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Gleichwie ein geschickter Rinderschlächter oder sein Gehilfe eine Kuh
schlachtet, auf den Markt bringt, Stück für Stück zerlegt und sich dann
hinsetzt: genau so betrachtet der Mönch diesen Körper.
In Vis. XIII. 2 wird dieses Gleichnis so erklärt: "Dem
Rinderschlächter, der die Kuh großzieht, sie zum Schlachthofe führt, anbindet,
hinstellt, schlachtet oder die geschlachtete Kuh betrachtet, kommt die
Vorstellung ,Kuh' solange nicht zum Schwinden, als er die Kuh nicht
aufgeschnitten und in Stücke zerlegt hat. Sobald er aber die Kuh zerlegt hat
und dort niedersitzt, schwindet ihm die Vorstellung, Kuh', und die Vorstellung
,Fleisch' tritt ein. Und nicht denkt er: ,Eine Kuh verkaufe ich' oder: ,Eine
Kuh kaufen diese'. Genau so auch waren in dem Mönche, früher als er noch ein
törichter Weltling war—sei's als Laie oder Hausloser—die Begriffe ,Wesen' oder
,Mann' oder ,Individuum' solange nicht geschwunden, bis er eben diesen Körper,
wie er geht und steht, nicht in seine Teile zerlegt und Element für Element betrachtet
hatte. Sobald er aber den Körper in seine Elemente zerlegt hatte, schwand ihm
die Vorstellung ,Wesen, und der Geist festigte sich in der Betrachtung der
Elemente.«
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