|
Der Weise baut sein Haus auf
Fels; weder Überschwemmungen, noch Regen, noch Unwetter können es zerstören.
Damit auch das Gebäude unseres Vertrauens allen Prüfungen widerstehen kann, muß
es auf unerschütterlichem Fundament stehen.
„Wollt ihr wissen,“ fragt der
heilige Franz von Sales, „was für ein Fundament unser Vertrauen haben soll. Es
muß auf der unendlichen Barmherzigkeit Gottes aufgebaut sein und auf den
Verdiensten des Todes und des Leidens unseres Herrn Jesus Christus; und von
unserer Seite muß der feste, umfassende Entschluß dazukommen, ganz Gott zu
gehören und uns völlig und vorbehaltlos seiner Vorsehung anzuvertrauen.“ 1
Zu groß ist die Anzahl der
Hoffnungsgründe, als daß wir sie hier alle aufführen könnten. Wir werden daher
nur die näher untersuchen, die uns die Menschwerdung des Wortes und die heilige
Gestalt des Erlösers anbieten. Außerdem ist Christus in Wahrheit der Eckstein2, auf den sich unser geistliches
Leben vor allem zu stützen hat.
Was für ein Vertrauen würde uns
das Geheimnis der Menschwerdung einflößen, wenn wir uns die Mühe machen würden, uns weniger
oberflächlich mit ihm zu beschäftigen! ...
Wer ist dieses Kind, das da in
der Krippe weint, wer ist dieser Heranwachsende, der da in Nazareth in der
Werkstatt arbeitet, dieser Prediger, dem Tausende begeistert lauschen, dieser
Wundertätige, der zahllose Wunder vollbringt, dieses unschuldige Opfer, das am
Kreuz stirbt?
Es ist der Sohn des
Allerhöchsten, ewig und Gott wie der Vater ... Es ist der seit langem erwartete
Emmanuel, den der Prophet „Wunder-Rat, Gott-Held, Friedens-Fürst“ 3 nennt.
Oft vergessen wir aber, daß
Jesus unser Eigentum ist. Er gehört uns im wahrsten Sinne des Wortes:
Wir haben unvergängliche Rechte auf ihn, denn der himmlische Vater hat ihn uns
gegeben. Die Heilige Schrift sagt dazu: „Der Sohn Gottes wurde uns
geschenkt“ 4.
Und auch der heilige Johannes
schreibt in seinem Evangelium: „Denn so liebte Gott die Welt, daß er seinen
eingeborenen Sohn hingab“ 5.
Wenn uns Christus also gehört,
haben wir auch ein Recht auf die unendlichen Verdienste seines Wirkens, seiner
Leiden und seines Todes. Wie könnten wir unter diesen Bedingungen den Mut
verlieren? Indem er uns seinen Sohn ausgeliefert hat, hat uns der himmlische
Vater die Fülle aller Güter geschenkt. Es liegt an uns, diesen kostbaren Schatz
zu nutzen.
Wenden
wir uns also mit heiliger Dreistigkeit an den Himmel, und bitten wir ohne
Zögern im Namen unseres Erlösers um die Gnaden, die wir uns erwünschen. Bitten
wir um zeitlichen Segen, vor allem aber um die Unterstützung der Gnade. Für
unser Vaterland bitten wir um Frieden und Wohlstand, für die Kirche um Frieden
und Freiheit.
Ein solches Gebet wird mit
Sicherheit erhört.
Versuchen
wir aber nicht mit Gott Geschäfte zu machen, wenn wir so vorgehen? Im Austausch
für die erwünschten Güter bieten wir ihm seinen eigenen, eingeborenen Sohn an.
Und bei diesem Geschäft können wir Gott gar nicht übervorteilen: Wir geben ihm
unendlich mehr, als wir von ihm erhalten.
Wenn wir also mit einem Glauben
beten, der Berge versetzt, wird unser Gebet so wirksam sein, daß es, wenn
nötig, auch die außerordentlichsten
Wunder erwirkt.
|