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Selbst unter den eifrigsten
Christen besitzen nur wenige dieses Vertrauen, das jede Art von Angst und
Bedenken ausschließt. Für
diese Schwäche gibt es mehrere Gründe. Das Evangelium berichtet, daß der wunderbare
Fischfang den heiligen Petrus in Schrecken versetzte. Mit seinem gewohnten
Ungestüm wurde er sich ohne lange Umschweife der unendlichen Entfernung bewußt,
die zwischen seiner eigenen Kleinheit und der Größe des Meisters lag. Ein heiliger
Schrecken erfaßte ihn, er fiel Jesus zu Füßen und mit dem Gesicht am Boden
rief er: „Geh weg von mir, denn ich bin ein sündiger Mensch, Herr!“ 7
Wie den Apostel, erfaßt dieser
Schrecken auch gewisse Seelen, denn sie verspüren so lebhaft ihre eigene Armseligkeit
und ihr Elend, daß sie es kaum wagen, sich der göttlichen Heiligkeit zu nahen.
Es kommt ihnen vor, als müsse Gott in all seiner Reinheit sich abgestoßen fühlen, wenn er sich ihnen
zuneigt. Dieser traurige Eindruck verleiht ihrem inneren Leben eine zwanghafte
Haltung und lähmt sie oft völlig.
Wie täuschen sich aber diese
Seelen!
Jesus ging sofort auf den
erschrockenen Apostel zu und sprach zu ihm: „Fürchte dich nicht!“ 8 und hieß ihn aufstehen...
Auch ihr, Christen, die ihr so
so viele Beweise seiner Liebe empfangen habt, braucht euch nicht zu fürchten.
Der Herr will vor allem eines nicht von euch: daß ihr euch vor ihm fürchtet!
Eure Unvollkommenheit, eure Schwächen, eure Fehler, wenn sie auch noch so
schwer sind, eure ach so häufigen Rückfälle – nichts wird ihn entmutigen, wenn
ihr euch nur ehrlichen Sinnes bekehren wollt. Je armseliger ihr seid, um so
mehr Mitleid wird er mit eurem Elend haben, um so inniger wünscht er sich, an
euch seine Sendung als Erlöser zu erfüllen ...
Ist er nicht vor allem für die
Sünder auf die Erde gekommen? 9
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