Index | Wörter: alphabetisch - Frequenz - rückläufig - Länge - Statistik | Hilfe | IntraText-Bibliothek
P. Thomas de Saint Laurent
Das Buch vom Vertrauen

IntraText CT - Text

  • III
zurück - vor

Hier klicken um die Links zu den Konkordanzen auszublenden

III

Schließlich wird das Vertrauen – und dies ist einer seiner größten Vorzügestets erhört. Man kann es gar nicht genug wiederholen: Der vertrauensvollen Bitte wird alles gewährt.

Die Heilige Schrift empfiehlt uns mit aller Eindringlichkeit, unseren Glauben wiederzubeleben, bevor wir Gott unsere Bitten vortragen. „Alles, was ihr glaubensvoll im Gebet erfleht, werdet ihr empfangen,“ 14 erklärt der Meister. Der Apostel Jakobus drückt sich ähnlich aus; wir sollen „im Glauben bitten, ohne zu zweifeln“. Denn wer zweifelt, gleicht der unsteten Meereswelle; unter diesen Umständen braucht man nicht auf Erhörung zu hoffen. 15

Um welchen Glauben geht es aber in den zitierten Texten? Es ist nicht der gewöhnliche Glaube, den die Taufe in unsere Seele gießt; es geht hier um ein besonderes Vertrauen, das uns unter gegebenen Umständen fest auf das Eingreifen der Vorsehung hoffen läßt. Der Herr spricht ausdrücklich davon im Evangelium: „Bei allem, um was ihr betet und fleht, glaubet, daß ihr empfangt, und es wird euch geschehen.“ 16 Besser konnte der Meister das Vertrauen gar nicht beschreiben.

Nun können wir zwar einen lebendigen Glauben haben und dennoch daran zweifeln, daß Gott die eine oder andere unserer Bitten wohlwollend aufnimmt. Sind wir uns denn sicher, daß zum Beispiel der Gegenstand unseres Wünschens auch wirklich dem wahren Gut unseres Lebens nützt? Wir zweifeln also. Und schon dieses geringe Zögern mindert nach Meinung eines Theologen die Wirksamkeit des Gebets. 17

Dann gibt es wieder Gelegenheiten, in denen unsere innigste Gewißheit so stark ist, daß jeder Zweifel und jedes Zögern völlig unmöglich erscheint. Wir sind uns so sicher, daß wir Erhörung finden, daß wir die erflehte Gnade bereits in Händen zu halten meinen. „Mit Rücksicht auf ein so vollkommenes Vertrauen“, schreibt P. Pesch, „gewährt uns Gott Gnaden, die wir anders nicht erhalten hätten.“ Entweder brauchten wir das Gut, um das wir ihn baten, in Wirklichkeit gar nicht, oder das Gut entsprach nicht genau den Voraussetzungen die nötig sind, damit Gott sich wegen seines Versprechens verpflichtet fühlt, es uns zu gewähren. 18

Meistens ist diese innige Gewißheit im Übrigen das Werk der Gnade in uns.

„Daher“, schließt der angeführte Verfasser, „ist dieses einzigartige Vertrauen, daß wir diese oder jene Gnade erhalten werden, schon eine Art besonderes Versprechen Gottes, uns diese auch wirklich zu gewähren.“ 19

Ein Wort des heiligen Thomas von Aquin soll diese kurze Abschweifung zusammenfassen: „Das Gebet“, schreibt der Doctor Angelicus, „gewinnt sein Verdienst aus der Liebe; seine erwirkende Kraft aber entspringt dem Glauben und dem Vertrauen.“ 20

 




14 Quaecumque petieritis in oratione credentes, accipietis. Matthäus, XXI, 22.



15 Postulet autem in fide, nihil haesitans. Qui enim haesitat, similis est fluctui maris, qui a vento movetur et circumfertur. Non ergo aestimet homo ille, quod accipiat aliquid a Domino. Jakobus, I, 6-7.



16 Omnia quaecumque orantes petitis, credite quia accipietis, et evenient vobis. Markus, XI, 24.



17 Haec haesitatio non quiddam tollit, set minuit efficaciam orationis. Christianus Pesch: Praelectiones dogmaticae, Bd. IX, S. 166.



18 Ob hanc perfectionem fiduciae interdum dat Deus bonum, quod alias non daret, quia non erat iter necessarium, vel non habebat alias conditiones, propter quae ex vi solius promissionis illus dare teneretur. Pesch, a. a. O.



19 Itaque in singularis fiducia impetrandi aliquam particularem rem desideratam est quasi promissio specialis dei circa hanc rem. Pesch, a. a. O.



20 Oratio efficaciam merendi habet a charitate, at vero efficaciam impetrandi a fide et fiducia. St. Thomas, Quaest. LXXXIII, art. 15. ad. 3.






zurück - vor

Index | Wörter: alphabetisch - Frequenz - rückläufig - Länge - Statistik | Hilfe | IntraText-Bibliothek

Best viewed with any browser at 800x600 or 768x1024 on Tablet PC
IntraText® (V89) - Some rights reserved by EuloTech SRL - 1996-2007. Content in this page is licensed under a Creative Commons License