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2. Betrachtung der Gefühle (vedanánupassaná)
D. 22
Wie aber verweilt der Mönch in der Betrachtung der Gefühle? Empfindet da der
Mönch ein angenehmes Gefühl, so weiß er: Ich empfinde ein angenehmes Gefühl';
empfindet er ein unangenehmes Gefühl, so weiß er: ‚Ich empfinde ein
unangenehmes Gefühl'; empfindet
er ein weder angenehmes noch unangenehmes Gefühl, so weiß er: Ich empfinde
ein weder angenehmes noch unangenehmes Gefühl'. Empfindet er ein sinnlich
angenehmes Gefühl, 'so weiß er: Ich empfinde ein sinnlich angenehmes Gefühl';
empfindet er ein übersinnlich angenehmes Gefühl, so weiß er: Ich empfinde ein
übersinnlich angenehmes Gefühl'; empfindet er ein sinnlich unangenehmes Gefühl,
so weiß er: Ich empfinde ein sinnlich unangenehmes Gefühl'; empfindet er ein
übersinnlich unangenehmes Gefühl, so weiß er: Ich empfinde ein übersinnlich
unangenehmes Gefühl'; empfindet er ein sinnlich weder angenehmes noch
unangenehmes Gefühl, so weiß er: 'Ich empfinde ein sinnlich weder angenehmes
noch unangenehmes Gefühl'; empfindet er ein übersinnlich weder angenehmes noch
unangenehmes Gefühl, so weiß er: ,Ich empfinde ein übersinnlich weder
angenehmes noch unangenehmes Gefühl'.
Nach dem Abhidhamma mögen bloß das körperliche und das geistige Gefühl angenehm
oder unangenehm sein während die mit Sehen, Hören, Riechen und Schmecken
verbundenen Gefühle stets indifferent sind.
So betrachtet der Mönch die eigenen Gefühle, betrachtet die fremden Gefühle,
betrachtet beiderlei Gefühle. Er betrachtet bei den Gefühlen das Entstehen, das
Vergehen, das Entstehen und Vergehen. ,Gefühle sind da', diese Achtsamkeit ist
in ihm gegenwärtig, soweit sie eben zur Erkenntnis und Klarheit dient; und
unabhängig lebt er, und an nichts in der Welt haftet er. So verweilt der Mönch
in der Betrachtung der Gefühle.
Der Jünger weiß genau, daß der Ausdruck, ‚Ich fühle' nur als konventionelle
Ausdrucksweise Geltung hat, im höchsten Sinne jedoch kein Wesen oder Individuum
da ist, das das Gefühl empfindet. (Komm.)
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