Die
internationale Dimension
114. Als
Bischofsversammlung der Universalkirche unter dem Vorsitz des Nachfolgers Petri
war die Synode eine willkommene Gelegenheit, um den Platz und die Rolle Afrikas
im Rahmen der Gesamtkirche und der Weltgemeinschaft positiv zu bewerten. Dadurch, dab wir in der die Welt, in der wir leben,
immer mehr voneinander abhängen, sind das Schicksal und die Probleme der
verschiedenen Regionen miteinander verbunden. Die Kirche als Familie Gottes auf
Erden mub lebendiges Zeichen und wirksames Werkzeug der weltweiten
Solidarität im Hinblick auf den Aufbau einer Gemeinschaft der Gerechtigkeit
und des Friedens von planetarischen Dimensionen sein. Eine bessere Welt wird
nur dann erstehen, wenn sie auf den festen Fundamenten gesunder ethischer und
geistlicher Grundsätze errichtet wird.
In der gegenwärtigen Weltlage
gehören die afrikanischen zu den am meisten benachteiligten Nationen. Die
reichen Länder müssen sich ganz klar ihrer Verpflichtung zur
Unterstützung der Anstrengungen der Länder bewubt werden, die darum
kämpfen, aus Armut und Elend herauszufinden. Im übrigen liegt es im
eigenen Interesse der reichen Nationen, sich für den Weg der
Solidarität zu entscheiden, denn nur auf diese Weise können der
Menschheit dauerhaft Friede und Eintracht gewährleistet werden. Sodann
darf die Kirche in den entwickelten Ländern nicht die zusätzliche
Verantwortung übersehen, die ihr aus der christlichen Aufgabe für
Gerechtigkeit und Nächstenliebe erwächst: weil alle, Männer und
Frauen, das Abbild Gottes in sich tragen und berufen sind, zu derselben durch
Christi Blut erlösten Familie zu gehören, mub für jeden ein
gerechter Zugang zu den Ressourcen der Erde verbürgt sein, die Gott allen
zur Verfügung gestellt hat.220
Die zahlreichen praktischen Implikationen,
die eine solche Aufgabe mit sich bringt, lassen sich unschwer erahnen. Es gilt
zunächst, sich dadurch für bessere soziale und politische Beziehungen
zwischen den Nationen einzusetzen, dab für diejenigen unter ihnen, die
nach Erlangung ihrer Unabhängigkeit erst vor kurzer Zeit in die
internationale Gemeinschaft eingetreten sind, gerechtere und würdigere Verhältnisse
sichergestellt werden. Sodann mub mit innerer Anteilnahme dem Angstschrei der
armen Nationen Gehör geschenkt werden, die auf besonders wichtigen
Gebieten um Hilfe bitten: die Unterernährung, die allgemeine
Verschlechterung der Lebensqualität, unzureichende Mittel für die
Ausbildung der jungen Menschen, das Fehlen der elementaren Dienste bei der
medizinischen und sozialen Versorgung mit der Konsequenz des Anhaltens
endemischer Krankheiten, die Ausbreitung der entsetzlichen Geibel AIDS, die drückende
und bisweilen untragbare Last der internationalen Verschuldung, der Schrecken
der von einem skrupellosen Waffenhandel genährten Bruderkriege, das
beschämende und beklagenswerte Drama der Flüchtlinge und
Vertriebenen. Das sind einige Bereiche, bei denen sofortiges Eingreifen
notwendig ist, das opportun bleibt, auch wenn es aus der Gesamtsicht der
Probleme unzulänglich zu sein scheint.
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