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ACHTFACHER PFAD
Was aber ist jener mittlere Pfad?
Es ist jener edle Achtfache Pfad, nämlich:
Das also, ihr Jünger, ist der
mittlere Pfad, den der Vollendete aufgefunden hat, der sehend und wissend macht
und zum Frieden, zur Durchschauung, Erleuchtung und zum Nirwahn führt.
M.139
Frei von Schmerzen und Qualen ist
dieser Pfad, frei von Verzweiflung und Bedrängnis, der rechte Pfad.
Da der Charakter des Edlen
Achtfachen Pfades häufig missverstanden wurde, sind hier einige erklärende
Worte angebracht.
Die bildhafte Bezeichnung
als ein "Pfad" oder "Weg" darf nicht dahin missverstanden
werden, daß man die einzelnen Stufen dieses Weges in der gegebenen Reihenfolge,
eine nach der anderen, zurückzulegen hat, wie es häufig dargestellt wird. Wenn
dem wirklich so wäre, dann müßte man als allererstes rechte Erkenntnis und
Wahrheitsdurchschauung verwirklicht haben, bevor man daran denken könnte,
rechte Gesinnung, rechte Rede usw. zu erreichen. In Wirklichkeit aber werden
die die Sittlichkeits-Gruppe (síla) bildenden Glieder (3—5) als erstes
zur Vollendung gebracht, dann die als Geistesschulung oder Sammlung (samádhi)
geltenden Glieder (6—8) und zu allerletzt die beiden ersten Glieder (1—2),
welche die Gruppe der Weisheit (paññá) bilden.
Ein anfängliches Mindestmaß
von rechter Erkenntnis muß freilich vorhanden sein, um überhaupt einen
wohlbegründeten Antrieb zum Beschreiten des Pfades zu geben; und es ist ferner
erforderlich, damit die anderen Pfadglieder, ihre eigentliche Funktion, wirksam
zur Befreiung zu verhelfen, erfüllen können. Aus diesem Grunde, und um die
Wichtigkeit dieses Faktors zu betonen, nimmt rechte Erkenntnis auf dem heiligen
Achtfachen Pfade die erste Stufe ein.
Doch dieses keimhafte
Verständnis muß sich erst ganz allmählich mit Hilfe der anderen Pfadglieder bis
zu jenem höchsten Hellblick (vipassaná) entwickeln, der die
unmittelbare Bedingung bildet zum Eintritt in die vier überweltlichen Stufen
oder Pfade der Heiligkeit und zur Verwirklichung des Nirwahns. Nur im Falle
dieses überweltlichen Hellblicks sind alle übrigen Glieder als bloße Symptome,
Begleiterscheinungen oder Äußerungen der Erkenntnis zu werten.
Rechte Erkenntnis bildet
somit Anfang und Ende der gesamten Buddha-Lehre.
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