehört
." "Von wem
denn
?"
fragte
K
. "
Erna
hat es mir
geschrieben
",
sagte
der
Onkel
, "sie hat ja
keinen
Verkehr
mit dir, du
kümmerst
dich
leider
nicht viel um sie, trotzdem hat sie es
erfahren
.
Heute
habe ich den
Brief
bekommen
und bin
natürlich
sofort
hergefahren
. Aus
keinem
anderen
Grund
, aber es
scheint
ein
genügender
Grund
zu
sein
. Ich kann dir die
Briefstelle
, die dich
betrifft
,
vorlesen
." Er
zog
den
Brief
aus der
Brieftasche
. "Hier ist es. Sie
schreibt
: "
Josef
habe ich schon
lange
nicht
gesehen
,
vorige
Woche
war ich
einmal
in der
Bank
, aber
Josef
war so
beschäftigt
, daß ich nicht
vorgelassen
wurde
; ich habe fast eine
Stunde
gewartet
,
mußte
dann aber nach
Hause
, weil ich
Klavierstunde
hatte. Ich hätte
gern
mit
ihm
gesprochen
, vielleicht wird sich
nächstens
eine
Gelegenheit
finden
. Zu
meinem
Namenstag
hat er mir eine
große
Schachtel
Schokolade
geschickt
, es war sehr
lieb
und
aufmerksam
. Ich hatte
vergessen
, es
Euch
damals zu
schreiben
,
erst
jetzt,
da
Ihr mich
fragt
,
erinnere
ich mich daran.
Schokolade
,
müßt
ihr
wissen
,
verschwindet
nämlich
in der
Pension
sofort
,
kaum
ist man zum
Bewußtsein
dessen
gekommen
, daß man mit
Schokolade
beschenkt
worden
ist, ist sie auch schon
weg
. Aber was
Josef
betrifft
,
wollte
ich
Euch
noch etwas
sagen
. Wie
erwähnt
,
wurde
ich in der
Bank
nicht zu
ihm
vorgelassen
, weil er
gerade
mit einem
Herrn
verhandelte
. Nachdem ich eine
Zeitlang
ruhig
gewartet
hatte,
fragte
ich einen
Diener
, ob die
Verhandlung
noch
lange
dauern
werde
. Er
sagte
, das
dürfte
wohl
sein
,
denn
es
handle
sich
wahrscheinlich
um den
Prozeß
, der gegen den
Herrn
Prokuristen
geführt
werde
. Ich
fragte
, was
denn
das
für
ein
Prozeß
sei
, ob er sich nicht
irre
, er aber
sagte
, er
irre
sich nicht, es
sei
ein
Prozeß
, und zwar ein
schwerer
Prozeß
, mehr aber
wisse
er nicht. Er selbst
möchte
dem
Herrn
Prokuristen
gerne
helfen
,
denn
dieser
sei
ein
guter
und
gerechter
Herr
, aber er
wisse
nicht, wie er es
anfangen
sollte
, und er
möchte
nur
wünschen
, daß sich
einflußreiche
Herren
seiner
annehmen
würden
. Dies
werde
auch
sicher
geschehen
, und es
werde
schließlich
ein
gutes
Ende
nehmen
,
vorläufig
aber
stehe
es, wie er aus der
Laune
des
Herrn
Prokuristen
entnehmen
könne
,
gar
nicht
gut
. Ich
legte
diesen
Reden
natürlich
nicht viel
Bedeutung
bei,
suchte
auch den
einfältigen
Diener
zu
beruhigen
,
verbot
ihm
,
anderen
gegenüber
davon zu
sprechen
, und
halte
das
Ganze
für
ein
Geschwätz
. Trotzdem
wäre
es vielleicht
gut
, wenn Du,
liebster
Vater
, bei Deinem
nächsten
Besuch
der
Sache
nachgehen
wolltest
, es wird Dir
leicht
sein
,
Genaueres
zu
erfahren
und, wenn es
wirklich
nötig
sein
sollte
, durch Deine
großen
,
einflußreichen
Bekanntschaften
einzugreifen
.
Sollte
es aber nicht
nötig
sein
, was ja das
wahrscheinlichste
ist, so wird es
wenigstens
Deiner
Tochter
bald
Gelegenheit
geben
, Dich zu
umarmen
, was sie
freuen
würde
." - Ein
gutes
Kind
",
sagte
der
Onkel
, als er die
Vorlesung
beendet
hatte, und
wischte
einige
Tränen
aus den
Augen
fort
.
K
.
nickte
, er hatte
infolge
der
verschiedenen
Störungen
der
letzten
Zeit
vollständig
Erna
vergessen
, sogar ihren
Geburtstag
hatte er
vergessen
, und die
Geschichte
von der
Schokolade
war
offenbar
nur zu dem
Zweck
erfunden
, um
ihn
vor
Onkel
und
Tante
in
Schutz
zu
nehmen
. Es war sehr
rührend
, und mit den
Theaterkarten
, die er ihr von jetzt ab
regelmäßig
schicken
wollte
,
gewiß
nicht
genügend
belohnt
, aber zu
Besuchen
in der
Pension
und zu
Unterhaltungen
mit einer
kleinen
achtzehnjährigen
Gymnasiastin
fühlte
er sich jetzt nicht
geeignet
. "Und was
sagst
du jetzt?"
fragte
der
Onkel
, der durch den
Brief
alle
Eile
und
Aufregung
vergessen
hatte und
ihn
noch
einmal
zu
lesen
schien
. "Ja,
Onkel
",
sagte
K
., "es ist
wahr
." "
Wahr
?"
rief
der
Onkel
. "Was ist
wahr
? Wie kann es
denn
wahr
sein
? Was
für
ein
Prozeß
? Doch nicht ein
Strafprozeß
?" "Ein
Strafprozeß
",
antwortete
K
. "Und du
sitzt
ruhig
hier und hast einen
Strafprozeß
auf dem
Halse
?"
rief
der
Onkel
, der immer
lauter
wurde
. "
Je
ruhiger
ich bin,
desto
besser
ist es
für
den
Ausgang
",
sagte
K
.
müde
, "
fürchte
nichts." "Das kann mich nicht
beruhigen
!"
rief
der
Onkel
, "
Josef
,
lieber
Josef
,
denke
an dich, an deine
Verwandten
, an unsern
guten
Namen
! Du
warst
bisher
unsere
Ehre
, du
darfst
nicht
unsere
Schande
werden. Deine
Haltung
", er
sah
K
. mit
schief
geneigtem
Kopfe
an, "
gefällt
mir nicht, so
verhält
sich kein
unschuldig
Angeklagter
, der noch bei
Kräften
ist.
Sag
mir nur
schnell
,
worum
es sich
handelt
, damit ich dir
helfen
kann. Es
handelt
sich
natürlich
um die
Bank
?" "Nein",
sagte
K
. und
stand
auf, "du
sprichst
aber zu
laut
,
lieber
Onkel
, der
Diener
steht
wahrscheinlich
an der
Tür
und
horcht
. Das ist mir
unangenehm
. Wir
wollen
lieber
weggehen
. Ich
werde
dir dann alle
Fragen
, so
gut
es
geht
,
beantworten
. Ich
weiß
sehr
gut
, daß ich der
Familie
Rechenschaft
schuldig
bin." "Richtig!"
schrie
der
Onkel
, "sehr richtig,
beeile
dich nur,
Josef
,
beeile
dich!" "Ich
muß
nur noch einige
Aufträge
geben
",
sagte
K
. und
berief
telephonisch
seinen
Vertreter
zu sich, der in
wenigen
Augenblicken
eintrat
. Der
Onkel
, in seiner
Aufregung
,
zeigte
ihm
mit der
Hand
, daß
K
.
ihn
habe
rufen
lassen
,
woran
auch sonst kein
Zweifel
gewesen
wäre
.
