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P. Thomas de Saint Laurent
Das Buch vom Vertrauen

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  • II
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II

 

Das menschgewordene Wort, das sich für uns dahingegeben hat, verfügt über eine Macht ohne Grenzen.

Im Evangelium erscheint es als der höchste Herr der Erde, der Dämonen und des übernatürlichen Lebens; alles ist seiner unumschränkten Herrschaft unterworfen.

In dieser Macht des Heilands liegt noch ein weiterer, äußerst sicherer Anlaß zum Vertrauen. Nichts kann den Herrn daran hindern, uns zu Hilfe zu kommen und uns zu schützen.

Jesus beherrscht auch die Kräfte der Natur.

Gleich zu Beginn seines apostolischen Wirkens finden wir ihn auf der Hochzeit zu Kana. Während des Festmahls geht der Vorrat an Wein zu Ende. Was für eine Schande für die armen Leute, die den Meister mit seiner Mutter und seinen Jüngern eingeladen hatten! Die Jungfrau Maria bemerkt sofort das Mißgeschick; sie ist immer die Erste, die unsere Bedürfnisse erkennt und Abhilfe schafft. Sie wirft ihrem Sohn einen bittenden Blick zu, flüstert ihm eine kurze Bitte ins Ohr. Sie kennt sehr wohl seine Macht und seine Liebe. Und Jesus, der ihr nichts abschlagen kann, verwandelt Wasser in Wein. ... Es war dies sein erstes Wunder.

Ein andermal überquert der Meister gegen Abend in einem Boot mit seinen Jüngern den See Genesareth, um der Menge zu entgehen, die auf ihn eindringt. Während der Überfahrt erhebt sich ein starker Sturm, Wogen türmen sich auf und stürzen furchterregend auf sie nieder. Das Oberdeck wird überflutet, das Boot droht zu sinken. Ermüdet schläft derweil der Meister im Heck, das göttliche Haupt auf Tauwerk gebettet. Entsetzt wecken ihn die Jünger, indem sie rufen: „Herr, hilf, wir gehen zugrunde!“ 6 Da steht der Heiland auf, gebietet dem Wind und sagt zu dem stürmischen See: Stille, beruhige dich! Im gleichen Augenblick kehrt Ruhe ein. ... Die Zeugen dieses Geschehens fragen sich voller Staunen: „Wer ist dieser, daß ihm selbst die Winde und der See gehorchen?“

Jesus heilt die Kranken.

Viele Blinde tasteten sich bis in seine Nähe und klagen ihm ihr Leid: „Sohn Davids, erbarme dich unser!“ 7 Der Meister berührt ihre Augen und diese göttliche Berührung öffnet ihnen die Augen für das Licht.

Sie bringen einen Taubstummen zu ihm und bitten ihn, er möge ihm die Hände auflegen. Der Heiland erhört ihren Wunsch, und der Mann beginnt zu sprechen und seine Ohren öffnen sich.

Einmal begegnet er auf dem Weg zehn Aussätzigen. Aussätzige gelten als aus der menschlichen Gesellschaft ausgestoßen; sie werden abgewiesen, wegen der Furcht vor Ansteckung meidet man sie, alle rücken entsetzt von ihrer Fäulnis ab... So wagen es auch die zehn Aussätzigen nicht in die Nähe des Herrn ... Sie halten Abstand. Indem sie aber ihre wenigen Kräfte zusammennehmen, die das Leiden ihnen gelassen hat, rufen sie von weitem: „Herr, habe Erbarmen mit uns!“ Jesus, der dereinst am Kreuz selbst der große Aussätzige und in der Eucharistie der große Verlassene sein sollte, zeigt sich ergriffen von ihrem Elend: „Geht und zeigt euch den Priestern!“, sagt er zu ihnen.

Und während die Unglückseligen dahingehen, um den Befehl des Meisters auszuführen ... spüren sie, daß sie geheilt sind.

Jesus erweckt die Toten.

Insgesamt ruft er drei Tote ins Leben zurück. Und das erstaunlichste aller Wunder ist seine eigene Auferstehung am Morgen des dritten Tages nach dem schmachvollen Tod auf Golgotha und seiner Grablegung.

Ebenso wird er auch uns am Ende der Zeiten wiedererwecken.

Die Menschen, die wir geliebt haben, unsere Verstorbenen, wird er uns dereinst zwar in verwandelter, aber dennoch ähnlicher Gestalt zurückgeben und so unsere Tränen für alle Ewigkeit trocknen. Dann wird es kein Weinen mehr geben, keine Trennung, keine Trauer, denn die Zeit unseres Elends wird zu Ende sein.

Jesus beherrscht die Hölle.

Während der drei Jahre seines öffentlichen Wirkens trifft Jesus wiederholt auf Besessene. Mit seiner überlegenen Autorität richtet er sich an die Dämonen, befiehlt ihnen gebieterisch, und die Dämonen beugen sich seiner Stimme, indem sie seine Gottheit anerkennen ...

Jesus ist der Herr des übernatürlichen Lebens.

Er erweckt tote Seelen zum Leben und gibt ihnen die verlorene Gnade zurück. Und um zu beweisen, daß er tatsächlich diese göttliche Kraft besitzt, heilt er einen Gelähmten.

„Was ist wohl leichter“, fragte er die ihn umgebenden Schriftgelehrten, „zu dem Gelähmten zu sagen: Deine Sünden sind dir vergeben, oder zu sagen: Steh auf, nimm dein Bett und geh umher? Ihr sollt aber wissen, daß der Menschensohn Macht hat, Sünden zu vergeben auf Erden`. Und er sprach zu dem Gelähmten: ´Ich sage dir: Steh auf, nimm dein Bett und geh nach Hause!`“ 8

Es wäre also angebracht, längere Zeit über die staunenswerte Macht Jesu nachzudenken. Wenn es darum geht, diese Macht in unseren Dienst zu stellen, zögert der Meister nie.

 




6 Domine, salva nos, perimus. Mathhäus, VIII, 25.



7 Miserere nostri, fili David. Matthäus, IX, 26.



8 Quid est facilius dicere paralytico: dimittuntur tibi peccata, an dicere: Surge, tolle grabatum tuum, et ambula? Ut autem sciatis quia Filius hominis habet potestatem in terra dimittendi peccata (ait paralytico): Tibi dico, surge, tolle grabatum tuum et vade in domum tuam. Markus, II, 9-11.






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