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Abgrund der menschlichen
Schwächen, Tyrannei der schlechten Gewohnheiten! Wieviele Christen erhalten im
Bußsakrament die Verzeihung
ihrer Vergehen, sie bereuen diese wirklich und energisch sind ihre guten
Vorsätze ... und dennoch begehen sie wieder die selben, oft sogar schweren
Sünden; die Anzahl ihrer Sündenfälle nimmt unaufhörlich zu! Bestände also nicht
Grund genug zur Mutlosigkeit? ...
Nichts ist angebrachter, als daß
uns die Sichtbarkeit unserer Erbärmlichkeit demütig bleiben läßt.
Wenn sie uns aber das Vertrauen
nimmt, löst dies eine Katastrophe aus, die gefährlicher ist als alle Rückfälle
in unsere Fehler.
Die gefallene Seele muß sofort
wieder aufstehen. Sie muß unaufhörlich das Erbarmen des Herrn anrufen. Wißt ihr
denn nicht, daß Gott seine Stunden hat und daß er uns von einem
Augenblick zum andern in den Zustand höchster Heiligkeit erheben kann?!
Hatte etwa Maria Magdalena kein
verbrecherisches Leben geführt? Und dennoch hat sie die Gnade augenblicklich
verwandelt. Ohne Übergang wurde aus der Sünderin eine große Heilige. Die Reichweite Gottes
ist seither keineswegs zurückgegangen. Was er für andere getan hat, kann er
auch für uns tun. Zweifelt nicht: Das vertrauensvolle, beharrliche Gebet wird
die vollkommene Genesung eurer Seelen erreichen.
Gebt nun bitte nicht vor, daß
die Zeit vergeht und euer Leben sich vielleicht schon dem Ende zuneigt.
Der Herr hat den Todeskampf des
guten Schächer abgewartet, um ihn siegreich an sich zu ziehen. Dieser schuldbeladene
Mensch hat sich in einer Minute bekehrt. Sein Glaube und seine Liebe waren so
groß, daß er trotz seiner
schweren Verbrechen nicht einmal durchs Fegefeuer mußte; für alle Ewigkeit wird
er im Himmel einen erhabenen Sitz einnehmen.
Nichts ändere also euer
Vertrauen! Selbst aus dem tiefsten Abgrund sollt ihr noch den Himmel anrufen.
Gott wird auch dann noch auf euren Ruf antworten und seine Gerechtigkeit in
euch wirken lassen.
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