Index | Wörter: alphabetisch - Frequenz - rückläufig - Länge - Statistik | Hilfe | IntraText-Bibliothek
P. Thomas de Saint Laurent
Das Buch vom Vertrauen

IntraText CT - Text

  • I
zurück - vor

Hier klicken um die Links zu den Konkordanzen anzuzeigen

I

 

Mit der seinem genialen Wesenszug eigenen Knappheit definiert der heilige Thomas von Aquin das Vertrauen folgendermaßen: „Eine von fester Überzeugung gestärkte Hoffnung“ 1. Es ist dies ein tiefgehendes Wort, das wir im vorliegenden Kapitel nur zu kommentieren brauchen.

 Wägen wir einmal aufmerksam die von dem „Engelgleichen Lehrer“ verwendeten Begriffe ab: „Das Vertrauen“, sagt er, „ist eine Hoffnung“. Aber nicht eine gewöhnliche Hoffnung, wie sie allen Gläubigen gemein ist; ein ganz bestimmtes Kennzeichen hebt sie ab: Es ist eine „gestärkte Hoffnung“. Bemerkenswert ist jedoch, daß der Unterschied nicht in der Natur liegt, sondern nur im Grad ihrer Intensität.

So wie zum Tag sowohl das unsichere Aufscheinen der Morgendämmerung als auch der Sonnenglanz des Mittags gehört, sind Vertrauen und Hoffnung Teil derselben Tugend, nur daß eben das eine das völlige Erblühen des anderen ist.

Die gewöhnliche Hoffnung verliert sich in der Verzweiflung; aber eine gewisse Unruhe erträgt sie durchaus ... Wenn sie jedoch die Vollkommenheit erreicht, die ihren Namen in „Vertrauen“ verwandelt, wird sie empfindlicher. Sie duldet nun kein Zögern mehr, mag es auch noch so klein sein. Der geringste Zweifel würde sie erniedrigen und auf die Ebene einfacher Hoffnung zurückwerfen.

Der königliche Seher wählte seine Worte sehr genau, als er das Vertrauen eine „Überhoffnung“ 2 nannte. Tatsächlich handelt es sich hier um eine auf den Höhepunkt ihrer Intensität gebrachte Tugend.

Und Saint-Jure, einer der meistbeachteten geistlichen Autoren des 17. Jahrhunderts sah in ihr geradezu eine „außerordentliche, heldenhafte“ 3  Hoffnung.

So ist also das Vertrauen keineswegs eine Alltagsblume. Sie wächst auf Bergeshöhen und wird nur von den Großmütigsten gepflückt.

 




1 Est enim fiducia spes roborata ex aliqua firma opinione. Hl. Thomas, IIa. Iiae., q. 129, art. 6, ad 3.



2 In verba tua supersperavi. Psalmen, CXVIII.



3 Saint-Jure: De la connaissance et de l’amour de J. C., Bd. III, S. 3.






zurück - vor

Index | Wörter: alphabetisch - Frequenz - rückläufig - Länge - Statistik | Hilfe | IntraText-Bibliothek

Best viewed with any browser at 800x600 or 768x1024 on Tablet PC
IntraText® (V89) - Some rights reserved by EuloTech SRL - 1996-2007. Content in this page is licensed under a Creative Commons License