87. Die Verkündigung der
Frohen Botschaft durch Wort und Werke öffnet das Herz der Menschen für
die Sehnsucht nach Heiligkeit, nach Gleichgestaltung mit Christus. In
seinem ersten Brief an die Korinther wendet sich der hl. Paulus »an die
Geheiligten in Christus Jesus, berufen als Heilige mit allen, die den Namen
Jesu Christi, unseres Herrn, überall anrufen, bei ihnen und bei uns«
(1,2). Die Verkündigung des Evangeliums hat auch den Aufbau der Kirche
Gottes im Hinblick auf den Anbruch des Reiches zum Ziel, das Christus am Ende
der Zeiten dem Vater übergeben wird (vgl. 1 Kor 15, 24).
»Der Eintritt in das Reich Gottes verlangt
einen Wandel in Gesinnung (metànoia) und Verhalten und ein Leben
des Zeugnisses in Wort und Tat, das in der Kirche aus der Teilnahme an den
Sakramenten, besonders an der Eucharistie, dem Heilssakrament, genährt
wird«.167
Einen Weg zur Heiligkeit stellt auch die
Inkulturation dar, durch die der Glaube das Leben der Menschen und ihrer
ursprünglichen Gemeinschaften durchdringt. Wie Christus bei der
Menschwerdung die menschliche Natur mit Ausnahme der Sünde angenommen hat,
so nimmt analog die christliche Botschaft durch die Inkulturation die Werte der
Gesellschaft an, der sie verkündet wird, wobei sie alles verwirft, was von
der Sünde gezeichnet ist. In dem Mabe, in dem die Gemeinschaft der Kirche
imstande ist, die positiven Werte einer bestimmten Kultur zu integrieren, wird
sie zum Werkzeug dafür, dab sich diese Kulturen den Dimensionen der
christlichen Heiligkeit öffnen. Eine klug durchgeführte Inkulturation
reinigt und erhebt die Kulturen der verschiedenen Völker.
Unter diesem Gesichtspunkt ist die
Liturgie berufen, eine wichtige Rolle zu spielen. Wenn sie die
Heilsgeheimnisse wirksam verkündet und lebt, kann sie wirkungsvoll dazu
beitragen, spezifische Ausdrucksweisen der Kultur eines bestimmten Volkes zu
erheben und zu bereichern. Es wird deswegen Aufgabe der zuständigen
Autorität sein, nach künstlerisch wertvollen Modellen für die
Inkulturation jener liturgischen Elemente zu sorgen, die im Lichte der
geltenden Normen verändert werden können.168
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