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| Philip Melancthon Ausburg Confession IntraText CT - Text |
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Der XXIV. Artikel. Von der Messe.
Man legt den Unsern mit Unrecht auf, dass sie die Messe sollen abgetan haben. Denn das ist oeffentlich, dass die Messe, ohne Ruhm zu reden, bei uns mit groesserer Andacht und Ernst gehalten wird denn bei den Widersachern. So werden auch die Leute mit hoechstem Fleiss zum oesternmal unterrichtet vom heiligen Sacrament, wozu es eingesetzt und wie es zu gebrachen sei, als naemlich die erschrockenen Gewissen damit zu troesten, dadurch das Volk zur Kommunion und Messe gezogen wird. Dabei geschieht auch Unterricht wider andere unrechte Lehre vom Sakrament. So ist auch in den oeffentlichen Zeremonien der Messe keine merklich Aenderung geschehen, denn dass an etlichen Orten deutsche Gesaenge (das Volk damit zu lehren und zu ueben) neben lateinischem Gesang gesungen werden, fintemal alle Zeremonien vornehmlich dazu dienen sollen, dass das Volk daran lerne, was ihm zu wissen von Christo not ist.
Nachdem aber die Messe auf mancherlei Weise vor dieser Zeit gemissbraucht, wie am Tage ist, dass ein Jahrmarkt daraus gemacht, dass man sie getauft und verkauft hat, und das mehrere Teil in allen Kirchen um Geldes willen gehalten worden, ist solcher Missbrauch zu mehreren Malen, auch vor dieser Zeit, von gelehrten und frommen Leuten gestraft worden. Als nun die Prediger bei uns davon gepredigt und die Priester erinnert sind der schrecklichen Bedrohung (so denn billig einen jeden Christen bewegen soll), dass, wer das Sakrament unwuerdiglich braucht, der sei schuldig am Leib und Blut Christi, darauf sind solche Kaufmessen und Winkelmessen (welche bis anher aus Zwang um Geldes und der Praebenden willen gehalten worden) in unsern Kirchen gefallen.
Dabei ist auch der greuliche Irrtum gestraft, dass man gelehrt hat, unser Herr Christus habe durch seinen Tod allein fuer die Erbsuende genuggetan und die Messe eingesetzt zu einem Opfer fuer die andern Suenden, und also die Messe zu einem Opfer gemacht fuer die Lebendigen und Toten, dadurch Suenden wegzunehmen und Gott zu versoehnen. Daraus ist weiter gefolgt, dass man disputiert hat, ob eine Messe, fuer viele gehalten, also viel verdiene, als so man fuer einen jeglichen eine sonderliche hielte. Daher ist die grosse, unzaehlige Menge der Messen gekommen, dass man mit diesem Werk hat wollen bei Gott alles erlangen, das man bedurft hat, und ist daneben des Glaubens an Christum und rechten Gottesdienstes vergessen worden.
Darum ist davon Unterricht geschehen, wie ohne Zweifel die Not gefordert, dass man wuesste, wie das Sakrament recht zu gebrauchen waere. Und erstlilch, dass kein Opfer fuer [die] Erbsuende und andere Suende sei denn der einige Tod Christi, zeigt die Schrift an vielen Orten an. Denn also steht geschrieben zu den Hebraeern, 10, 10, dass sich Christus einmal geopfert hat und dadurch fuer alle Suenden genuggetan. Es ist eine enerhoerte Neuigkeit, in der Kirche lehren, dass Christus' Tod sollte allein fuer die Erebsuende und sonst nicht auch fuer andere Suende genuggetan haben; derhalben zu hoffen, dass maenniglich [jedermann] verstehe, dass solcher Irrtum nicht unbillig gestraft sei.
Zum andern, so lehrt St. Paulus, dass wir vor Gott Gnade erlangen durch [den] Glauben und nicht durch Werke. Dawider ist oeffentlich dieser Missbrauch der Messe, so man vermeint, durch dieses Werk Gnade zu erlangen, wie man denn weiss, dass man die Messe dazu gebraucht, dadurch Suende abzulegen und Gnade und alle Gueter bei Gott zu erlangen, nicht allein der Priester fuer sich, sondern auch fuer die ganze Welt und fuer andere, Lebendige und Tote.
Zum dritten, so ist das heilige Sakrament eingesetzt, nicht damit fuer die Suende ein Opfer anzurichten (denn das Opfer ist zuvor geschehen), sondern dass unser Glaube dadurch erweckt und die Gewissen getroestet werden, welche durchs Sakrament erinnert werden, dass ihnen Gnade und Vergebung der Suenden von Christo zugesagt ist. Derhalben fordert dies Sakrament Glauben und wird ohne Glauben vergeblich gebraucht.
Dieweil nun die Messe nicht ein Opfer ist fuer andere, Lebendige oder Tote, ihre Suenden wegzunehmen, sondern soll eine Kommunion sein, da der Priester und andere das Sakrament empfangen fuer sich, so wird diese Weise bei uns gehalten, dass man an Feiertagen, auch sonst, so Kommunikanten da sind, Messe haelt und etliche, so das begehren, kommuniziert. Also bleibt die Messe bei uns in ihrem rechten Brauch, wie sie vorzeiten in der Kirche gehalten, wie man beweisen mag aus St. Paulo, 1 Kor. 11, dazu auch vieler Vaeter Schriften. Denn Chrysostomus spricht, wie der Priester taeglich stehe und fordere etliche zur Kommunion, etlichen verbiete er hinzuzutreten. Auch zeigen die alten Canones an, dass einer das Amt gehalten hat und die andern Priester und Diakonen kommuniziert. Denn also lauten die Worte im canone Nicaeno: "Die Diakonen sollen nach den Priestern ordentlich das Sakrament empfangen vom Bischof oder Priester."
So man nun keine Neuigkeit hierin, die in der Kirche vor alters nicht gewesen, vorgenommen hat, und in den oeffentlichen Zeremonien der Messe keine merkliche Aenderung geschehen ist, allein dass die andern unnoetigen Messen, etwa durch einen Missbrauch gehalten, neben der Pfarrmesse, gefallen sind, soll billig diese Weise, Messe zu halten, nicht fuer ketzersich und unchristlich verdammt werden. Denn man hat vorzeiten auch in den grossen Kirchen, da viel Volks gewesen, auch auf die Tage, so das Volk zusammenkam, nicht taeglich Messe gehalten, wie Tripartia Historia, lib. 9, anzeigt, dass man zu Alexandria am Mittwoch und Freitag die Schrift gelesen und ausgelegt habe und sonst alle Gottesdienste gehalten ohne die Messe.
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