K
., der
vor
dem
Schreibtisch
stand
,
erklärte
dem
jungen
Mann, der
kühl
, aber
aufmerksam
zuhörte
, mit
leiser
Stimme
unter
Zuhilfenahme
verschiedener
Schriftstücke
, was in seiner
Abwesenheit
heute
noch
erledigt
werden
müsse
. Der
Onkel
störte
,
indem
er
zuerst
mit
großen
Augen
und
nervösem
Lippenbeißen
dabeistand
, ohne
allerdings
zuzuhören
, aber der
Anschein
dessen war schon
störend
genug. Dann aber
ging
er im
Zimmer
auf und ab und
blieb
hie
und
da
vor
dem
Fenster
oder
vor
einem
Bild
stehen
,
wobei
er immer in
verschiedene
Ausrufe
ausbrach
, wie: "Mir ist es
vollständig
unbegreiflich
!" oder "Jetzt
sagt
mir nur, was
soll
denn
daraus werden!" Der
junge
Mann
tat
, als
bemerke
er nichts davon,
hörte
ruhig
K
.
s
Aufträge
bis zu
Ende
an,
notierte
sich auch
einiges
und
ging
, nachdem er sich
vor
K
. wie auch
vor
dem
Onkel
verneigt
hatte, der
ihm
aber
gerade
den
Rücken
zukehrte
, aus dem
Fenster
sah
und mit
ausgestreckten
Händen
die
Vorhänge
zusammenknüllte
. Die
Tür
hatte sich noch
kaum
geschlossen
, als der
Onkel
ausrief
: "
Endlich
ist der
Hampelmann
weggegangen
, jetzt
können
doch auch wir
gehen
.
Endlich
!" Es
gab
leider
kein
Mittel
, den
Onkel
zu
bewegen
, in der
Vorhalle
, wo einige
Beamte
und
Diener
herumstanden
und die
gerade
auch der
Direktor-Stellvertreter
kreuzte
, die
Fragen
wegen des
Prozesses
zu
unterlassen
. "Also,
Josef
",
begann
der
Onkel
,
während
er die
Verbeugungen
der
Umstehenden
durch
leichtes
Salutieren
beantwortete
, "jetzt
sag
mir
offen
, was es
für
ein
Prozeß
ist."
K
.
machte
einige
nichtssagende
Bemerkungen
,
lachte
auch ein wenig, und
erst
auf der
Treppe
erklärte
er dem
Onkel
, daß er
vor
den
Leuten
nicht habe
offen
reden
wollen
. "Richtig",
sagte
der
Onkel
, "aber jetzt
rede
." Mit
geneigtem
Kopf
, eine
Zigarre
in
kurzen
,
eiligen
Zügen
rauchend
,
hörte
er zu. "
Vor
allem,
Onkel
",
sagte
K
., "
handelt
es sich
gar
nicht um einen
Prozeß
vor
dem
gewöhnlichen
Gericht
." "Das ist
schlimm
",
sagte
der
Onkel
. "Wie?"
sagte
K
. und
sah
den
Onkel
an. "Daß das
schlimm
ist, meine ich",
wiederholte
der
Onkel
. Sie
standen
auf der
Freitreppe
, die zur
Straße
führte
;
da
der
Portier
zu
horchen
schien
,
zog
K
. den
Onkel
hinunter; der
lebhafte
Straßenverkehr
nahm
sie auf. Der
Onkel
, der sich in
K
.
eingehängt
hatte,
fragte
nicht mehr so
dringend
nach dem
Prozeß
, sie
gingen
sogar eine
Zeitlang
schweigend
weiter. "Wie ist es aber
geschehen
?"
fragte
endlich
der
Onkel
, so
plötzlich
stehenbleibend
, daß die hinter
ihm
gehenden
Leute
erschreckt
auswichen
. "Solche
Dinge
kommen
doch nicht
plötzlich
, sie
bereiten
sich seit
langem
vor
, es
müssen
Anzeichen
dessen
gewesen
sein
, warum hast du mir nicht
geschrieben
? Du
weißt
, daß ich
für
dich alles
tue
, ich bin ja
gewissermaßen
noch dein
Vormund
und war bis
heute
stolz
darauf. Ich
werde
dir
natürlich
auch jetzt noch
helfen
, nur ist es jetzt, wenn der
Prozeß
schon im
Gange
ist, sehr
schwer
. Am
besten
wäre
es
jedenfalls
, wenn du dir jetzt einen
kleinen
Urlaub
nimmst
und zu uns aufs
Land
kommst
. Du
bist
auch ein wenig
abgemagert
, jetzt
merke
ich es. Auf dem
Land
wirst
du dich
kräftigen
, das wird
gut
sein
, es
stehen
dir ja
gewiß
Anstrengungen
bevor
.
Außerdem
aber
wirst
du
dadurch
dem
Gericht
gewissermaßen
entzogen
sein
. Hier haben sie alle
möglichen
Machtmittel
, die sie
notwendigerweise
automatisch
auch dir
gegenüber
anwenden
; auf das
Land
müßten
sie aber
erst
Organe
delegieren
oder nur
brieflich
,
telegraphisch
,
telephonisch
auf dich
einzuwirken
suchen
. Das
schwächt
natürlich
die
Wirkung
ab,
befreit
dich zwar nicht, aber
läßt
dich
aufatmen
." "Sie
könnten
mir ja
verbieten
,
wegzufahren
",
sagte
K
., den die
Rede
des
Onkels
ein wenig in ihren
Gedankengang
gezogen
hatte. "Ich
glaube
nicht, daß sie das tun werden",
sagte
der
Onkel
nachdenklich
, "so
groß
ist der
Verlust
an
Macht
nicht, den sie durch deine
Abreise
erleiden
." "Ich
dachte
",
sagte
K
. und
faßte
den
Onkel
unterm
Arm
, um
ihn
am
Stehenbleiben
hindern
zu
können
, "daß du dem
Ganzen
noch
weniger
Bedeutung
beimessen
würdest
als ich, und jetzt
nimmst
du es selbst so
schwer
." "
Josef
",
rief
der
Onkel
und
wollte
sich
ihm
entwinden
, um
stehenbleiben
zu
können
, aber
K
.
ließ
ihn
nicht, "du
bist
verwandelt
, du
hattest
doch immer ein so
richtiges
Auffassungsvermögen
, und
gerade
jetzt
verläßt
es dich?
Willst
du
denn
den
Prozeß
verlieren
?
Weißt
du, was das
bedeutet
? Das
bedeutet
, daß du
einfach
gestrichen
wirst
. Und daß die
ganze
Verwandtschaft
mitgerissen
oder
wenigstens
bis auf den
Boden
gedemütigt
wird.
Josef
,
nimm
dich doch
zusammen
. Deine
Gleichgültigkeit
bringt
mich um den
Verstand
. Wenn man dich
ansieht
,
möchte
man fast dem
Sprichwort
glauben
: "Einen
solchen
Prozeß
haben,
heißt
ihn
schon
verloren
haben"."
"
Lieber
Onkel
",
sagte
K
., "die
Aufregung
ist so
unnütz
, sie ist es auf deiner
Seite
und
wäre
es auch auf meiner. Mit
Aufregung
gewinnt
man die
Prozesse
nicht,
laß
auch meine
praktischen
Erfahrungen
ein wenig
gelten
, so wie ich deine, selbst wenn sie mich
überraschen
, immer und auch jetzt sehr
achte
.
Da
du
sagst
, daß auch die
Familie
durch den
Prozeß
in
Mitleidenschaft
gezogen
würde
- was ich
für
meinen
Teil
durchaus
nicht
begreifen
kann, das ist aber
Nebensache
-, so will ich dir
gerne
in allem
folgen
. Nur den
Landaufenthalt
halte
ich selbst in deinem
Sinn
nicht
für
vorteilhaft
,
denn
das
würde
Flucht
und
Schuldbewußtsein
bedeuten
.
