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Wir haben bereits gesagt, daß
das Vertrauen eine heldenhafte Hoffnung ist; sie unterscheidet sich von der
allen Gläubigen gemeinen Hoffnung nur durch ihren Grad an Vollkommenheit. Sie
erstreckt sich folglich auf die gleichen Situationen wie diese Tugend, doch
sind ihre Handlungen intensiver und begeisterter.
Mit der gewöhnlichen Hoffnung
erwartet das Vertrauen vom himmlischen Vater alle Hilfe, die notwendig ist, um
hier auf Erden heilig zu leben und die Seligkeit im Paradies zu verdienen.
So erwartet es zuerst einmal die
zeitlichen Güter in dem Maße, in dem diese uns zum letzten Ziel führen können.
Nichts ist logischer: Wir können
den Himmel nicht als reine Geister erobern wollen; wir sind aus Leib und Seele
zusammengesetzt. Dieser Leib, den der Schöpfer mit seinen anbetungswürdigen
Händen geschaffen hat, ist unser untrennbarer Gefährte im irdischen Dasein; und
er wird auch nach der allgemeinen Auferstehung unser Los teilen. Wir können
also seiner Hilfe im Kampf um die Eroberung der Seligkeit nicht entbehren.
Nun hat aber der Leib für seinen
Unterhalt und zur Erfüllung seiner Aufgaben vielerlei Bedürfnisse. Diesen muß
die göttliche Vorsehung nachkommen; und das tut sie auch auf vortreffliche
Weise.
Gott sorgt für unsere
Bedürfnisse ... und zwar aufs Großzügigste. Sein wachsamer Blick folgt uns und läßt uns
nicht ins Elend sinken. Inmitten materieller Schwierigkeiten dürfen wir uns
nicht beirren lassen, wenn sie auch noch so beängstigend sind. Mit aller
Sicherheit erwarten wir aus den göttlichen Händen, was wir zum Lebensunterhalt
brauchen.
„Darum sage ich euch“, mahnt der Heiland, „sorgt
nicht ängstlich für euer Leben, was ihr essen oder trinken, noch für euren
Leib, was ihr anziehen werdet. Ist nicht das Leben mehr als die Speise und der
Leib mehr als die Kleidung? Betrachtet die Vögel des Himmels! Sie säen nicht,
sie ernten nicht, sie sammeln nicht in die Scheunen, und euer himmlischer Vater
ernährt sie. Seid ihr nicht viel wertvoller als sie? ... Und warum sorgt ihr
ängstlich für die Kleidung? Betrachtet die Lilien des Feldes, wie sie wachsen!
Sie arbeiten nicht und spinnen nicht; und doch sage ich euch: Selbst Salomon in
all seiner Herrlichkeit war nicht gekleidet wie eine von ihnen. Wenn nun Gott
das Gras des Feldes, das heute steht und morgen in den Ofen geworfen wird, also
kleidet, wieviel mehr euch, ihr Kleingläubigen?
Sorget euch also nicht
ängstlich und sagt nicht: Was werden wir essen, was werden wir trinken, womit
werden wir uns bekleiden? Denn nach all dem trachten die Heiden. Es weiß ja euer Vater im
Himmel, daß ihr all dessen bedürft.
Suchet zuerst das Reich
Gottes und seine Gerechtigkeit, und dies alles wird euch dazugegeben werden.“ 1
Es reicht
nicht, einfach nur das Auge über diese Rede des Herrn schweifen zu lassen. Es
ist wichtig, ihr längere Zeit unsere Aufmerksamkeit zu schenken, um ihren
tieferen Sinn herauszufinden und in ihre Lehre einzudringen.
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