|
Schließlich wird das Vertrauen – und dies ist einer
seiner größten Vorzüge – stets
erhört. Man kann es gar nicht genug wiederholen: Der vertrauensvollen Bitte
wird alles gewährt.
Die
Heilige Schrift empfiehlt uns mit aller Eindringlichkeit, unseren Glauben
wiederzubeleben, bevor wir Gott unsere Bitten vortragen. „Alles, was ihr
glaubensvoll im Gebet erfleht, werdet ihr empfangen,“
14 erklärt der Meister. Der Apostel Jakobus drückt sich ähnlich
aus; wir sollen „im Glauben bitten, ohne zu zweifeln“. Denn wer
zweifelt, gleicht der unsteten Meereswelle; unter diesen Umständen braucht man
nicht auf Erhörung zu hoffen. 15
Um
welchen Glauben geht es aber in den zitierten Texten? Es ist nicht der
gewöhnliche Glaube, den die Taufe in unsere Seele gießt; es geht hier um ein besonderes Vertrauen, das
uns unter gegebenen Umständen fest auf das Eingreifen der Vorsehung hoffen
läßt. Der Herr spricht ausdrücklich davon im Evangelium: „Bei allem, um was
ihr betet und fleht, glaubet, daß ihr empfangt, und es wird euch geschehen.“ 16 Besser konnte der Meister das Vertrauen gar
nicht beschreiben.
Nun
können wir zwar einen lebendigen Glauben haben und dennoch daran zweifeln, daß
Gott die eine oder andere unserer Bitten wohlwollend aufnimmt. Sind wir uns
denn sicher, daß zum Beispiel der Gegenstand unseres Wünschens auch wirklich
dem wahren Gut unseres Lebens nützt? Wir zweifeln also. Und schon dieses
geringe Zögern mindert nach Meinung eines Theologen die Wirksamkeit des Gebets. 17
Dann gibt
es wieder Gelegenheiten, in denen unsere innigste Gewißheit so stark ist, daß
jeder Zweifel und jedes Zögern völlig unmöglich erscheint. Wir sind uns so
sicher, daß wir Erhörung finden, daß wir die erflehte Gnade bereits in Händen
zu halten meinen. „Mit Rücksicht auf ein so vollkommenes Vertrauen“, schreibt
P. Pesch, „gewährt uns Gott Gnaden, die wir anders nicht erhalten hätten.“
Entweder brauchten wir das Gut, um das wir ihn baten, in Wirklichkeit gar
nicht, oder das Gut entsprach nicht genau den Voraussetzungen die nötig sind,
damit Gott sich wegen seines Versprechens verpflichtet fühlt, es uns zu
gewähren. 18
Meistens ist diese innige Gewißheit im Übrigen das
Werk der Gnade in uns.
„Daher“,
schließt der angeführte Verfasser, „ist dieses
einzigartige Vertrauen, daß wir diese oder jene Gnade erhalten werden, schon eine
Art besonderes Versprechen Gottes, uns diese auch wirklich zu gewähren.“ 19
Ein Wort
des heiligen Thomas von Aquin soll diese kurze Abschweifung zusammenfassen:
„Das Gebet“, schreibt der Doctor Angelicus, „gewinnt sein Verdienst aus der
Liebe; seine erwirkende Kraft aber entspringt dem Glauben und dem Vertrauen.“ 20
|