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P. Thomas de Saint Laurent
Das Buch vom Vertrauen

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V

Das Vertrauen, wie wir es bisher beschrieben haben, entbindet uns nicht vom Gebet. Es ist nicht genug, in den zeitlichen Bedürfnissen, auf die Hilfe Gottes zu warten; man muß auch um sie bitten.

Jesus Christus hat uns im Vater unser das vollkommene Beispiel des Gebets hinterlassen; unter anderem läßt er uns dort um das „tägliche Brot“ bitten: „Panem nostrum quotidianum da nobis hodie.“

Sind wir oft nicht doch sehr nachlässig, wenn es um die Pflicht des Gebets geht? Was für eine Unklugheit und Verrücktheit! ... Aus Leichtsinn berauben wir uns so des einzigen unumschränkt wirksamen, göttlichen Schutzes. Die Legende behauptet, daß die Kapuziner nie verhungern, weil sie stets in frommer Andacht das Vater unser beten.

Ahmen wir sie nach, und der Höchste wird uns nie das Nötigste fehlen lassen.

Bitten wir also um das tägliche Brot!

Der Glaube und die Liebe zu uns selbst legen uns diese Pflicht auf.

Können wir aber unsere Ansprüche erhöhen und auch um Reichtum bitten? Nichts spricht dagegen, vorausgesetzt, daß die Bitte auf übernatürlichen Beweggründen beruht und wir uns völlig dem Willen Gottes unterwerfen. Der Herr verbietet es nicht, unseren Wünschen Ausdruck zu verleihen, im Gegenteil, er möchte, daß wir uns ihm gegenüber wirklich kindlich verhalten. Wir dürfen natürlich nicht erwarten, daß er sich unseren Phantasien beugt; die göttliche Güte selbst widersetzt sich diesem Ansinnen. Gott weiß, was für uns am besten ist. Er wird uns nur dann die Güter dieser Erde bewilligen, wenn diese unserer Heiligung dienen können.

Überlassen wir uns vollkommen der göttlichen Vorsehung und sprechen wir die Bitte des Weisen nach: „Weder Armut noch Reichtum sollst du mir geben. Schenk nur an Brot, soviel mir Not tut! Damit ich, reich gesättigt, nicht zum Leugner werde und „Wer ist denn der Herr?“ im Herzen sage; damit ich in der Armut nicht zum Dieb werde und meines Gottes Namen anzugreifen wage.“ 8

 




8 Mendicitatem et divitias ne dederis mihi: tribue tantum victui meo necessaria: ne forte satiatus illiciar ad negandum, et dicam: Quis est Dominus? aut egestate compulsus fuer, et perjurem nomen Dei mei. Sprüche, XXX, 8 u. 9.






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