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S.12.35
Wenn die Ansicht besteht, daß Leben und Leib identisch seien—oder Leben und
Leib etwas Verschiedenes seien, dann gibt es kein Heiliges Leben.
Diese beiden Extreme (Selbstvernichtungsansicht und Ewigkeitsansicht) hat
der Vollendete gemieden und die in der Mitte liegende Lehre verkündet:
BEDINGTE ENTSTEHUNG (paticca-samuppáda).
Durch Unwissenheit (avijja)
bedingt sind die Karmaformationen;
durch die Karmaformationen
(sankhára) das Bewußtsein (beginnend mit der Wiederempfängnis);
durch das Bewußtsein (viññána)
das Geistige und Körperliche;
durch das Geistige und
Körperliche (náma-rupa) die sechs Grundlagen (die fünf physischen
Sinnenorgane und Bewußtsein);
durch die sechs Grundlagen
(sal-áyatana) der Bewußtseinseindruck;
durch den
Bewußtseinseindruck: (phassa) das Gefühl;
durch das Gefühl (vedaná)
das Begehren;
durch das Begehren (tanhá)
das Anhaften;
durch das Anhaften (upádána)
der Werdeprozeß (der Karmaprozeß und der dadurch bewirkte Geburtsprozeß);
durch den Werdeprozeß (bhava;
hier: Karmaprozeß) die Wiedergeburt;
durch die Wiedergeburt (játi)
aber bedingt kommt es zu
Altern und Sterben (jará-marana),
Sorge, Jammer, Schmerz, Trübsal und Verzweiflung.
So kommt es zur Entstehung dieser ganzen Leidensfülle. Das nennt man die
Bedingte Entstehung.
In Vis. XIX heißt
es:
Da gibt es weder Gott noch
Brahma,
Der dieses Daseinsrad erschuf:
Nur leere Dinge ziehn vorüber,
Durch viele Ursachen bedingt.
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