Theologische Grundlagen
60. »Als aber die Zeit erfüllt war« (Gal
4, 4), ist das Wort, zweite Person der Heiligen Dreifaltigkeit, Gottes
eingeborener Sohn, »Fleisch geworden vom Heiligen Geist aus Maria, der
Jungfrau, und ist Mensch geworden«.92 Das ist das erhabene Geheimnis von der
Fleischwerdung des Wortes, ein Geheimnis, das in der Geschichte stattgefunden
hat: unter genau feststehenden zeitlichen und räumlichen Umständen,
in einem Volk, das über seine eigene Kultur verfügt, das Gott
auserwählt und durch die ganze Heilsgeschichte begleitet hatte, um durch
alles, was er in ihm vollbrachte, zu zeigen, was er für die ganze
Menschheit zu tun beabsichtigte.
Als offenkundiger Beweis der Liebe Gottes zu
den Menschen (vgl. Röm 5, 8) hat Jesus Christus mit seinem Leben,
mit der den Armen verkündeten Frohbotschaft, mit dem Leiden, dem Tod und
der glorreichen Auferstehung die Vergebung unserer Sünden und unsere
Wiederversöhnung mit Gott, seinem Vater und, dank ihm, unserem Vater,
erwirkt. Das Wort, das die Kirche verkündet, ist eben das menschgewordene
Wort Gottes, er selbst ist Subjekt und Objekt dieses Wortes. Die Frohbotschaft
ist Jesus Christus.
Wie »das Wort Fleisch geworden ist
und unter uns gewohnt hat« (Joh 1, 14), so mub sich die Frohe Botschaft,
das den Völkern verkündete Wort Jesu Christi, in das Lebensmilieu
seiner Hörer hineinlassen. Die Inkulturation ist genau diese
Einverleibung der Botschaft des Evangeliums in die Kulturen.93 Die
Menschwerdung des Gottessohnes war in der Tat, eben weil sie vollständig
und konkret war,94 auch Inkarnation in einer spezifischen Kultur.
|