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„Verliert also eure
Zuversicht nicht“, schreibt der Apostel Paulus, „sie bringt einen reichen
Lohn.“ 3
Tatsächlich macht diese Tugend
Gott so große
Ehre, daß sie für die Seelen notwendigerweise außerordentliche Gnaden herabzieht.
Der Herr hat in der Heiligen
Schrift wiederholt erklärt, mit welch großzügiger Freigebigkeit er die vertrauensvollen Herzen
behandelt:
„Weil er mir anhängt,
errette ich ihn, beschütze ihn, da er um meinen Namen besorgt ist. Ruft er mich
an, so erhöre ich ihn, bin bei ihm in der Drangsal, ich befreie ihn und bring
ihn zur Geltung.“ 4
Welch
beruhigendes Versprechen im Munde dessen, der jedes unnötige Wort bestraft und
auch die geringste Übertreibung verurteilt!
Die
Wahrheit selbst bezeugt also, daß das Vertrauen alle Übel von uns fernhält.
„Fürwahr,
der Herr ist dein Schutz, den Höchsten machtest du zu deiner Wehr. So kann dir
kein Unheil begegnen, keine Plage sich nahen deinem Zelt. Ja, für dich gebietet
er seinen Engeln, dich zu schützen auf all deinen Pfaden. Auf den Händen tragen
sie dich, daß dein Fuß sich nicht stoße an Steinen. Über Vipern und Ottern schreitest du hin, kannst zertreten
Löwen und Drachen.“ 5
Von den Übeln,
vor denen uns das Vertrauen bewahrt, ist an erster Stelle die Sünde zu nennen.
Nichts entspräche übrigens mehr der Natur der Dinge. Die vertrauensvolle Seele
weiß um ihr Nichts wie um das aller
Geschöpfe. Gerade deshalb setzt sie weder auf sich selbst noch auf die
Menschen, sondern richtet ihre ganze Hoffnung allein auf Gott. Sie mißtraut dem
eigenen Elend und übt sich somit in der wahren Demut.
Nun wißt ihr aber, daß der Stolz die Quelle aller
unserer Fehler ist6 und der Anfang des Verderbens7. Der Herr
entfernt sich aus der Nähe des Hochmütigen, überläßt ihn seiner Schwachheit und
läßt ihn fallen. Der Fall des heiligen Petrus ist ein abschreckendes Beispiel
dafür.
Nach den
erbarmungsvollen Plänen der Weisheit läßt es Gott vielleicht zu, daß die
Prüfung die vertrauende Seele für eine gewisse Zeit heimsucht: Nichts wird sie
jedoch erschüttern; unbewegt und fest wie der Berg Sion8 wird sie bestehen bleiben. In ihrem Herzen wird
sie die Freude bewahren9 und trotz der heulenden
Stürme wie ein Kind in den Armen des Vaters schlummern10.
Sie wird ihren Weg glücklich vollenden, denn Gott rettet die, „die auf ihn
vertrauen“ 11.
Dies sind
jedoch rein negative Wohltaten.
Auch mit
positiven Wohltaten überhäuft Gott den Menschen, der auf ihn vertraut. Seht
nur, wie stimmungsvoll der Prophet diese Wahrheit zum Ausdruck bringt: „Gesegnet
der Mann, der auf den Herrn vertraut, seine Zuversicht ist der Herr. Er gleicht
dem Baum, am Wasser gepflanzt, der seine Wurzeln ausstreckt am Bach. Er
fürchtet sich nicht, wenn die Hitze kommt, sein Laubwerk erhält sich grün, auch
in dürren Jahren wird ihm nicht bang, und unaufhörlich trägt er Früchte.“ 12
Um den
strahlenden Frieden dieses Bildes durch einen eindrucksvollen Kontrast
hervorzuheben, betrachtet nun das bedauernswerte Schicksal jenes Menschen, der
sich auf die Geschöpfe verläßt: „Verflucht der Mann, der auf Menschen und
auf Fleisch vertraut und dessen Gesinnung vom Herrn abweicht! Er ist dem
Wacholder in der Steppe gleich, nimmer erlebt er das Glück, er wohnet im dürren
Wüstenland, auf salzigem, unbewohnbarem Boden.“
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