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"Der Paticca-samuppáda lehrt die ausnahmslose Bedingtheit
und abhängige Natur aller der in Erscheinung tretenden mannigfachen
Daseinsphänomene, ja alles Geschehens überhaupt, sei es auf körperlichem oder
geistigem Gebiete. Er zeigt, daß die in den konventionellen Begriffen wie Person,
Individuum, Ich usw. zusammengefaßten geistigen und körperlichen Phänomene
keinen blinden Zufall der Natur darstellen, sondern daß eben jedes einzelne
Phänomen in diesem Daseinsprozesse ganz und gar abhängig ist von wieder anderen
Phänomenen als seinen Bedingungen, und daß daher mit Aufhebung der Bedingungen
der Wiedergeburt auch die Befreiung von aller Wiedergeburt und allem künftigen
Leiden erreicht ist. Dies aber ist, wie bereits angedeutet, der Kernpunkt und
das eigentliche, wirkliche Ziel der ganzen Lehre des Buddha: Befreiung von der
Runde der Wiedergeburten mit all ihrem Elend und Leiden. Auf diese Weise dient
die ,Bedingte Entstehung' als Erklärung der 2. und 3. edlen Wahrheit, indem sie
diese beiden Wahrheiten [A.III.61]
von Grund auf klarstellt und ihnen eine feste philosophische Form gibt."
(Nyanatiloka, Paticca-samuppada).
Zur besseren Übersicht diene die Übersichtstafel auf der folgenden Seite.
Der in der folgenden Übersichtstafel durch 1 und 2 angedeutete
Karmaprozeß ist identisch mit dem durch 8, 9 und 10 angedeuteten, ebenso der
durch 3—7 angedeutete Wiedergeburtsprozeß mit dem durch 11 und 12 angedeuteten.
In Vis. XVII heißt
es daher:
"Fünf Ursachen vergangen
sind,
Fünf Wirkungen man jetzt erlebt,
Fünf Ursachen man jetzt erzeugt,
Fünf Wirkungen zukünftig sind.«
Ausführliche Erklärungen der »Bedingten Entstehung" finden sich im
B.Wtb.: paticca-samuppada;
»Weg z.
Erl.", § 215—222; vor allem aber Vis. XVII.
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