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Gott sorgt für unsere
Bedürfnisse.
„Sorget euch nicht!“ sagt der Herr.
Was will er wohl mit diesem Rat
genau sagen? ...
Sollen wir, um dem Hinweis des
Meisters zu gehorchen, die zeitlichen Geschäfte völlig aufgeben? ...
Es ist nicht zu bezweifeln, daß
die Gnade manchmal von bestimmten Seelen das Opfer einer strikten Armut
verlangt, damit sie sich ganz der göttlichen Vorsehung anvertrauen. Diese
Berufungen sind jedoch bemerkenswert selten. Alle anderen, seien es
Religionsgemeinschaften oder Einzelne, besitzen Güter, die sie klug zu verwalten
haben.
Der Heilige Geist lobt die
starke Frau, die es versteht, gut ihr Haus zu führen. Er stellt sie uns im Buch
der Sprüche vor, wie sie früh aufsteht, um Knechten und Mägden ihre Aufgaben
zuzuteilen und auch mit eigenen Händen zu arbeiten. Nichts entgeht ihrer
Aufmerksamkeit. Die ihr Anvertrauten haben nichts zu fürchten: Dank ihrer
Voraussicht erhalten alle das Notwendige, das Angenehme und sogar einen mäßigen Luxus. Ihre Söhne preisen
sie glücklich und ihr Gatte rühmt ihre Tugenden. 2
Die Wahrheit hätte diese Frau
nicht so lebhaft gelobt, wenn sie nicht ihrer Pflicht nachgekommen wäre.
Wir brauchen uns also nicht zu
beunruhigen; wenn wir uns auf vernünftige Art und Weise um unsere Pflichten
kümmern, sollen wir uns nicht von düsteren Zukunftsaussichten ängstigen lassen
und ohne Zögern mit der Hilfe der göttlichen Vorsehung rechnen.
Das hat nichts mit Illusionen zu
tun! Ein solches Vertrauen erfordert eine große Seelenkraft. Es gilt beide
Klippen zu meiden: den Mangel und das Übermaß. Wer leichtsinnigerweise seine
Pflichten und Geschäfte vernachlässigt, kann keine besondere Hilfe erwarten, es
sei denn, er will Gott versuchen. Wer den materiellen Sorgen den ersten Platz
in seinem Denken einräumt, wer mehr mit sich selbst als mit Gott rechnet,
täuscht sich noch mehr; er nimmt dem Allerhöchsten den Platz weg, der ihm in
unserem Leben zusteht.
„In medio stat virtus“: Zwischen den Extremen
liegt die Pflicht.
Wenn wir unsere Interessen nicht
klug wahrgenommen haben, wird uns die Sorge um die Zukunft die Macht und die
Güte Gottes verkennen und unterschätzen lassen.
Während der langen Jahre in der
Wüste brachte ein Rabe dem heiligen Paulus, dem Eremiten, täglich ein halbes
Brot. Eines Tages besuchte der heilige Antonius den berühmten Einsiedler. Die
beiden Heiligen waren so in ihr Gespräch vertieft, daß sie in ihren frommen
Betrachtungen die notwendige Nahrung vergaßen. Doch die Vorsehung vergaß sie nicht: Der Rabe kam wie
immer geflogen, brachte diesmal aber ein ganzes Brot!
Der himmlische Vater hat das
ganze Weltall mit einem einzigen Wort geschaffen; wie kann es ihm da schwer
sein, seinen Kindern im Notfall beizustehen?...
Der heilige Kamillus von Lellis
hatte Schulden gemacht, um seine armen Kranken versorgen zu können. Seine
Ordensbrüder waren ganz aufgeregt. Er aber beruhigte sie mit den Worten: „Warum
sollten wir an der Vorsehung zweifeln? Glaubt ihr etwa, daß es dem Herrn schwer
fällt, uns einige von den Gütern zu verschaffen, mit denen er Juden und Türken,
beide Feinde unseres Glaubens, überhäuft hat?“ 3 Das Vertrauen des heiligen Kamillus wurde nicht
enttäuscht; einen Monat später hinterließ ihm ein sterbender Gönner eine beträchtliche Summe.
Die Sorge um die Zukunft bedeutet
Mißtrauen, das Gott beleidigt und seinen Zorn hervorruft.
Als die Hebräer aus Ägypten
geflohen waren und sich inmitten der Wüste verloren sahen, vergaßen sie die Wunder, die Jahweh
für sie vollbracht hatte... Angst überkam sie, sie fingen an zu murren ... „Ist
Gott wohl imstande, einen Tisch in der Wüste zu decken? ... Kann er auch Brot
verleihen oder verschafft er seinem Volke fleischliche Nahrung?“ Diese
Worte ärgerten den Herrn. Er warf Feuer vom Himmel auf sie; sein Zorn
entbrannte gegen Israel, „denn sie glaubten nicht an Gott, sie vertrauten
nicht seiner hilfreichen Tat“. 4
Also
keine unnötigen Sorgen: Der Vater behütet uns.
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