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SITTLICHKEIT (3.—5. Stufe) (síla)
Also ein hausloser Mönch geworden, erfüllt er die Lebensregeln der Mönche.
Er verwirft das Töten, steht ab vom Töten. Stock und Schwert verwerfend, ist er
von Zartgefühl und Liebe erfüllt; zu allen Wesen und Geschöpfen empfindet er
Güte und Wohlwollen. —Das Stehlen verwirft er, nicht Gegebenes eignet er sich
nicht an; nur das Gegebene nehmend, das Gegebene abwartend, bleibt er ehrlich
und lauter im Herzen. — Die Unkeuschheit verwirft er, von Unkeuschheit steht er
ab, keusch und entsagend lebt er, steht ab vom Geschlechtsverkehr, dem
gemeinen. — Er verwirft das Lügen, vom Lügen steht er ab. Die Wahrheit spricht
er, der Wahrheit ist er verbunden, der Wahrheit ist er getreu,
vertrauenswürdig, kein Betrüger der Welt. —Zwischenträgerei verwirft er, von
Zwischenträgerei steht er ab. Was er hier gehört hat, erzählt er dort nicht
wieder, um jene zu entzweien; und was er dort gehört hat, erzählt er hier nicht
wieder, um diese zu entzweien. So einigt er Entzweite, festigt Verbundene.
Eintracht liebt er, an Eintracht findet er Freude und Gefallen, Eintracht
fördernde Worte spricht er. — Rohe Rede verwirft er, von roher Rede steht er
ab. Worte, die frei sind von Bosheit, dem Ohre wohltuend, liebreich, zum Herzen
dringend, höflich, vielen lieb und angenehm, solche Worte spricht er. —
Törichtes Geschwätz verwirft er, von törichtem Geschwätz steht er ab. Zur
rechten Zeit spricht er, den Tatsachen und dem Sinne gemäß, spricht über die
Lehre und über die Zucht; seine Rede ist gehaltvoll, gelegentlich mit
Gleichnissen geschmückt, gemessen und zweckdienlich.
Er meidet die Zerstörung von Keim- und Pflanzenleben. Nur zu einer Tageszeit
(d. i. bis mittags) nimmt er Nahrung zu sich, und des Nachts bleibt er nüchtern
des unzeitigen Essens enthält er sich. Er meidet Tanz Gesang, Musik und den
Besuch von Schaustellungen, er verwirft Blumenkränze, Wohlgerüche, Salben,
sowie jederart Schmuck, Zierrat und Schönheitsmittel. Hohe und üppige Betten
benutzt er nicht. Vom Annehmen von Gold und Silber steht er ab. Rohes Getreide
und rohes Fleisch nimmt er nicht an. Frauen und Mädchen nimmt er nicht an. Er
besitzt keine Diener und Dienerinnen, keine Ziegen, Schafe, Hühner, Schweine, Elefanten,
Rinder oder Pferde, keinen Grund und Boden. Er übernimmt keine Aufträge, tut
keine Botendienste. Von Kauf und Verkauf hält er sich fern. Er hat nichts zu
schaffen mit falschem Maß, Metall und Gewicht. Die schiefen Wege der
Bestechung, Täuschung und Betrügerei vermeidet er. Stechen, Schlagen, Binden
Überfallen, Plündern und Vergewaltigen liegen ihm fern.
Er begnügt sich mit dem Gewande, das seinen Körper schützt, mit der
Almosenspeise, womit er sein Leben fristet. Wohin er auch immer zieht, damit eben
versehen geht er, genau so wie ein beschwingter Vogel stets seine Flügel mit
sich trägt.
Durch die Befolgung dieser edlen Sittensatzung empfindet er in seinem Innern
ein untadeliges Glück.
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