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LEICHENBETRACHTUNGEN
Ferner, als sähe der Mönch eine Leiche auf der Leichenstätte liegen, ein,
zwei oder drei Tage tot, aufgedunsen, verfärbt, mit Eiter bedeckt, schließt er
auf seinen eigenen Körper: ,Auch dieser Körper ist so beschaffen, wird so
werden, kann dem nicht entgehen'.
Ferner, als sähe der Mönch eine Leiche auf dem Leichenfelde liegen, wie sie
von Krähen, Habichten und Geiern zerfleischt, von Hunden und Schakalen
zerfressen und von vielerlei Gewürm zernagt wird, schließt er auf seinen
eigenen Körper: ,Auch dieser Körper ist so beschaffen, wird so werden, kann dem
nicht entgehen'.
Ferner, als sähe der Mönch eine Leiche auf dem Leichenfelde liegen, ein
Knochengerippe, noch mit Fleisch und Blut bedeckt, und von den Sehnen
zusammengehalten . . . ein Knochengerippe, fleischentblößt, mit Blut
beschmiert, von den Sehnen zusammengehalten. .. ein Knochengerippe ohne Fleisch
und Blut, von den Sehnen zusammengehalten . . . unverbundene Knochen, da und
dort verstreut, da ein Handknochen, da ein Fussknochen, da ein Schienbein, da ein
Schenkelknochen, da die Wirbelknochen, da der Schädel, gleichsam als sähe er
dies, schließt er auf seinen eigenen Körper: ,Auch dieser Körper ist so
beschaffen, wird so werden, kann dem nicht entgehen'.
Ferner, als sähe der Mönch eine Leiche auf dem Leichenfelde liegen, Gebeine,
weiß aussehend wie Muscheln . . . aufgeschichtete Knochen nach Verlauf von
Jahren . . . verweste und in Staub zerfallene Knochen, als sähe er dies,
schließt er auf seinen eigenen Körper: ,Auch dieser Körper ist so beschaffen, wird
so werden, kann dem nicht entgehen'.
So betrachtet er den eigenen Körper, betrachtet er den fremden Körper,
betrachtet er beiderlei Körper. Er betrachtet beim Körper das Entstehen, das
Vergehen, das Entstehen und Vergehen. ,Ein Körper ist da', diese Achtsamkeit
ist ihm gegenwärtig, soweit sie eben zur Erkenntnis und Klarheit dient; und
unabhängig lebt er, und an nichts in der Welt haftet er.
Auf diese Weise verweilt der Mönch in Betrachtung des Körpers.
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