Überdies
bin ich hier zwar mehr
verfolgt
, kann aber auch selbst die
Sache
mehr
betreiben
." "Richtig",
sagte
der
Onkel
in einem
Ton
, als
kämen
sie jetzt
endlich
einander
näher
, "ich
machte
den
Vorschlag
nur, weil ich, wenn du hier
bliebst
, die
Sache
von deiner
Gleichgültigkeit
gefährdet
sah
und es
für
besser
hielt
, wenn ich statt deiner
für
dich
arbeitete
.
Willst
du es aber mit aller
Kraft
selbst
betreiben
, so ist es
natürlich
weit
besser
." "Darin
wären
wir also
einig
",
sagte
K
. "Und hast du jetzt einen
Vorschlag
dafür, was ich
zunächst
machen
soll
?" "Ich
muß
mir
natürlich
die
Sache
noch
überlegen
",
sagte
der
Onkel
, "du
mußt
bedenken
, daß ich jetzt schon zwanzig
Jahre
fast
ununterbrochen
auf dem
Lande
bin, dabei
läßt
der
Spürsinn
in diesen
Richtungen
nach.
Verschiedene
wichtige
Verbindungen
mit
Persönlichkeiten
, die sich hier vielleicht
besser
auskennen
, haben sich von selbst
gelockert
. Ich bin auf dem
Land
ein wenig
verlassen
, das
weißt
du ja. Selbst
merkt
man es
eigentlich
erst
bei
solchen
Gelegenheiten
. Zum
Teil
kam
mir deine
Sache
auch
unerwartet
, wenn ich auch
merkwürdigerweise
nach
Ernas
Brief
schon etwas
Derartiges
ahnte
und es
heute
bei deinem
Anblick
fast mit
Bestimmtheit
wußte
. Aber das ist
gleichgültig
, das
Wichtigste
ist jetzt, keine
Zeit
zu
verlieren
." Schon
während
seiner
Rede
hatte er, auf den
Fußspitzen
stehend
, einem
Automobil
gewinkt
und
zog
jetzt,
während
er
gleichzeitig
dem
Wagenlenker
eine
Adresse
zurief
,
K
. hinter sich in den
Wagen
. "Wir
fahren
jetzt zum
Advokaten
Huld
",
sagte
er, "er war mein
Schulkollege
. Du
kennst
den
Namen
gewiß
auch? Nicht? Das ist aber
merkwürdig
. Er hat doch als
Verteidiger
und
Armenadvokat
einen
bedeutenden
Ruf
. Ich aber habe
besonders
zu
ihm
als
Menschen
großes
Vertrauen
." "Mir ist alles
recht
, was du
unternimmst
",
sagte
K
., obwohl
ihm
die
eilige
und
dringliche
Art
, mit der der
Onkel
die
Angelegenheit
behandelte
,
Unbehagen
verursachte
. Es war nicht sehr
erfreulich
, als
Angeklagter
zu einem
Armenadvokaten
zu
fahren
. "Ich
wußte
nicht",
sagte
er,"daß man in einer
solchen
Sache
auch einen
Advokaten
zuziehen
könne
." "Aber
natürlich
",
sagte
der
Onkel
, "das ist ja
selbstverständlich
. Warum
denn
nicht? Und nun
erzähle
mir, damit ich über die
Sache
genau
unterrichtet
bin, alles, was
bisher
geschehen
ist."
K
.
begann
sofort
zu
erzählen
, ohne
irgend
etwas zu
verschweigen
, seine
vollständige
Offenheit
war der
einzige
Protest
, den er sich gegen des
Onkels
Ansicht
, der
Prozeß
sei
eine
große
Schande
,
erlauben
konnte.
Fräulein
Bürstners
Namen
erwähnte
er nur
einmal
und
flüchtig
, aber das
beeinträchtigte
nicht die
Offenheit
,
denn
Fräulein
Bürstner
stand
mit dem
Prozeß
in keiner
Verbindung
.
Während
er
erzählte
,
sah
er aus dem
Fenster
und
beobachtete
, wie sie sich
gerade
jener
Vorstadt
näherten
, in der die
Gerichtskanzleien
waren
, er
machte
den
Onkel
darauf
aufmerksam
, der aber das
Zusammentreffen
nicht
besonders
auffallend
fand
. Der
Wagen
hielt
vor
einem
dunklen
Haus
. Der
Onkel
läutete
gleich
im
Parterre
bei der
ersten
Tür
;
während
sie
warteten
,
fletschte
er
lächelnd
seine
großen
Zähne
und
flüsterte
: "Acht
Uhr
, eine
ungewöhnliche
Zeit
für
Parteienbesuche
.
Huld
nimmt
es mir aber nicht
übel
." Im
Guckfenster
der
Tür
erschienen
zwei
große
,
schwarze
Augen
,
sahen
ein
Weilchen
die zwei
Gäste
an und
verschwanden
; die
Tür
öffnete
sich aber nicht. Der
Onkel
und
K
.
bestätigten
einander
gegenseitig
die
Tatsache
, die zwei
Augen
gesehen
zu haben. "Ein
neues
Stubenmädchen
, das sich
vor
Fremden
fürchtet
",
sagte
der
Onkel
und
klopfte
nochmals
. Wieder
erschienen
die
Augen
, man konnte sie jetzt fast
für
traurig
halten
, vielleicht war das aber auch nur eine
Täuschung
,
hervorgerufen
durch die
offene
Gasflamme
, die
nahe
über den
Köpfen
stark
zischend
brannte
, aber wenig
Licht
gab
. "
Öffnen
Sie",
rief
der
Onkel
und
hieb
mit der
Faust
gegen die
Tür
, "es sind
Freunde
des
Herrn
Advokaten
!" "Der
Herr
Advokat
ist
krank
",
flüsterte
es hinter ihnen. In einer
Tür
am
andern
Ende
des
kleinen
Ganges
stand
ein
Herr
im
Schlafrock
und
machte
mit
äußerst
leiser
Stimme
diese
Mitteilung
. Der
Onkel
, der schon wegen des
langen
Wartens
wütend
war,
wandte
sich mit einem
Ruck
um,
rief
: "
Krank
? Sie
sagen
, er ist
krank
?" und
ging
fast
drohend
, als
sei
der
Herr
die
Krankheit
, auf
ihn
zu. "Man hat schon
geöffnet
",
sagte
der
Herr
,
zeigte
auf die
Tür
des
Advokaten
,
raffte
seinen
Schlafrock
zusammen
und
verschwand
. Die
Tür
war
wirklich
geöffnet
worden
, ein
junges
Mädchen
-
K
.
erkannte
die
dunklen
, ein wenig
hervorgewälzten
Augen
wieder -
stand
in
langer
,
weißer
Schürze
im
Vorzimmer
und
hielt
eine
Kerze
in der
Hand
. "
Nächstens
öffnen
Sie
früher
!"
sagte
der
Onkel
statt einer
Begrüßung
,
während
das
Mädchen
einen
kleinen
Knicks
machte
. "
Komm
,
Josef
",
sagte
er dann zu
K
., der sich
langsam
an dem
Mädchen
vorüberschob
. "Der
Herr
Advokat
ist
krank
",
sagte
das
Mädchen
,
da
der
Onkel
, ohne sich
aufzuhalten
, auf eine
Tür
zueilte
.
