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P. Thomas de Saint Laurent
Das Buch vom Vertrauen

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  • II
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II

 

„Verliert also eure Zuversicht nicht“, schreibt der Apostel Paulus, „sie bringt einen reichen Lohn.“ 3

Tatsächlich macht diese Tugend Gott so große Ehre, daß sie für die Seelen notwendigerweise außerordentliche Gnaden herabzieht.

Der Herr hat in der Heiligen Schrift wiederholt erklärt, mit welch großzügiger Freigebigkeit er die vertrauensvollen Herzen behandelt:

„Weil er mir anhängt, errette ich ihn, beschütze ihn, da er um meinen Namen besorgt ist. Ruft er mich an, so erhöre ich ihn, bin bei ihm in der Drangsal, ich befreie ihn und bring ihn zur Geltung.“ 4

Welch beruhigendes Versprechen im Munde dessen, der jedes unnötige Wort bestraft und auch die geringste Übertreibung verurteilt!

Die Wahrheit selbst bezeugt also, daß das Vertrauen alle Übel von uns fernhält.

„Fürwahr, der Herr ist dein Schutz, den Höchsten machtest du zu deiner Wehr. So kann dir kein Unheil begegnen, keine Plage sich nahen deinem Zelt. Ja, für dich gebietet er seinen Engeln, dich zu schützen auf all deinen Pfaden. Auf den Händen tragen sie dich, daß dein Fuß sich nicht stoße an Steinen. Über Vipern und Ottern schreitest du hin, kannst zertreten Löwen und Drachen.“ 5

Von den Übeln, vor denen uns das Vertrauen bewahrt, ist an erster Stelle die Sünde zu nennen. Nichts entspräche übrigens mehr der Natur der Dinge. Die vertrauensvolle Seele weiß um ihr Nichts wie um das aller Geschöpfe. Gerade deshalb setzt sie weder auf sich selbst noch auf die Menschen, sondern richtet ihre ganze Hoffnung allein auf Gott. Sie mißtraut dem eigenen Elend und übt sich somit in der wahren Demut.

Nun wißt ihr aber, daß der Stolz die Quelle aller unserer Fehler ist6 und der Anfang des Verderbens7. Der Herr entfernt sich aus der Nähe des Hochmütigen, überläßt ihn seiner Schwachheit und läßt ihn fallen. Der Fall des heiligen Petrus ist ein abschreckendes Beispiel dafür.

Nach den erbarmungsvollen Plänen der Weisheit läßt es Gott vielleicht zu, daß die Prüfung die vertrauende Seele für eine gewisse Zeit heimsucht: Nichts wird sie jedoch erschüttern; unbewegt und fest wie der Berg Sion8 wird sie bestehen bleiben. In ihrem Herzen wird sie die Freude bewahren9 und trotz der heulenden Stürme wie ein Kind in den Armen des Vaters schlummern10. Sie wird ihren Weg glücklich vollenden, denn Gott rettet die, „die auf ihn vertrauen“ 11.

Dies sind jedoch rein negative Wohltaten.

Auch mit positiven Wohltaten überhäuft Gott den Menschen, der auf ihn vertraut. Seht nur, wie stimmungsvoll der Prophet diese Wahrheit zum Ausdruck bringt: „Gesegnet der Mann, der auf den Herrn vertraut, seine Zuversicht ist der Herr. Er gleicht dem Baum, am Wasser gepflanzt, der seine Wurzeln ausstreckt am Bach. Er fürchtet sich nicht, wenn die Hitze kommt, sein Laubwerk erhält sich grün, auch in dürren Jahren wird ihm nicht bang, und unaufhörlich trägt er Früchte.“ 12

Um den strahlenden Frieden dieses Bildes durch einen eindrucksvollen Kontrast hervorzuheben, betrachtet nun das bedauernswerte Schicksal jenes Menschen, der sich auf die Geschöpfe verläßt: „Verflucht der Mann, der auf Menschen und auf Fleisch vertraut und dessen Gesinnung vom Herrn abweicht! Er ist dem Wacholder in der Steppe gleich, nimmer erlebt er das Glück, er wohnet im dürren Wüstenland, auf salzigem, unbewohnbarem Boden.“ 13

 




3 Nolite amittere confidentiam vestram, quae magnam habet remunerationem. Hebräer, X, 35.



4 Quoniam in me speravit liberabo eum: protegam eum quoniam cognovit nomen meum. Clamabit ad me et ego exaudiam eum: cum ipso sum in tribulatione, eripiam eum et glorificabo eum. Psalmen, XC, 14-15.



5 Quoniam ... Altissimum posuisti refugium tuum, non accedet ad te malum et flagellum non appropinquabit tabernaculo tuo. Quoniam angelis suis mandavit de te, ne forte offendas ad lapidem pedem tuum. Super aspidem et basiliscum ambulabis, et conculcabis leonem et draconem. Psalmen, XC, 9-13.



6 Initium omnis peccati est superbia. Prediger, X, 15.



7 Ante ruinam exaltatur spiritus. Sprüche, XVI, 18.



8 Qui confidunt in Domino, sicut mons Sion. Psalmen, CXXIV, 1.



9 Dedisti laetitiam in corde meo. Psalmen, IV, 7.



10 In pace idipsum dormiam et requiescam, quoniam tu, Domine, singulariter in spe constituisti me. Pslamen, IV, 9-10.



11 Salvos facit sperantes in se. Psalmen, XVI, 7.



12 Benedictus vir qui confidit in Domino, et erit Dominus fiducia ejus. Et erit quasi lignum quod transplantatur super aquas, quod ad humorem mittit radices suas, et non timebit eum veneret destus. Et erit folium ejus viride, et tempore siccitatis non erit sollicitum, nec aliquando desinet facere fructum. Jeremias, XVII, 7-8.



13 Maledictus homo qui confidit  in homine, et ponit carnem brachium suum, et a Domino recedit cor ejus. Erit enim quasi myricae in deserto ... habitabit in siccitate in deserto, in terra salsuginis et inhabitabili. Jeremias, XVII, 5-6.






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