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Mit der seinem genialen
Wesenszug eigenen Knappheit definiert der heilige Thomas von Aquin das
Vertrauen folgendermaßen: „Eine
von fester Überzeugung gestärkte Hoffnung“ 1. Es ist dies ein tiefgehendes Wort, das wir im vorliegenden
Kapitel nur zu kommentieren brauchen.
Wägen wir einmal
aufmerksam die von dem „Engelgleichen Lehrer“ verwendeten Begriffe ab: „Das
Vertrauen“, sagt er, „ist eine Hoffnung“. Aber nicht eine gewöhnliche
Hoffnung, wie sie allen Gläubigen gemein ist; ein ganz bestimmtes Kennzeichen
hebt sie ab: Es ist eine „gestärkte Hoffnung“. Bemerkenswert ist jedoch,
daß der Unterschied nicht in der Natur liegt, sondern nur im Grad ihrer
Intensität.
So wie zum Tag sowohl das
unsichere Aufscheinen der Morgendämmerung als auch der Sonnenglanz des Mittags
gehört, sind Vertrauen und Hoffnung Teil derselben Tugend, nur daß eben das
eine das völlige Erblühen des anderen ist.
Die gewöhnliche Hoffnung
verliert sich in der Verzweiflung; aber eine gewisse Unruhe erträgt sie
durchaus ... Wenn sie jedoch die Vollkommenheit erreicht, die ihren Namen in
„Vertrauen“ verwandelt, wird sie empfindlicher. Sie duldet nun kein Zögern
mehr, mag es auch noch so klein sein. Der geringste Zweifel würde sie
erniedrigen und auf die Ebene einfacher Hoffnung zurückwerfen.
Der königliche Seher wählte
seine Worte sehr genau, als er das Vertrauen eine „Überhoffnung“ 2 nannte. Tatsächlich handelt es
sich hier um eine auf den Höhepunkt ihrer Intensität gebrachte Tugend.
Und Saint-Jure, einer der
meistbeachteten geistlichen Autoren des 17. Jahrhunderts sah in ihr geradezu
eine „außerordentliche, heldenhafte“ 3 Hoffnung.
So ist also das Vertrauen
keineswegs eine Alltagsblume. Sie wächst auf Bergeshöhen und wird nur von den
Großmütigsten gepflückt.
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