K
.
staunte
das
Mädchen
noch an,
während
es sich schon
umgedreht
hatte, um die
Wohnungstür
wieder zu
versperren
, es hatte ein
puppenförmig
gerundetes
Gesicht
, nicht nur die
bleichen
Wangen
und das
Kinn
verliefen
rund, auch die
Schläfen
und die
Stirnränder
. "
Josef
!"
rief
der
Onkel
wieder, und das
Mädchen
fragte
er: "Es ist das
Herzleiden
?" "Ich
glaube
wohl
",
sagte
das
Mädchen
, es hatte
Zeit
gefunden
, mit der
Kerze
voranzugehen
und die
Zimmertür
zu
öffnen
. In einem
Winkel
des
Zimmers
,
wohin
das
Kerzenlicht
noch nicht
drang
,
erhob
sich im
Bett
ein
Gesicht
mit
langem
Bart
. "
Leni
, wer
kommt
denn
?"
fragte
der
Advokat
, der, durch die
Kerze
geblendet
, die
Gäste
nicht
erkannte
. "
Albert
, dein
alter
Freund
ist es",
sagte
der
Onkel
. "
Ach
,
Albert
",
sagte
der
Advokat
und
ließ
sich auf die
Kissen
zurückfallen
, als
bedürfe
es diesem
Besuch
gegenüber
keiner
Verstellung
. "
Steht
es
wirklich
so
schlecht
?"
fragte
der
Onkel
und
setzte
sich auf den
Bettrand
. "Ich
glaube
es nicht. Es ist ein
Anfall
deines
Herzleidens
und wird
vorübergehen
wie die
früheren
." "
Möglich
",
sagte
der
Advokat
leise
, "es ist aber
ärger
, als es
jemals
gewesen
ist. Ich
atme
schwer
,
schlafe
gar
nicht und
verliere
täglich
an
Kraft
." "So",
sagte
der
Onkel
und
drückte
den
Panamahut
mit seiner
großen
Hand
fest
aufs
Knie
. "Das sind
schlechte
Nachrichten
. Hast du
übrigens
die
richtige
Pflege
? Es ist auch so
traurig
hier, so
dunkel
. Es ist schon
lange
her, seit ich zum
letztenmal
hier war, damals
schien
es mir
freundlicher
. Auch dein
kleines
Fräulein
hier
scheint
nicht sehr
lustig
, oder sie
verstellt
sich." Das
Mädchen
stand
noch immer mit der
Kerze
nahe
bei der
Tür
;
soweit
ihr
unbestimmter
Blick
erkennen
ließ
,
sah
sie
eher
K
. an als den
Onkel
, selbst als dieser jetzt von ihr
sprach
.
K
.
lehnte
an einem
Sessel
, den er in die
Nähe
des
Mädchens
geschoben
hatte. "Wenn man so
krank
ist wie ich",
sagte
der
Advokat
, "
muß
man
Ruhe
haben. Mir ist es nicht
traurig
." Nach einer
kleinen
Pause
fügte
er hinzu: "Und
Leni
pflegt
mich
gut
, sie ist
brav
." Den
Onkel
konnte das aber nicht
überzeugen
, er war
sichtlich
gegen die
Pflegerin
voreingenommen
, und wenn er auch dem
Kranken
nichts
entgegnete
, so
verfolgte
er doch die
Pflegerin
mit
strengen
Blicken
, als sie jetzt zum
Bett
hinging
, die
Kerze
auf das
Nachttischchen
stellte
, sich über den
Kranken
hinbeugte
und beim
Ordnen
der
Kissen
mit
ihm
flüsterte
. Er
vergaß
fast die
Rücksicht
auf den
Kranken
,
stand
auf,
ging
hinter der
Pflegerin
hin und her, und
K
. hätte es nicht
gewundert
, wenn er sie
hinten
an den
Röcken
erfaßt
und vom
Bett
fortgezogen
hätte.
K
. selbst
sah
allem
ruhig
zu, die
Krankheit
des
Advokaten
war
ihm
sogar nicht
ganz
unwillkommen
, dem
Eifer
, den der
Onkel
für
seine
Sache
entwickelt
hatte, hatte er sich nicht
entgegenstellen
können
, die
Ablenkung
, die dieser
Eifer
jetzt ohne
sein
Zutun
erfuhr
,
nahm
er
gerne
hin.
Da
sagte
der
Onkel
, vielleicht nur in der
Absicht
, die
Pflegerin
zu
beleidigen
: "
Fräulein
,
bitte
,
lassen
Sie uns ein
Weilchen
allein, ich habe mit
meinem
Freund
eine
persönliche
Angelegenheit
zu
besprechen
." Die
Pflegerin
, die noch
weit
über den
Kranken
hingebeugt
war und
gerade
das
Leintuch
an der
Wand
glättete
,
wendete
nur den
Kopf
und
sagte
sehr
ruhig
, was einen
auffallenden
Unterschied
zu den
vor
Wut
stockenden
und dann wieder
überfließenden
Reden
des
Onkels
bildete
: "Sie
sehen
, der
Herr
ist so
krank
, er kann keine
Angelegenheiten
besprechen
." Sie hatte die
Worte
des
Onkels
wahrscheinlich
nur aus
Bequemlichkeit
wiederholt
,
immerhin
konnte es selbst von einem
Unbeteiligten
als
spöttisch
aufgefaßt
werden, der
Onkel
aber
fuhr
natürlich
wie ein
Gestochener
auf. "Du
Verdammte
",
sagte
er im
ersten
Gurgeln
der
Aufregung
noch
ziemlich
unverständlich
,
K
.
erschrak
, obwohl er etwas
Ähnliches
erwartet
hatte, und
lief
auf den
Onkel
zu, mit der
bestimmten
Absicht
,
ihm
mit
beiden
Händen
den
Mund
zu
schließen
.
Glücklicherweise
erhob
sich aber hinter dem
Mädchen
der
Kranke
, der
Onkel
machte
ein
finsteres
Gesicht
, als
schlucke
er etwas
Abscheuliches
hinunter, und
sagte
dann
ruhiger
: "Wir haben
natürlich
auch noch den
Verstand
nicht
verloren
;
wäre
das, was ich
verlange
, nicht
möglich
,
würde
ich es nicht
verlangen
.
Bitte
,
gehen
Sie jetzt!" Die
Pflegerin
stand
aufgerichtet
am
Bett
, dem
Onkel
voll
zugewendet
, mit der einen
Hand
streichelte
sie, wie
K
. zu
bemerken
glaubte
, die
Hand
des
Advokaten
. "Du
kannst
vor
Leni
alles
sagen
",
sagte
der
Kranke
,
zweifellos
im
Ton
einer
dringenden
Bitte
. "Es
betrifft
mich nicht",
sagte
der
Onkel
, "es ist nicht mein
Geheimnis
." Und er
drehte
sich um, als
gedenke
er in keine
Verhandlungen
mehr
einzugehen
,
gebe
aber noch eine
kleine
Bedenkzeit
. "Wen
betrifft
es
denn
?"
