Ein Gnadenereignis
6. Die Sonderversammlung für Afrika der
Bischofssynode war ein historischer Augenblick der Gnade: der Herr hat
sein Volk, das in Afrika lebt, heimgesucht. Dieser Kontinent erlebt
heute in der Tat das, was man ein Zeichen der Zeit, einen günstigen
Augenblick, einen Tag des Heils für Afrika nennen kann. Es
scheint die »Stunde Afrikas« angebrochen zu sein, eine günstige Zeit, die
die Boten Christi eindringlich auffordert, hinauszufahren auf den See und die
Netze auszuwerfen (vgl. Lk 5, 4). Wie in der Frühzeit des
Christentums der hohe Beamte der Königin Äthiopiens, Kandake,
glücklich darüber, durch die Taufe den Glauben empfangen zu haben,
seinen Weg fortsetzte und zum Zeugen Christi wurde (vgl. Apg 8, 27-39),
so mub die Kirche im heutigen Afrika voll Freude und Dankbarkeit über den
empfangenen Glauben ihren Evangelisierungsauftrag fortsetzen, um die
Völker des Kontinents dadurch an den Herrn heranzuführen, dab sie sie
lehrt, alles zu beachten, was er geboten hat (vgl. Mt 28,20).
Beginnend mit dem feierlichen
Eröffnungsgottesdienst, den ich am 10. April 1994 zusammen mit
fünfunddreibig Kardinälen, einem Patriarchen, neununddreibig
Erzbischöfen, einhundertsechsundvierzig Bischöfen und neunzig
Priestern in der vatikanischen Basilika gefeiert habe, hat sich die Kirche, die
Familie Gottes,5 das Volk der Gläubigen, um das Grab Petri versammelt.
Hier war, zusammen mit dem ganzen Volk Gottes, Afrika mit der Vielfalt seiner
Riten gegenwärtig: in Tänzen äuberte es seine Freude, zum Klang
der Tamtam und anderer afrikanischer Musik- instrumente brachte es seinen Glauben
an das Leben zum Ausdruck. Bei diesem Anlab spürte Afrika, dab es, nach
einem Wort Pauls VI., »neue Heimat Christi«,6 vom ewigen Vater geliebte Erde
ist.7 Darum habe ich jene Zeit der Gnade mit den Worten des Psalmisten
begrübt: »Dies ist der Tag, den der Herr gemacht hat; wir wollen jubeln
und uns an ihm freuen« (Ps 118 [117], 24).
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