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P. Thomas de Saint Laurent
Das Buch vom Vertrauen

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V

 

Nicht den Mut zu verlieren, wenn sich das Trugbild der menschlichen Hoffnungen verflüchtigt ... nur mit der Hilfe des Himmels zu rechnen, wäre das nicht schon eine sehr große Tugend? ...

Die kraftvolle Schwinge des wirklichen Vertrauens stößt jedoch in noch höhere Regionen vor. Dahin gelangt sie mit Hilfe einer Art verfeinerten Heldentums und erreicht damit den höchsten Grad der Vollkommenheit.

Der besteht darin, daß sich die Seele glücklich schätzt, wenn sie aller menschlichen Unterstützung entsagen muß, von Verwandten, Freunden, allen Geschöpfen verlassen ist, die ihr nicht helfen wollen oder können, die ihr keinen Rat geben noch ihr mit ihrer Begabung oder ihrer Glaubwürdigkeit dienen können, die keinen Weg mehr sehen, ihr zu Hilfe zu kommen ... 17Welch tiefe Weisheit läßt eine solche Freude in so grausamen Umständen erkennen! ...

Um unter den Schlägen, die eigentlich unsere Energie brechen sollten, das Halleluja anstimmen zu können, muß man das Herz des Herrn zutiefst kennen, muß blindlings an seine barmherzige väterliche Liebe und seine allmächtige Güte glauben, muß sich absolut sicher sein, daß er für sein Eingreifen gerade den Augenblick ausweglosester Situationen wählt ...

Nach seiner Bekehrung hat der heilige Franz von Assisi die Ruhmesträume, die ihn vorher geblendet hatten, verachtet. Er floh die weltlichen Zusammenkünfte und zog sich in die Wälder zurück, um sich über lange Zeit dem Gebet hinzugeben; er verteilte reichlich Almosen ... Dieser Wandel mißfiel seinem Vater, der den Sohn vor die höchste kirchliche Autorität des Bistums schleppte und ihn anklagte, seine Güter zu verschleudern. In Gegenwart des verwunderten Bischofs verzichtete daraufhin Franziskus auf das väterliche Erbe; er entledigte sich sogar der Kleider, die er von seiner Familie hatte; er entäußerte sich aller Dinge! ... Und es überkam ihn ein übermenschliches Glück, das ihn ausrufen ließ: „Jetzt kann ich dich endlich mehr den je Vater unser im Himmel nennen!“

Hier sieht man, wie die Heiligen handeln.

Ihr vom Unglück getroffenen Seelen, murrt nicht in der Verlassenheit, in der ihr euch befindet! Gott verlangt keine sichtbare Freude von euch, denn unsere Schwachheit erlaubt uns diese nicht. Belebt nur euren Glauben neu, habt Mut und gebt euch nach den Worten des heiligen Franz von Sales in der „feinen Spitze der SeeleMühe, Freude zu verspüren.

Die göttliche Vorsehung hat euch das richtige Zeichen gegeben, an dem man erkennt, daß ihre Stunde gekommen ist: Sie hat euch jede Unterstützung entzogen. Damit ist der Augenblick gekommen, der Beunruhigung der Natur zu widerstehen. Im innerlichen Stundengebet seid ihr an die Stelle gekommen, wo es gilt, das Magnifikat zu singen und den Weihrauch aufsteigen zu lassen: Freuet euch allezeit im Herrn; nochmals sage ich, freuet euch: Der Herr ist nahe!“ 18

Folgt diesem Rat und es wird euch zum Vorteil gereichen. Wenn sich der göttliche Meister von einem derart großen Vertrauen nicht rühren lassen würde, wäre er nicht der, den die Evangelien so mitleidvoll zeigen und der angesichts unserer Leiden schmerzlich bewegt war.

Eine privilegierte Seele ließ der Herr einmal wissen: „Wenn ich auch gütig zu allen bin, so bin ich doch sehr gütig zu denen, die auf mich vertrauen. Weißt du, welche Seelen aus meiner Güte den größten Gewinn ziehen? Diejenigen, die am meisten erwarten... Die vertrauenden Seelen rauben mir meine Gnaden!...“ 19.




17 Saint-Jure: De la connaissance et de lamour de J. C., Bd. III, S. 4.



18 Gaudete in Domino semper: iterum dico, gaudete ... Dominus prope est. Philipper, IV, 4 und 5.



19 Schwester Benigna Consolata Ferrero, S. 95 und 96. Tip. Rondil, Lyon. Ihr Lebensbericht erschien 1920 mit dem Imprimatur des Erzbischofs und den durch die Dekrete Urban VIII. vorgeschriebenen Erklärungen.






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