fragte
der
Advokat
mit
erlöschender
Stimme
und
legte
sich wieder
zurück
. "Meinen
Neffen
",
sagte
der
Onkel
, "ich habe
ihn
auch
mitgebracht
." Und er
stellte
vor
: "
Prokurist
Josef
K
." "
Oh
",
sagte
der
Kranke
viel
lebhafter
und
streckte
K
. die
Hand
entgegen
, "
verzeihen
Sie, ich habe Sie
gar
nicht
bemerkt
. Geh,
Leni
",
sagte
er dann zu der
Pflegerin
, die sich auch
gar
nicht mehr
wehrte
, und
reichte
ihr die
Hand
, als
gelte
es einen
Abschied
für
lange
Zeit
. "Du
bist
also",
sagte
er
endlich
zum
Onkel
, der, auch
versöhnt
,
nähergetreten
war, "nicht
gekommen
, mir einen
Krankenbesuch
zu
machen
,
sondern
du
kommst
in
Geschäften
." Es war, als hätte die
Vorstellung
eines
Krankenbesuches
den
Advokaten
bisher
gelähmt
, so
gekräftigt
sah
er jetzt aus,
blieb
ständig
auf einem
Ellbogen
aufgestützt
, was
ziemlich
anstrengend
sein
mußte
, und
zog
immer wieder an einem
Bartstrahn
in der
Mitte
seines
Bartes
. "Du
siehst
schon viel
gesünder
aus",
sagte
der
Onkel
, "seit diese
Hexe
draußen
ist." Er
unterbrach
sich,
flüsterte
: "Ich
wette
, daß sie
horcht
!" und er
sprang
zur
Tür
. Aber hinter der
Tür
war niemand, der
Onkel
kam
zurück
, nicht
enttäuscht
,
denn
ihr
Nichthorchen
erschien
ihm
als eine noch
größere
Bosheit
,
wohl
aber
verbittert
: "Du
verkennst
sie",
sagte
der
Advokat
, ohne die
Pflegerin
weiter in
Schutz
zu
nehmen
; vielleicht
wollte
er damit
ausdrücken
, daß sie nicht
schutzbedürftig
sei
. Aber in viel
teilnehmenderem
Tone
fuhr
er
fort
: "Was die
Angelegenheit
deines
Herrn
Neffen
betrifft
, so
würde
ich mich
allerdings
glücklich
schätzen
, wenn meine
Kraft
für
diese
äußerst
schwierige
Aufgabe
ausreichen
könnte
; ich
fürchte
sehr, daß sie nicht
ausreichen
wird,
jedenfalls
will ich nichts
unversucht
lassen
; wenn ich nicht
ausreiche
,
könnte
man ja noch
jemanden
anderen
beiziehen
. Um
aufrichtig
zu
sein
,
interessiert
mich die
Sache
zu sehr, als daß ich es über mich
bringen
könnte
, auf jede
Beteiligung
zu
verzichten
.
Hält
es mein
Herz
nicht aus, so wird es doch
wenigstens
hier eine
würdige
Gelegenheit
finden
,
gänzlich
zu
versagen
."
K
.
glaubte
, kein
Wort
dieser
ganzen
Rede
zu
verstehen
, er
sah
den
Onkel
an, um dort eine
Erklärung
zu
finden
, aber dieser
saß
, mit der
Kerze
in der
Hand
, auf dem
Nachttischchen
, von dem
bereits
eine
Arzneiflasche
auf den
Teppich
gerollt
war,
nickte
zu allem, was der
Advokat
sagte
, war mit allem
einverstanden
und
sah
hie
und
da
auf
K
. mit der
Aufforderung
zu
gleichem
Einverständnis
hin. Hatte vielleicht der
Onkel
schon
früher
dem
Advokaten
von dem
Prozeß
erzählt
? Aber das war
unmöglich
, alles, was
vorhergegangen
war,
sprach
dagegen
. "Ich
verstehe
nicht -",
sagte
er deshalb. "Ja, habe vielleicht ich Sie
mißverstanden
?"
fragte
der
Advokat
ebenso
erstaunt
und
verlegen
wie
K
. "Ich war vielleicht
voreilig
.
Worüber
wollten
Sie
denn
mit mir
sprechen
? Ich
dachte
, es
handle
sich um Ihren
Prozeß
?" "
Natürlich
",
sagte
der
Onkel
und
fragte
dann
K
.: "Was
willst
du
denn
?" "Ja, aber woher
wissen
Sie
denn
etwas über mich und meinen
Prozeß
?"
fragte
K
. "
Ach
so",
sagte
der
Advokat
lächelnd
, "ich bin doch
Advokat
, ich
verkehre
in
Gerichtskreisen
, man
spricht
über
verschiedene
Prozesse
, und
auffallendere
,
besonders
wenn es den
Neffen
eines
Freundes
betrifft
,
behält
man im
Gedächtnis
. Das ist doch nichts
Merkwürdiges
." "Was
willst
du
denn
?"
fragte
der
Onkel
K
.
nochmals
. "Du
bist
so
unruhig
." "Sie
verkehren
in diesen
Gerichtskreisen
?"
fragte
K
. "Ja",
sagte
der
Advokat
. "Du
fragst
wie ein
Kind
",
sagte
der
Onkel
. "Mit wem
sollte
ich
denn
verkehren
, wenn nicht mit
Leuten
meines
Faches
?"
fügte
der
Advokat
hinzu. Es
klang
so
unwiderleglich
, daß
K
.
gar
nicht
antwortete
. "Sie
arbeiten
doch bei dem
Gericht
im
Justizpalast
, und nicht bei dem auf dem
Dachboden
", hatte er
sagen
wollen
, konnte sich aber nicht
überwinden
, es
wirklich
zu
sagen
. "Sie
müssen
doch
bedenken
",
fuhr
der
Advokat
fort
, in einem
Tone
, als
erkläre
er etwas
Selbstverständliches
überflüssigerweise
und
nebenbei
, "Sie
müssen
doch
bedenken
, daß ich aus einem
solchen
Verkehr
auch
große
Vorteile
für
meine
Klientel
ziehe
, und zwar in
vielfacher
Hinsicht
, man
darf
nicht
einmal
immer davon
reden
.
Natürlich
bin ich jetzt
infolge
meiner
Krankheit
ein wenig
behindert
, aber ich
bekomme
trotzdem
Besuch
von
guten
Freunden
vom
Gericht
und
erfahre
doch
einiges
.
Erfahre
vielleicht mehr als
manche
, die in
bester
Gesundheit
den
ganzen
Tag
bei
Gericht
verbringen
. So habe ich zum
Beispiel
gerade
jetzt einen
lieben
Besuch
." Und er
zeigte
in eine
dunkle
Zimmerecke
. "Wo
denn
?"
fragte
K
. in der
ersten
Überraschung
fast
grob
. Er
sah
unsicher
herum
; das
Licht
der
kleinen
Kerze
drang
bis zur
gegenüberliegenden
Wand
bei
weitem
nicht. Und
wirklich
begann
sich dort in der
Ecke
etwas zu
rühren
. Im
Licht
der
Kerze
, die der
Onkel
jetzt
hochhielt
,
sah
man dort, bei einem
kleinen
Tischchen
, einen
älteren
Herrn
sitzen
. Er hatte
wohl
gar
nicht
geatmet
, das er so
lange
unbemerkt
geblieben
war. Jetzt
stand
er
umständlich
auf,
offenbar
unzufrieden
damit, daß man auf
ihn
aufmerksam
gemacht
hatte. Es war, als
wolle
er mit den
Händen
, die er wie
kurze
Flügel
bewegte
, alle
Vorstellungen
und
Begrüßungen
abwehren
, als
wolle
er auf
keinen
Fall
die
anderen
durch seine
Anwesenheit
stören
und als
bitte
er
dringend
wieder um die
Versetzung
ins
Dunkel
und um das
Vergessen
seiner
Anwesenheit
. Das konnte man
ihm
nun aber nicht mehr
zugestehen
. "Ihr habt uns
nämlich
überrascht
",
sagte
der
Advokat
zur
Erklärung
und
winkte
dabei dem
Herrn
aufmunternd
zu,
näherzukommen
, was dieser
langsam
,
zögernd
herumblickend
und doch mit einer
gewissen
Würde
tat
, "der
Herr
Kanzleidirektor
-
ach
so,
Verzeihung
, ich habe nicht
vorgestellt
- hier mein
Freund
Albert
K
., hier
sein
Neffe
,
Prokurist
Josef
K
., und hier der
Herr
Kanzleidirektor
- der
Herr
Kanzleidirektor
also war so
freundlich
, mich zu
besuchen
. Den
Wert
eines
solchen
Besuches
kann
eigentlich
nur der
Eingeweihte
würdigen
,
welcher
weiß
, wie der
Herr
Kanzleidirektor
mit
Arbeit
überhäuft
ist. Nun, er
kam
aber trotzdem, wir
unterhielten
uns
friedlich
,
soweit
meine
Schwäche
es
erlaubte
, wir hatten zwar
Leni
nicht
verboten
,
Besuche
einzulassen
,
denn
es
waren
keine zu
erwarten
, aber
unsere
Meinung
war doch, daß wir allein
bleiben
sollten
, dann aber
kamen
deine
Fausthiebe
,
Albert
, der
Herr
Kanzleidirektor
rückte
mit
Sessel
und
Tisch
in den
Winkel
, nun aber
zeigt
sich, daß wir
möglicherweise
, das
heißt
, wenn der
Wunsch
danach
besteht
, eine
gemeinsame
Angelegenheit
zu
besprechen
haben und sehr
gut
wieder
zusammenrücken
können
. -
Herr
Kanzleidirektor
",
sagte
er mit
Kopfneigen
und
unterwürfigem
Lächeln
und
zeigte
auf einen
Lehnstuhl
in der
Nähe
des
Bettes
. "Ich kann
leider
nur noch ein
paar
Minuten
bleiben
",
sagte
der
Kanzleidirektor
freundlich
,
setzte
sich
breit
in den
Lehnstuhl
und
sah
auf die
Uhr
, "die
Geschäfte
rufen
mich.
