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P. Thomas de Saint Laurent
Das Buch vom Vertrauen

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  • IV
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IV

Was auch immer die Gründe für das Mißtrauen sein mögen, es bringt uns Verluste und beraubt uns wichtiger Güter.

Als der heilige Petrus aus dem Boot stieg, um dem Heiland entgegenzugehen, ging er anfangs entschlossen auf den Wogen, während der Wind mit aller Stärke weiterblies. Bald stiegen die aufgebrachten Wogen wild in die Höhe, bald stürzten sie zurück in tiefe Abgründe... Der Wasserschlund drohte den Apostel zu verschlingen. Petrus schauderte ... stockte einen Augenblick und fing an zu sinken... „Du Kleingläubiger, sprach Jesus zu ihm, warum hast du gezweifelt?..." 12

Das ist auch unsere Geschichte. In Augenblicken des Eifers sitzen wir ruhig und gesammelt zu Füßen des Meisters. Kommt aber dann der Sturm, wenden wir unsere ganze Aufmerksamkeit der Gefahr zu. Unsere Augen wenden sich vom Herrn ab und richten sich furchtsam auf unsere Leiden und Gefahren. Wir zögern ... und schon gehen wir unter! Die Versuchung kommt über uns. Die Pflicht wird uns leidig, ihre Strenge stößt uns ab, ihre Last bedrückt uns. Verwirrende Vorstellungen verfolgen uns. Der Sturm heult im Verstand, im Gefühl, im Fleisch ...

Und dann verlieren wir den Boden unter den Füßen; wir fallen in Sünde, in Mutlosigkeit, die noch schlimmer ist als das Vergehen selbst. Seelen ohne Vertrauen - warum zweifeln wir?

Auf tausenderlei Weisen werden wir auf die Probe gestellt. Einmal sind es die weltlichen Geschäfte, die Gefahr laufen, die materielle Zukunft beunruhigt uns. Dann ist es die Bosheit, die unser Ansehen angreift. Der Tod zerreißt die rechtmäßigsten, zärtlichsten Bande der Gefühle. Da vergessen wir all die mütterliche Fürsorge, die uns die göttliche Vorsehung angedeihen läßt ... Wir murren, wir lehnen uns auf, und dadurch werden unsere Schwierigkeiten und die schmerzliche Fessel unseres Unglücks nur noch größer.

Seelen ohne Vertrauen – warum zweifeln wir?

Hätten wir uns dem göttlichen Meister mit um so größerem Vertrauen zugewandt, je verzweifelter uns die Lage erscheinen mochte, wäre uns nicht das geringste Übel geschehen ... Wir wären in aller Ruhe auf den Wogen gewandelt; ohne zu straucheln wären wir in die ruhige, sichere Bucht gelangt und schon bald hätten wir einen einladenden, vom Lichte des Himmels erleuchteten Ort gefunden.

Auch die Heiligen hatten mit den gleichen Schwierigkeiten zu kämpfen ... viele von ihnen haben die gleichen Fehler begangen. Doch sie haben wenigstens nicht gezweifelt ... Viel demütiger jetzt nach dem Fall haben sie sich ohne Zögern erhoben und sich von nun an nur noch auf die Hilfe von oben verlassen ... In ihrem Herzen aber bewahrten sie die völlige Sicherheit, daß sie mit Gottes Unterstützung alles vermöchten. Und ihr Vertrauen wurde nicht enttäuscht! 13

Werdet also zu vertrauensvollen Seelen! Der Herr fordert uns dazu auf, und unser eigenes Interesse verlangt es. So werdet ihr gleichzeitig erleuchtete Seelen und Seelen voller Frieden.

 




12 Modicae fidei, quare dubitasti? Matthäus, XIV, 31.



13 Spes autem non confundit. Römer, V, 5.






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