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P. Thomas de Saint Laurent
Das Buch vom Vertrauen

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  • III
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III

 

In Wahrheit ist der Herr eben anbetungswürdig gut: Sein Herz kann uns nicht leiden sehen, ohne zu bluten. Diese Güte läßt ihn, noch bevor ihn irgendeine Bitte erreicht hat, einige seiner größten Wunder aus eigenem Antrieb wirken.

Die Menge folgt ihm bereits drei Tage lang durch die öde Bergwelt Palästinas und, um ihn zu hören, vergessen die Leute völlig die Sorge um Essen und Trinken. Der Herr aber ruft die Apostel zu sich: „Seht diese armen Menschen“, sagt er zu ihnen, „ich kann sie nicht einfach so wegschicken – sie würden auf dem Weg ermatten. Mich erbarmt des Volkes.“ 9  Und er vermehrt die wenigen Brote, die den Jüngern übrig geblieben waren.

Ein anderes Mal befand er sich, begleitet von einer großen Menge, auf dem Weg in das Städtchen Naim. Als er fast die Tore der Stadt erreicht hat, stößt er auf einen Leichenzug. Bei dem Toten handelte es sich um einen jungen Mann, den man zu seiner letzten Heimstätte begleitete; er war der einzige Sohn einer armen Witwe. Da sie nun nichts mehr vom Leben zu erwarten hatte, folgte die Frau zutiefst traurig und mutlos dem Leichnam ihres Sohnes. Angesichts dieses stummen Schmerzes fühlte sich der Meister im Innersten gerührt. In seinem Mitleid sprach er: „Arme Mutter, weine nicht mehr!“ 10  Dann trat er an die Bahre, auf der der Tote lag, und gab ihn lebend seiner Mutter zurück.

Von der Prüfung verletzte Seelen, vom Zweifel oder vielleicht von der Reue geplagte Gewissen, von Tod oder Verrat gequälte Seelen – ihr alle, die ihr leidet, glaubt ihr etwa, Jesus habe kein Mitleid mit eurem Schmerz?... Das hieße, seine ungeheuer große Liebe verkennen! Er kennt euer Elend; er sieht es; sein Herz erbarmt sich euer. Euch gilt heute sein Ruf des Mitleids; für euch wiederholt er seine an die Mutter der Stadt Naim gerichteten Worte: „Weine nicht mehr, ich bin die Ergebenheit, ich bin der Friede, ich bin die Auferstehung und das Leben!“

Dieses Vertrauen, das uns die göttliche Güte wie selbstverständlich einflößen sollte, verlangt der Herr ausdrücklich von uns. Er macht es zur wesentlichen Bedingung seiner Wohltaten. Wir sehen ihn im Evangelium formelle Vertrauensbezeigungen verlangen, bevor er bestimmte Wunder wirkt.

Warum erweist er, der sonst so liebevoll ist, sich scheinbar so hart gegenüber der Kananäerin, die ihn um die Heilung ihrer Tochter anfleht? Er weist sie mehrmals zurück; sie aber läßt sich nicht entmutigen. Sie fleht nur noch inständiger; nichts vermag ihr unerschütterliches Vertrauen zu verringern. Gerade das aber wollte Jesus: Frau, groß ist dein Glaube“, bemerkt er mit freudiger Bewunderung, um dann hinzuzufügen: Es geschehe dir, wie du verlangst.“ 11

Fiat tibi sicut vis.“ Das Vertrauen führt zur Verwirklichung unserer Wünsche: Der Herr selbst behauptet dies.

Wie befremdlich ist doch die Verwirrung der menschlichen Vernunft! Wir glauben an die Wunder des Evangeliums, denn schließlich sind wir überzeugte Katholiken. Wir glauben, daß Christus nichts von seiner Macht eingebüßt hat, nachdem er in den Himmel aufgestiegen ist. Wir glauben an seine Güte, die er sein ganzes Leben lang bezeugt hat ... Und trotzdem sind wir nicht fähig, uns dem Vertrauen auf hin hinzugeben!

Wie schlecht kennen wir das Herz Jesu! Wir bestehen darauf, es nach unseren schwachen Herzen zu beurteilen. Im Grunde sieht es so aus, als wollten wir seine Unermeßlichkeit auf unsere kleinlichen Ausmaße reduzieren. Es fällt uns schwer, dieses unglaubliche Erbarmen mit den Sündern zuzugeben, weil wir selbst nachtragend und langsam im Verzeihen sind. Wir vergleichen seine unendliche Zärtlichkeit mit unserer armseligen Zuneigung ... wir verstehen nichts von dem verzehrenden Feuer, das sein Herz in ungeheure Liebesglut verwandelte, von dieser heiligen Leidenschaft für die Menschen, die ihn völlig ergriffen hat, von dieser unendlichen Nächstenliebe, die ihn von der Demütigung der Krippe zum Opfer auf Golgotha führte.

Leider können wir nicht mit dem Apostel Johannes in der Fülle unseres Glaubens sagen: „Wir glauben, Herr, an deine Liebe!“ – Credidimus caritati.“ 12

Göttlicher Meister, in Zukunft wollen wir uns ganz deiner liebevollen Leitung überlassen. Dir vertrauen wir die Sorge um unsere materielle Zukunft an. Nicht wissend, was uns diese von Bedrohungen überschattete Zukunft bringen wird, geben wir uns in die Hände deiner Vorsehung.

Deinem Herzen vertrauen wir unseren Kummer an. Oft bereitet er uns große Qual. Aber du stehst uns bei und linderst ihn.

Deiner Barmherzigkeit überantworten wir unsere sittlichen Schwächen. Die menschliche Schwachheit läßt uns alle Ohnmacht befürchten. Du aber, Herr, wirst uns stützen und uns vor schwerem Fall bewahren.

Wie dein Lieblingsjünger, der sein Haupt an deine Brust legte, so wollen wir an deinem göttlichen Herzen ruhen und nach dem Wort des Psalmisten werden wir dort in süßem Frieden schlummern, denn wir werden durch dich, o Jesus, von einem unabänderlichen Vertrauen getragen werden.

 




9 Misereor super turbam. Markus, VIII, 2.



10 Noli flere. Lukas, VII, 13.



11 O mulier, magna est fides tua. Fiat tibi sicut vis. Matthäus, XV, 28.



12 Johannes, IV, 16.






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