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| P. Thomas de Saint Laurent Das Buch vom Vertrauen IntraText CT - Text |
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IIIVielleicht haben die vorausgegangenen Überlegungen einen zu abstrakten Eindruck hinterlassen. Dennoch war es notwendig, auf ihnen zu bestehen, denn von ihnen leiten wir die Merkmale des wirklichen Vertrauens ab. Das Vertrauen, schreibt Saint-Jure, ist „in einem so hohen Grad fest, beständig und gleichbleibend, daß nichts auf der Welt es niederreißen, ja nicht einmal erschüttern kann“ 6. Stellt euch die beängstigendsten, schlimmsten Fälle des irdischen Daseins vor; scheinbar unüberwindliche Schwierigkeiten im geistlichen Leben: Nichts davon wird den Frieden der zuversichtlichen Seele ändern ... Unvorhersehbare Katastrophen können die Ruinen ihres Glücks um sie herum anhäufen; beherrschter als der Weise des Altertums wird diese Seele die Ruhe bewahren: „Impavidum ferient ruinae“ 7. Sie wird sich schlicht und einfach dem Herrn zuwenden und sich mit um so mehr Sicherheit auf ihn stützen, als sie sich von der menschlichen Hilfe verlassen fühlt. Mit noch größerer Inbrunst wird sie beten und im Dunkel der Heimsuchung ihren Weg weitergehen, um in der Stille die Stunde Gottes abzuwarten. Ein solches Vertrauen ist selbstverständlich selten anzutreffen; wenn es aber nicht dieses Minimum an Vollkommenheit erreicht, verdient es nicht den Namen Vertrauen. In der Heiligen Schrift und im Leben der Heiligen finden wir übrigens erhabene Beispiele dieser Tugend. Ohne Hab und Gut, ohne Familie und am eigenen Körper leidend, lag Job in seinem kläglichsten Elend da, während ihm seine Freunde und sogar seine Frau den Schmerz mit ihren grausamen Reden nur noch erhöhten. Er aber ließ sich nicht zur Verzweiflung bringen; kein Murren mischte sich unter sein Stöhnen. Gedanken des Glaubens hielten ihn aufrecht. „Mag er mich töten, ich harre seiner! 8 ließ er von sich vernehmen. Ein bewundernswertes Vertrauen, das Gott herrlich belohnt hat. Die Prüfung ging vorüber: Job wurde wieder gesund, gewann erneut ein großes Vermögen und führte schließlich ein wohlhabenderes Leben als zuvor. Auf einer seiner Reisen fiel der heilige Martin einmal Räubern in die Hände. Die Banditen beraubten ihn aller Habe und waren im Begriff, ihn zu erschlagen, als sie plötzlich von der Gnade der Reue getroffen oder von einem geheimnisvollen Entsetzen ergriffen wurden und ihn gegen alle Erwartungen frei ließen. Später fragte man den berühmten Bischof, ob er in dieser gefährlichen Lage denn keinerlei Furcht verspürt habe. „Nein“, antwortete er darauf, „denn ich wußte, daß das Eingreifen Gottes umso gewisser als menschliche Hilfe unwahrscheinlicher war.“ Die meisten Christen ahmen leider diese Beispiele leider nicht nach. Gerade in der Zeit der Prüfung sind sie am weitesten von Gott entfernt. Viele stoßen den Ruf um Hilfe nicht aus, den Gott von ihnen erwartet, um ihnen zu Hilfe zu eilen. Verhängnisvolle Nachlässigkeit! – „Die göttliche Vorsehung“, pflegte Ludwig von Granada zu sagen, „will die außerordentlichen Schwierigkeiten unseres Lebens selbst lösen, während sie den Nebenursachen die Lösung der gewöhnlichen Schwierigkeiten überlässt“ 9. Doch muß man um Gottes Hilfe bitten. Er gibt sie uns gern. „Das Kind ist der Amme, deren Milch es saugt, keineswegs lästig, im Gegenteil, es bringt ihr Erleichterung.“ 10 Es gibt auch Christen, die in schweren Stunden zwar mit Inbrunst beten, aber nicht mit Beständigkeit. Wenn sie nicht sofort Erhörung finden, fallen sie aus einer überspannten Hoffnung in eine sinnlose Niedergeschlagenheit. Sie verkennen die Wege der Gnade. Gott behandelt uns wie Kinder: Manchmal stellt er sich taub, nur weil es ihm Vergnügen bereitet, von uns angerufen zu werden ... Warum so schnell den Mut verlieren, wenn es im Gegenteil nur darauf ankommt, mit mehr Nachdruck zu bitten? ... So lehrt uns der heilige Franz von Sales: „Die göttliche Vorsehung schiebt die Hilfe hinaus, um unser Vertrauen herauszufordern. „Wenn unser himmlischer Vater uns nicht immer das gibt, worum wir ihn bitten, dann geschieht dies, um uns bei sich zu behalten und uns Gelegenheit zu geben, mit liebevoller Gewalt auf unserer Bitte zu bestehen, wie er es den zwei Jüngern von Emmaus deutlich gemacht hat, bei denen er erst am Abend blieb, und zwar erst nachdem sie ihn dazu zwangen“ 11.
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6 Saint-Jure: De la connaissance et de l’amour de J. C., Bd. III, S. 3. 7 Horaz, 3. Ode des III. Buches. 8 Etiamsi occiderit me, in ipso sperabo. Job, XIII, 15. 9 Ludwig von Granada: Erste Predigt zum 2. Sonntag nach Epiphanie. 10 Ders. 11 Kleine Bolandisten, Bd. XIV, S. 542. |
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