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Das Vertrauen, wie wir es bisher
beschrieben haben, entbindet uns nicht vom Gebet. Es ist nicht genug, in den
zeitlichen Bedürfnissen, auf die Hilfe Gottes zu warten; man muß auch um sie
bitten.
Jesus Christus hat uns im Vater
unser das vollkommene Beispiel des Gebets hinterlassen; unter anderem läßt
er uns dort um das „tägliche Brot“ bitten: „Panem nostrum quotidianum da
nobis hodie.“
Sind wir oft nicht doch sehr nachlässig,
wenn es um die Pflicht des Gebets geht? Was für eine Unklugheit und
Verrücktheit! ... Aus Leichtsinn berauben wir uns so des einzigen unumschränkt
wirksamen, göttlichen Schutzes. Die Legende behauptet, daß die Kapuziner nie
verhungern, weil sie stets in frommer Andacht das Vater unser beten.
Ahmen wir sie nach, und der
Höchste wird uns nie das Nötigste fehlen lassen.
Bitten wir also um das tägliche
Brot!
Der Glaube und die Liebe zu uns
selbst legen uns diese Pflicht auf.
Können wir aber unsere Ansprüche
erhöhen und auch um Reichtum bitten? Nichts spricht dagegen, vorausgesetzt, daß
die Bitte auf übernatürlichen Beweggründen beruht und wir uns völlig dem Willen
Gottes unterwerfen. Der Herr verbietet es nicht, unseren Wünschen Ausdruck zu
verleihen, im Gegenteil, er möchte, daß wir uns ihm gegenüber wirklich kindlich
verhalten. Wir dürfen natürlich nicht erwarten, daß er sich unseren Phantasien
beugt; die göttliche Güte selbst widersetzt sich diesem Ansinnen. Gott weiß, was für uns am besten ist. Er
wird uns nur dann die Güter dieser Erde bewilligen, wenn diese unserer
Heiligung dienen können.
Überlassen wir uns vollkommen
der göttlichen Vorsehung und sprechen wir die Bitte des Weisen nach: „Weder
Armut noch Reichtum sollst du mir geben. Schenk nur an Brot, soviel mir Not
tut! Damit ich, reich gesättigt, nicht zum Leugner werde und „Wer ist denn der
Herr?“ im Herzen sage; damit ich in der Armut nicht zum Dieb werde und meines
Gottes Namen anzugreifen wage.“ 8
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