Jedenfalls
will ich nicht die
Gelegenheit
vorübergehen
lassen
, einen
Freund
meines
Freundes
kennenzulernen
." Er
neigte
den
Kopf
leicht
gegen den
Onkel
, der von der
neuen
Bekanntschaft
sehr
befriedigt
schien
, aber
infolge
seiner
Natur
Gefühle
der
Ergebenheit
nicht
ausdrücken
konnte und die
Worte
des
Kanzleidirektors
mit
verlegenem
, aber
lautem
Lachen
begleitete
. Ein
häßlicher
Anblick
!
K
. konnte
ruhig
alles
beobachten
,
denn
um
ihn
kümmerte
sich niemand, der
Kanzleidirektor
nahm
, wie es seine
Gewohnheit
schien
,
da
er nun schon
einmal
hervorgezogen
war, die
Herrschaft
über das
Gespräch
an sich, der
Advokat
, dessen
erste
Schwäche
vielleicht nur dazu hatte
dienen
sollen
, den
neuen
Besuch
zu
vertreiben
,
hörte
aufmerksam
, die
Hand
am
Ohre
zu, der
Onkel
als
Kerzenträger
- er
balancierte
die
Kerze
auf seinem
Schenkel
, der
Advokat
sah
öfter
besorgt
hin - war
bald
frei
von
Verlegenheit
und nur noch
entzückt
, sowohl von der
Art
der
Rede
des
Kanzleidirektors
als auch von den
sanften
,
wellenförmigen
Handbewegungen
, mit denen er sie
begleitete
.
K
., der am
Bettpfosten
lehnte
,
wurde
vom
Kanzleidirektor
vielleicht sogar mit
Absicht
vollständig
vernachlässigt
und
diente
den
alten
Herren
nur als
Zuhörer
.
Übrigens
wußte
er
kaum
,
wovon
die
Rede
war und
dachte
bald
an die
Pflegerin
und an die
schlechte
Behandlung
, die sie vom
Onkel
erfahren
hatte,
bald
daran, ob er den
Kanzleidirektor
nicht schon
einmal
gesehen
hatte, vielleicht sogar in der
Versammlung
bei seiner
ersten
Untersuchung
. Wenn er sich auch vielleicht
täuschte
, so hätte sich doch der
Kanzleidirektor
den
Versammlungsteilnehmern
in der
ersten
Reihe
, den
alten
Herren
mit den
schütteren
Bärten
,
vorzüglich
eingefügt
.
Da
ließ
ein
Lärm
aus dem
Vorzimmer
, wie von
zerbrechendem
Porzellan
, alle
aufhorchen
. "Ich will
nachsehen
, was
geschehen
ist",
sagte
K
. und
ging
langsam
hinaus, als
gebe
er den
anderen
noch
Gelegenheit
,
ihn
zurückzuhalten
.
Kaum
war er
ins
Vorzimmer
getreten
und
wollte
sich im
Dunkel
zurechtfinden
, als sich auf die
Hand
, mit der er die
Tür
noch
festhielt
, eine
kleine
Hand
legte
, viel
kleiner
als
K
.
s
Hand
, und die
Tür
leise
schloß
. Es war die
Pflegerin
, die hier
gewartet
hatte. "Es ist nichts
geschehen
",
flüsterte
sie, "ich habe nur einen
Teller
gegen die
Mauer
geworfen
, um Sie
herauszuholen
." In seiner
Befangenheit
sagte
K
: "Ich habe auch an Sie
gedacht
." "
Desto
besser
",
sagte
die
Pflegerin
, "
kommen
Sie." Nach ein
paar
Schritten
kamen
sie zu einer
Tür
aus
mattem
Glas
,
welche
die
Pflegerin
vor
K
.
öffnete
. "
Treten
Sie doch ein",
sagte
sie. Es war
jedenfalls
das
Arbeitszimmer
des
Advokaten
;
soweit
man im
Mondlicht
sehen
konnte, das jetzt nur einen
kleinen
,
viereckigen
Teil
des
Fußbodens
an jedem der drei
großen
Fenster
erhellte
, war es mit
schweren
,
alten
Möbelstücken
ausgestattet
. "
Hierher
",
sagte
die
Pflegerin
und
zeigte
auf eine
dunkle
Truhe
mit
holzgeschnitzter
Lehne
. Noch als er sich
gesetzt
hatte,
sah
sich
K
. im
Zimmer
um, es war ein
hohes
,
großes
Zimmer
, die
Kundschaft
des
Armenadvokaten
mußte
sich hier
verloren
vorkommen
.
K
.
glaubte
, die
kleinen
Schritte
zu
sehen
, mit denen die
Besucher
zu dem
gewaltigen
Schreibtisch
vorrückten
. Dann aber
vergaß
er dies und hatte nur noch
Augen
für
die
Pflegerin
, die
ganz
nahe
neben
ihm
saß
und
ihn
fast an die
Seitenlehne
drückte
. "Ich
dachte
",
sagte
sie, "Sie
würden
von selbst zu mir
herauskommen
, ohne daß ich Sie
erst
rufen
müßte
. Es war doch
merkwürdig
.
Zuerst
sahen
Sie mich
gleich
beim
Eintritt
ununterbrochen
an und dann
ließen
Sie mich
warten
.
Nennen
Sie mich
übrigens
Leni
",
fügte
sie noch
rasch
und
unvermittelt
zu, als
solle
kein
Augenblick
dieser
Aussprache
versäumt
werden. "
Gern
",
sagte
K
. "Was aber die
Merkwürdigkeit
betrifft
,
Leni
, so ist sie
leicht
zu
erklären
.
Erstens
mußte
ich doch das
Geschwätz
der
alten
Herren
anhören
und konnte nicht
grundlos
weglaufen
,
zweitens
aber bin ich nicht
frech
,
sondern
eher
schüchtern
, und auch Sie,
Leni
,
sahen
wahrhaftig
nicht so aus, als ob Sie in einem
Sprung
zu
gewinnen
wären
." "Das ist es nicht",
sagte
Leni
,
legte
den
Arm
über die
Lehne
und
sah
K
. an, "aber ich
gefiel
Ihnen nicht und
gefalle
Ihnen auch
wahrscheinlich
jetzt nicht." "
Gefallen
wäre
ja nicht viel",
sagte
K
.
ausweichend
. "
Oh
!"
sagte
sie
lächelnd
und
gewann
durch
K
.
s
Bemerkung
und diesen
kleinen
Ausruf
eine
gewisse
Überlegenheit
. Deshalb
schwieg
K
. ein
Weilchen
.
