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P. Thomas de Saint Laurent
Das Buch vom Vertrauen

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  • IV
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IV

 

Unerschütterliche Entschlossenheit ist also das erste Merkmal des Vertrauens.

Die zweite Eigenschaft dieser Tugend ist noch vollkommener. „Sie veranlaßt den Menschen dazu, nicht mit der Hilfe der Geschöpfe zu rechnen, gleich, ob es sich um Hilfe aus den eigenen Kräften, aus seinem Geiste, seiner Urteilskraft, seinem Wissen, seiner Art, seinem Reichtum, seiner Glaubwürdigkeit, seinen Freunden, Verwandten oder sonst irgendwelchem Besitzstand handelt oder um ein Zuhilfekommen, das etwa von anderen zu erwarten wäre: von Königen, Fürsten und irgendeiner Kreatur; denn er weiß sehr wohl um die Schwäche und Nichtigkeit jeden menschlichen Beistands. Er sieht in ihnen das, was sie wirklich sind, und gibt der heiligen Therese Recht, die von trockenen Wacholderzweigen spricht, die zerbrechen, kaum daß man sie anfaßt12.

Nun wird vielleicht einer fragen, ob diese Theorie sich nicht von einem falschen Mystizismus herleitet ... Führt sie nicht etwa zum Fatalismus oder doch wenigstens zu einer gefährlichen Passivität? Wozu sich Mühe geben, um die Schwierigkeiten zu überwinden, wenn alle Hilfe schließlich doch in unseren Händen zerbrechen muß? Legen wir also die Hände in den Schoß und warten wir auf das Eingreifen Gottes! ...

Nein, Gott will nicht, daß wir uns der Trägheit hingeben; er verlangt, daß wir ihn nachahmen. Sein vollkommenes Handeln kennt keine Grenzen. Er ist die reine Tat.

Wir müssen also handeln; die Wirksamkeit unseres Tuns dürfen wir jedoch nur von ihm erwarten. „Hilf dir selbst, so hilft dir Gott!“

Das ist die Ökonomie des Plans der Vorsehung.

Also, auf die Posten! Arbeiten wir mit Fleiß, aber Geist und Herz sollen nach oben gewandt sein. Sinnlos ist es für euch, daß ihr früh aufsteht 13, sagt die Heilige Schrift, wenn der Herr nicht hilft, werdet ihr nichts erreichen.

Tatsächlich befinden wir uns in einer radikalen Ohnmacht. Getrennt von mir könnt ihr nichts tun,“ 14  sagt der Heiland.

In der übernatürlichen Ordnung ist unsere Ohnmacht absolut. Man braucht ja nur die Lehre der Theologen zu hören.

Ohne die Gnade ist der Mensch nicht in der Lage, auf längere Zeit die Gebote Gottes in ihrer Gesamtheit zu beobachten.

Ohne die Gnade ist er nicht in der Lage, allen Versuchungen zu widerstehen, die ihn oft mit äußerster Heftigkeit anfallen.

Ohne die Gnade können wir keinen guten Gedanken fassen oder selbst das kürzeste Gebet sprechen; ohne sie sind wir nicht einmal imstande, den Namen Jesu mit Frömmigkeit anzurufen.

Alles, was wir in der übernatürlichen Ordnung tun, bekommen wir allein von Gott. 15 Und selbst in der natürlichen Ordnung ist es Gott, der uns den Sieg verleiht.

Der hl. Petrus hatte die ganze Nacht gearbeitet, und zwar mit Ausdauer; er kannte sehr wohl die Geheimnisse seines harten Berufs. Und doch hatte er die stillen Wasser des Sees umsonst durchfahren – nichts hatte er gefangen! Nun steigt der Meister in sein Boot; in seinem Namen wirft er abermals das Netz aus – und schon macht er einen wunderbaren Fang; so groß ist die Zahl der gefangenen Fische, daß sogar die Maschen des Netzes zerreißen...

Dem Beispiel des Apostels folgend, sollen auch wir unermüdlich unsere Netze auswerfen; doch den wunderbaren Fischfang dürfen wir nur vom Herrn erwarten.

„In allem, was ihr tut,“ sagte der heilige Ignatius von Loyola, „sollt ihr diese Regel aller Regeln befolgen: „Vertraut auf Gott, handelt aber so, als ob der Erfolg einer jeden Tat ganz allein von euch und nichts von Gott abhängen würde; wenn ihr aber dann eure Anstrengungen einbringt, um ein gutes Ergebnis zu erzielen, rechnet nicht mit ihnen und handelt so, als ob alles durch Gott allein geschehen würde und nichts durch euch.“ 16

 




12 Saint-Jure: De la connaissance et de lamour de J. C., Bd. III, S. 3.



13 Vanum est vobis ante lucem surgere. Psalmen, CXXVI, 2.



14 Sine me nihil potestis facere. Johannes, XV, 5.



15 Sufficientia nostra ex Deo est. II Korinther, III, 5.



16 P. Xavier de Franciosi: LEsprit de Saint Ignace, S. 5.






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