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Unerschütterliche
Entschlossenheit ist also das erste Merkmal des Vertrauens.
Die zweite Eigenschaft dieser
Tugend ist noch vollkommener. „Sie veranlaßt den Menschen dazu, nicht mit der
Hilfe der Geschöpfe zu rechnen, gleich, ob es sich um Hilfe aus den eigenen
Kräften, aus seinem Geiste, seiner Urteilskraft, seinem Wissen, seiner Art, seinem
Reichtum, seiner Glaubwürdigkeit, seinen Freunden, Verwandten oder sonst
irgendwelchem Besitzstand handelt oder um ein Zuhilfekommen, das etwa von
anderen zu erwarten wäre: von Königen, Fürsten und irgendeiner Kreatur; denn er
weiß sehr wohl um die Schwäche
und Nichtigkeit jeden menschlichen Beistands. Er sieht in ihnen das, was sie
wirklich sind, und gibt der heiligen Therese Recht, die von trockenen
Wacholderzweigen spricht, die zerbrechen, kaum daß man sie anfaßt“ 12.
Nun wird vielleicht einer
fragen, ob diese Theorie sich nicht von einem falschen Mystizismus herleitet
... Führt sie nicht etwa zum Fatalismus oder doch wenigstens zu einer
gefährlichen Passivität? Wozu sich Mühe geben, um die Schwierigkeiten zu
überwinden, wenn alle Hilfe schließlich doch in unseren Händen zerbrechen muß? Legen wir
also die Hände in den Schoß und warten wir auf das Eingreifen Gottes! ...
Nein, Gott will nicht, daß wir
uns der Trägheit hingeben; er verlangt, daß wir ihn nachahmen. Sein
vollkommenes Handeln kennt keine Grenzen. Er ist die reine Tat.
Wir müssen also handeln; die
Wirksamkeit unseres Tuns dürfen wir jedoch nur von ihm erwarten. „Hilf dir
selbst, so hilft dir Gott!“
Das ist die Ökonomie des Plans
der Vorsehung.
Also, auf die Posten! Arbeiten
wir mit Fleiß, aber
Geist und Herz sollen nach oben gewandt sein. „Sinnlos ist es für euch, daß
ihr früh aufsteht“ 13, sagt
die Heilige Schrift, wenn der Herr nicht hilft, werdet ihr nichts erreichen.
Tatsächlich befinden wir uns in
einer radikalen Ohnmacht. „Getrennt von mir könnt ihr nichts tun,“ 14 sagt der Heiland.
In der übernatürlichen Ordnung
ist unsere Ohnmacht absolut. Man braucht ja nur die Lehre der Theologen zu
hören.
Ohne die Gnade ist der Mensch nicht
in der Lage, auf längere Zeit die Gebote Gottes in ihrer Gesamtheit zu
beobachten.
Ohne die Gnade ist er nicht in
der Lage, allen Versuchungen zu widerstehen, die ihn oft mit äußerster Heftigkeit anfallen.
Ohne die Gnade können wir keinen
guten Gedanken fassen oder selbst das kürzeste Gebet sprechen; ohne sie sind
wir nicht einmal imstande, den Namen Jesu mit Frömmigkeit anzurufen.
Alles, was wir in der
übernatürlichen Ordnung tun, bekommen wir allein von Gott. 15 Und selbst in der natürlichen Ordnung ist es Gott, der
uns den Sieg verleiht.
Der hl. Petrus hatte die ganze
Nacht gearbeitet, und zwar mit Ausdauer; er kannte sehr wohl die Geheimnisse
seines harten Berufs. Und doch hatte er die stillen Wasser des Sees umsonst
durchfahren – nichts hatte er gefangen! Nun steigt der Meister in sein Boot; in
seinem Namen wirft er abermals das Netz aus – und schon macht er einen
wunderbaren Fang; so groß ist die Zahl der gefangenen Fische, daß sogar die
Maschen des Netzes zerreißen...
Dem Beispiel des Apostels
folgend, sollen auch wir unermüdlich unsere Netze auswerfen; doch den
wunderbaren Fischfang dürfen wir nur vom Herrn erwarten.
„In allem, was ihr tut,“ sagte
der heilige Ignatius von Loyola, „sollt ihr diese Regel aller Regeln befolgen:
„Vertraut auf Gott, handelt aber so, als ob der Erfolg einer jeden Tat ganz
allein von euch und nichts von Gott abhängen würde; wenn ihr aber dann eure
Anstrengungen einbringt, um ein gutes Ergebnis zu erzielen, rechnet nicht mit
ihnen und handelt so, als ob alles durch Gott allein geschehen würde und nichts
durch euch.“ 16
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