Da
er sich an das
Dunkel
im
Zimmer
schon
gewöhnt
hatte, konnte er
verschiedene
Einzelheiten
der
Einrichtung
unterscheiden
.
Besonders
fiel
ihm
ein
großes
Bild
auf, das
rechts
von der
Tür
hing
, er
beugte
sich
vor
, um es
besser
zu
sehen
. Es
stellte
einen Mann im
Richtertalar
dar
; er
saß
auf einem
hohen
Thronsessel
, dessen
Vergoldung
vielfach
aus dem
Bilde
hervorstach
. Das
Ungewöhnliche
war, daß dieser
Richter
nicht in
Ruhe
und
Würde
dort
saß
,
sondern
den
linken
Arm
fest
an
Rücken-
und
Seitenlehne
drückte
, den
rechten
Arm
aber
völlig
frei
hatte und nur mit der
Hand
die
Seitenlehne
umfaßte
, als
wolle
er im
nächsten
Augenblick
mit einer
heftigen
und vielleicht
empörten
Wendung
aufspringen
, um etwas
Entscheidendes
zu
sagen
oder
gar
das
Urteil
zu
verkünden
. Der
Angeklagte
war
wohl
zu
Füßen
der
Treppe
zu
denken
, deren
oberste
, mit einem
gelben
Teppich
bedeckte
Stufen
noch auf dem
Bilde
zu
sehen
waren
. "Vielleicht ist das mein
Richter
",
sagte
K
. und
zeigte
mit einem
Finger
auf das
Bild
. "Ich
kenne
ihn
",
sagte
Leni
und
sah
auch zum
Bilde
auf, "er
kommt
öfters
hierher
. Das
Bild
stammt
aus seiner
Jugend
, er kann aber
niemals
dem
Bilde
auch nur
ähnlich
gewesen
sein
,
denn
er ist fast
winzig
klein
. Trotzdem hat er sich auf dem
Bild
so in die
Länge
ziehen
lassen
,
denn
er ist
unsinnig
eitel
, wie alle hier. Aber auch ich bin
eitel
und sehr
unzufrieden
damit, daß ich Ihnen
gar
nicht
gefalle
." Auf die
letzte
Bemerkung
antwortete
K
. nur damit, daß er
Leni
umfaßte
und an sich
zog
, sie
lehnte
still
den
Kopf
an seine
Schulter
. Zu dem
Übrigen
aber
sagte
er: "Was
für
einen
Rang
hat er?" "Er ist
Untersuchungsrichter
",
sagte
sie,
ergriff
K
.
s
Hand
, mit der er sie
umfaßt
hielt
, und
spielte
mit seinen
Fingern
. "Wieder nur
Untersuchungsrichter
",
sagte
K
.
enttäuscht
, "die
hohen
Beamten
verstecken
sich. Aber er
sitzt
doch auf einem
Thronsessel
." "Das ist alles
Erfindung
",
sagte
Leni
, das
Gesicht
über
K
.
s
Hand
gebeugt
, "in
Wirklichkeit
sitzt
er auf einem
Küchensessel
, auf dem eine
alte
Pferdedecke
zusammengelegt
ist. Aber
müssen
Sie
denn
immerfort
an Ihren
Prozeß
denken
?"
fügte
sie
langsam
hinzu. "Nein,
durchaus
nicht",
sagte
K
., "ich
denke
wahrscheinlich
sogar zu wenig an
ihn
." "Das ist nicht der
Fehler
, den Sie
machen
",
sagte
Leni
, "Sie sind zu
unnachgiebig
, so habe ich es
gehört
." "Wer hat das
gesagt
?"
fragte
K
., er
fühlte
ihren
Körper
an seiner
Brust
und
sah
auf ihr
reiches
,
dunkles
,
fest
gedrehtes
Haar
hinab. "Ich
würde
zuviel
verraten
, wenn ich das
sagte
",
antwortete
Leni
. "
Fragen
Sie,
bitte
, nicht nach
Namen
,
stellen
Sie aber Ihren
Fehler
ab,
seien
Sie nicht mehr so
unnachgiebig
, gegen dieses
Gericht
kann man sich ja nicht
wehren
, man
muß
das
Geständnis
machen
.
Machen
Sie doch bei
nächster
Gelegenheit
das
Geständnis
.
Erst
dann ist die
Möglichkeit
zu
entschlüpfen
gegeben
,
erst
dann.
Jedoch
selbst das ist ohne
fremde
Hilfe
nicht
möglich
, wegen dieser
Hilfe
aber
müssen
Sie sich nicht
ängstigen
, die will ich Ihnen selbst
leisten
." "Sie
verstehen
viel von diesem
Gericht
und von den
Betrügereien
, die hier
nötig
sind",
sagte
K
. und
hob
sie,
da
sie sich
allzu
stark
an
ihn
drängte
, auf seinen
Schoß
. "So ist es
gut
",
sagte
sie und
richtete
sich auf seinem
Schoß
ein,
indem
sie den
Rock
glättete
und die
Bluse
zurechtzog
. Dann
hing
sie sich mit
beiden
Händen
an seinen
Hals
,
lehnte
sich
zurück
und
sah
ihn
lange
an. "Und wenn ich das
Geständnis
nicht
mache
, dann
können
Sie mir nicht
helfen
?"
fragte
K
.
versuchsweise
. Ich
werbe
Helferinnen
,
dachte
er fast
verwundert
,
zuerst
Fräulein
Bürstner
, dann die
Frau
des
Gerichtsdieners
und
endlich
diese
kleine
Pflegerin
, die ein
unbegreifliches
Bedürfnis
nach mir zu haben
scheint
. Wie sie auf
meinem
Schoß
sitzt
, als
sei
es ihr
einzig
richtiger
Platz
! "Nein",
antwortete
Leni
und
schüttelte
langsam
den
Kopf
, "dann kann ich Ihnen nicht
helfen
. Aber Sie
wollen
ja meine
Hilfe
gar
nicht, es
liegt
Ihnen nichts daran, Sie sind
eigensinnig
und
lassen
sich nicht
überzeugen
." "Haben Sie eine
Geliebte
?"
fragte
sie nach einem
Weilchen
. "Nein",
sagte
K
. "
Odoch
",
sagte
sie. "Ja,
wirklich
",
sagte
K
., "
denken
Sie nur, ich habe sie
verleugnet
und
trage
doch sogar ihre
Photographie
bei mir." Auf ihre
Bitten
zeigte
er ihr eine
Photographie
Elsas
,
zusammengekrümmt
auf seinem
Schoß
,
studierte
sie das
Bild
. Es war eine
Momentphotographie
,
Elsa
war nach einem
Wirbeltanz
aufgenommen
, wie sie
ihn
in dem
Weinlokal
gern
tanzte
, ihr
Rock
flog
noch im
Faltenwurf
der
Drehung
um sie her, die
Hände
hatte sie auf die
festen
Hüften
gelegt
und
sah
mit
straffem
Hals
lachend
zur
Seite
; wem ihr
Lachen
galt
, konnte man aus dem
Bild
nicht
erkennen
. "Sie ist
stark
geschnürt
",
sagte
Leni
und
zeigte
auf die
Stelle
, wo dies ihrer
Meinung
nach zu
sehen
war. "Sie
gefällt
mir nicht, sie ist
unbeholfen
und
roh
. Vielleicht ist sie aber Ihnen
gegenüber
sanft
und
freundlich
, darauf
könnte
man nach dem
Bilde
schließen
. So
große
,
starke
Mädchen
wissen
oft
nichts
anderes
, als
sanft
und
freundlich
zu
sein
.
