61. In Anbetracht der engen,
organischen Be- ziehung, die zwischen Jesus Christus und dem von der Kirche
verkündeten Wort besteht, kann die Inkulturation der geoffenbarten
Botschaft gar nicht umhin, der dem Geheimnis der Erlösung eigenen
»Logik« zu folgen. Die Menschwerdung des Wortes stellt ja kein isoliertes
Ereignis dar, sondern strebt auf »die Stunde« Jesu und das Ostergeheimnis zu:
»Wenn das Weizenkorn nicht in die Erde fällt und stirbt, bleibt es allein;
wenn es aber stirbt, bringt es reiche Frucht« (Joh 12,24). »Und ich,
sagt Jesus, wenn ich über die Erde erhöht bin, werde alle zu mir
ziehen« (Joh 12,32). Diese Selbstentäuberung, diese Kenosis, derer
es für die Verherrlichung bedarf, der Weg Jesu und jedes seiner
Jünger (vgl. Phil 2, 6-9) ist Leuchtkraft für die Begegnung
der Kulturen mit Christus und seinem Evangelium. »Jede Kultur mub von den
Wer- ten des Evangeliums im Lichte des Ostergeheimnisses umgewandelt werden«.95
Mit dem Blick auf das Geheimnis der
Menschwerdung und der Erlösung mub man zwischen den Werten und den Unwerten
der Kulturen unterscheiden. Wie das Wort Gottes in allem uns ähnlich
geworden ist auber der Sünde, so übernimmt die Inkulturation der
Frohen Botschaft alle authentischen menschlichen Werte, reinigt sie von der
Sünde und gibt ihnen ihre volle Bedeutung zurück.
Die Inkulturation besitzt auch tiefe Bande
zum Pfingstgeheimnis. Durch die Ausgiebung und das Wirken des Heiligen
Geistes, der Gaben und Talente vereint, erleben alle Völker der Erde, wenn
sie in die Kirche eintreten, ein neues Pfingsten, bekennen in ihrer Sprache den
einen Glauben an Jesus Christus und verkündigen die Wundertaten, die der
Herr für sie vollbracht hat. Der Geist, der auf der natürlichen Ebene
Urquelle der Weisheit der Völker ist, führt die Kirche durch eine
übernatürliche Erleuchtung zur Erkenntnis der ganzen Wahrheit. Die
Kirche ihrerseits wird, wenn sie die Werte der verschiedenen Kulturen aufnimmt,
zur »sponsa ornata monilibus suis«, »Braut, die ihr Geschmeide anlegt« (Jes
61, 10).
|