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P. Thomas de Saint Laurent
Das Buch vom Vertrauen

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  • II
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II

 

Sind diese Worte wörtlich zu verstehen und in ihrem engeren Sinn auszulegen? Gibt uns Gott nur das unbedingt Notwendige: ein Stück trockenes Brot, einen Becher Wasser, ein paar Lappen, deren unser Elend dringend bedarf? Nein, der Vater im Himmel behandelt seine Kinder nicht mit geiziger Sparsamkeit. Wer so denkt, lästert die göttliche Güte; das hieße, wenn ich so sagen darf, die Gewohnheiten Gottes verkennen. Denn bei der Ausübung seiner Vorsehung zeigt er sich, wie übrigens auch in seinem Schöpfungswerk, äußerst freigiebig.

Wenn er seine Welten durch die Räume wirft, schafft er aus dem Nichts Tausende von Sternen. Ist in der Milchstraße, diesem immensen Himmelsbereich leuchtender Nächte, nicht jedes Sandkorn eine ganze Welt?

Wenn er die Vögel ernährt, lädt er sie an die überaus reich gedeckte Tafel der Natur. Er hält für sie den Weizen bereit, der die Ähren füllt, alle Arten von Körnern, die in der Pflanzenwelt reifen, die Früchte, die der Herbst in den Wäldern vergoldet, die Saat, die der Bauer in die Furchen streut. Eine nicht enden wollende Vielzahl an Nahrung für diese bescheidenen Tierchen! ...

Wenn er die Pflanzen hervorbringt, wie schmückt er sie mit Blüten! Wie Edelsteine bearbeitet er ihre Krone, in ihren Kelch schüttet er herrliche Düfte, die Blütenblätter webt er aus einer so zarten und glänzenden Seide, daß die Künste der industriellen Herstellung nie an ihre Schönheiten heranreichen.

Und wenn es nun um den Menschen geht, um sein Meisterwerk, um den Adoptivbruder des fleischgewordenen Wortes, wird dann Gott nicht eine noch viel freigebigere Großzügigkeit walten lassen? ...

Wir können also von der unanfechtbaren Wahrheit ausgehen, daß die göttliche Vorsehung reichlich für die zeitlichen Bedürfnissen des Menschen sorgt.

Es wird natürlich auf Erden immer Reiche und Arme geben, und während die einen im Überfluß leben, müssen andere arbeiten und sparsam mit ihren Mitteln umgehen. Dennoch stellt der himmlische Vater allen so viel zur Verfügung, daß sie innerhalb der jeweiligen Umstände in einem gewissen Wohlstand leben können.

Kehren wir nun zu dem Vergleich zurück, den Jesus anwendet. Gott kleidet zwar die Lilien mit aller Pracht, aber dieses weiße, duftende Kleid entspricht der Natur der Lilie. Das Kleid des Veilchens ist schon viel bescheidener; doch auch ihm gibt Gott nach Maßgabe seiner besonderen Natur. Und beide Blumen erblühen süß im Sonnenlicht, ohne daß ihnen etwas fehlte.

So hält es Gott auch mit den Menschen. Einige von ihnen hat er in die oberen Gesellschaftsschichten hineingestellt, andere in weniger glänzende Verhältnisse; beiden aber läßt er das Notwendige zukommen, damit sie in Würde ihre Position einnehmen.

Hier wird man nun einwenden, wie unbeständig jedoch die gesellschaftlichen Verhältnisse seien. Ist es in unseren Krisenzeiten nicht leichter, sozial zu sinken als aufzusteigen oder das gleiche Niveau beizubehalten?

Ohne Zweifel. Die göttliche Vorsehung schenkt jedoch jedem genau die Hilfe, die er braucht: Für große Übel schickt sie große Heilmittel. Was uns die wirtschaftlichen Katastrophen nehmen, können wir mit Fleiß und Arbeit wiedergewinnen. In den seltenen Fällen, in denen die eigene Tätigkeit unmöglich gemacht wird, haben wir das Recht, von Gott einen außerordentlichen Eingriff zu erwarten.

Meiner Ansicht nach schafft Gott im Allgemeinen keine Gefallenen. Im Gegenteil, er will, daß wir uns mit Klugheit entwickeln, aufsteigen, wachsen. Wenn er manchmal einen sozialen Abstieg zuläßt, so will er dies nur aus einem Wollen heraus, das nach einem Akt unseres freien Willens liegt. Meistens entsteht ein solcher Niedergang aus unseren persönlichen oder erblichen Fehlern heraus. Gewöhnlich ist er eine natürliche Folge von Faulheit, Verschwendung und unterschiedlichster Leidenschaften.

Aber auch der einmal gefallene Mensch kann sich mit Hilfe der göttlichen Vorsehung wieder erheben und durch seine Anstrengungen die verlorene Stellung zurückgewinnen.

 




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