Würde
sie sich aber
für
Sie
opfern
können
?" "Nein",
sagte
K
., "sie ist weder
sanft
und
freundlich
, noch
würde
sie sich
für
mich
opfern
können
. Auch habe ich
bisher
weder das eine noch das
andere
von ihr
verlangt
. Ja, ich habe noch nicht
einmal
das
Bild
so
genau
angesehen
wie Sie." "Es
liegt
Ihnen also
gar
nicht viel an ihr",
sagte
Leni
, "sie ist also
gar
nicht Ihre
Geliebte
." "Doch",
sagte
K
. "Ich
nehme
mein
Wort
nicht
zurück
." "
Mag
sie also jetzt Ihre
Geliebte
sein
",
sagte
Leni
, "Sie
würden
sie aber nicht sehr
vermissen
, wenn Sie sie
verlören
oder
für
jemand
anderen
, zum
Beispiel
für
mich,
eintauschten
." "
Gewiß
",
sagte
K
.
lächelnd
, "das
wäre
denkbar
, aber sie hat einen
großen
Vorteil
Ihnen
gegenüber
, sie
weiß
nichts von
meinem
Prozeß
, und selbst wenn sie etwas davon
wüßte
,
würde
sie nicht daran
denken
. Sie
würde
mich nicht zur
Nachgiebigkeit
zu
überreden
suchen
." "Das ist kein
Vorteil
",
sagte
Leni
. "Wenn sie keine
sonstigen
Vorteile
hat,
verliere
ich nicht den
Mut
. Hat sie
irgendeinen
körperlichen
Fehler
?" "Einen
körperlichen
Fehler
?"
fragte
K
. "Ja",
sagte
Leni
, "ich habe
nämlich
einen
solchen
kleinen
Fehler
,
sehen
Sie." Sie
spannte
den
Mittel-
und
Ringfinger
ihrer
rechten
Hand
auseinander
, zwischen denen das
Verbindungshäutchen
fast bis zum
obersten
Gelenk
der
kurzen
Finger
reichte
.
K
.
merkte
im
Dunkel
nicht
gleich
, was sie
ihm
zeigen
wollte
, sie
führte
deshalb seine
Hand
hin, damit er es
abtaste
. "Was
für
ein
Naturspiel
",
sagte
K
. und
fügte
, als er die
ganze
Hand
überblickt
hatte, hinzu: "Was
für
eine
hübsche
Kralle
!" Mit einer
Art
Stolz
sah
Leni
zu, wie
K
.
staunend
immer wieder ihre zwei
Finger
auseinanderzog
und
zusammenlegte
, bis er sie
schließlich
flüchtig
küßte
und
losließ
. "
Oh
!"
rief
sie aber
sofort
, "Sie haben mich
geküßt
!"
Eilig
, mit
offenem
Mund
erkletterte
sie mit den
Knien
seinen
Schoß
.
K
.
sah
fast
bestürzt
zu ihr auf, jetzt,
da
sie
ihm
so
nahe
war,
ging
ein
bitterer
,
aufreizender
Geruch
wie von
Pfeffer
von ihr aus, sie
nahm
seinen
Kopf
an sich,
beugte
sich über
ihn
hinweg
und
biß
und
küßte
seinen
Hals
,
biß
selbst in seine
Haare
. "Sie haben mich
eingetauscht
!"
rief
sie von
Zeit
zu
Zeit
, "
sehen
Sie, nun haben Sie mich
eingetauscht
!"
Da
glitt
ihr
Knie
aus, mit einem
kleinen
Schrei
fiel
sie fast auf den
Teppich
,
K
.
umfaßte
sie, um sie noch zu
halten
, und
wurde
zu ihr
hinabgezogen
. "Jetzt
gehörst
du mir",
sagte
sie. "Hier hast du den
Hausschlüssel
,
komm
, wann du
willst
",
waren
ihre
letzten
Worte
, und ein
zielloser
Kuß
traf
ihn
noch im
Weggehen
auf den
Rücken
. Als er aus dem
Haustor
trat
,
fiel
ein
leichter
Regen
, er
wollte
in die
Mitte
der
Straße
gehen
, um vielleicht
Leni
noch beim
Fenster
erblicken
zu
können
,
da
stürzte
aus einem
Automobil
, das
vor
dem
Hause
wartete
und das
K
. in seiner
Zerstreutheit
gar
nicht
bemerkt
hatte, der
Onkel
,
faßte
ihn
bei den
Armen
und
stieß
ihn
gegen das
Haustor
, als
wolle
er
ihn
dort
festnageln
. "
Junge
",
rief
er, "wie
konntest
du nur das tun! Du hast deiner
Sache
, die auf
gutem
Wege
war,
schrecklich
geschadet
.
Verkriechst
dich mit einem
kleinen
,
schmutzigen
Ding
, das
überdies
offensichtlich
die
Geliebte
des
Advokaten
ist, und
bleibst
stundenlang
weg
.
Suchst
nicht
einmal
einen
Vorwand
,
verheimlichst
nichts, nein,
bist
ganz
offen
,
läufst
zu ihr und
bleibst
bei ihr. Und unterdessen
sitzen
wir
beisammen
, der
Onkel
, der sich
für
dich
abmüht
, der
Advokat
, der
für
dich
gewonnen
werden
soll
, der
Kanzleidirektor
vor
allem, dieser
große
Herr
, der deine
Sache
in ihrem
jetzigen
Stadium
geradezu
beherrscht
. Wir
wollen
beraten
, wie dir zu
helfen
wäre
, ich
muß
den
Advokaten
vorsichtig
behandeln
, dieser wieder den
Kanzleidirektor
, und du
hättest
doch
allen
Grund
, mich
wenigstens
zu
unterstützen
. Statt dessen
bleibst
du
fort
.
Schließlich
läßt
es sich nicht
verheimlichen
, nun, es sind
höfliche
,
gewandte
Männer
, sie
sprechen
nicht davon, sie
schonen
mich,
schließlich
können
aber auch sie sich nicht mehr
überwinden
, und
da
sie von der
Sache
nicht
reden
können
,
verstummen
sie. Wir sind
minutenlang
schweigend
dagesessen
und haben
gehorcht
, ob du nicht doch
endlich
kämest
. Alles
vergebens
.
Endlich
steht
der
Kanzleidirektor
, der viel
länger
geblieben
ist, als er
ursprünglich
wollte
, auf,
verabschiedet
sich,
bedauert
mich
sichtlich
, ohne mir
helfen
zu
können
,
wartet
in
unbegreiflicher
Liebenswürdigkeit
noch eine
Zeitlang
in der
Tür
, dann
geht
er. Ich war
natürlich
glücklich
, daß er
weg
war, mir war schon die
Luft
zum
Atmen
ausgegangen
. Auf den
kranken
Advokaten
hat alles noch
stärker
eingewirkt
, er konnte, der
gute
Mann,
gar
nicht
sprechen
, als ich mich von
ihm
verabschiedete
. Du hast
wahrscheinlich
zu seinem
vollständigen
Zusammenbrechen
beigetragen
und
beschleunigst
so den
Tod
eines
Mannes
, auf den du
angewiesen
bist
. Und mich, deinen
Onkel
,
läßt
du hier im
Regen
-
fühle
nur, ich bin
ganz
durchnäßt
-
stundenlang
warten
und mich in
Sorgen
abquälen
."
zurück
-
vor
Index
|
Wörter
:
alphabetisch
-
Frequenz
-
rückläufig
-
Länge
-
Statistik
|
Hilfe
|
IntraText-Bibliothek
Best viewed with any browser at 800x600 or 768x1024 on Tablet PC
IntraText®
(V89) - Some rights reserved by
EuloTech SRL
- 1996-2007. Content in this page is licensed under a
Creative Commons License