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Die Kirche als Zeugin
42. Das II.
Vatikanische Konzil hat das missionarische Wesen der ganzen Kirche deutlich
hervorgehoben und darauf hingewiesen, daß das Werk der Evangelisation
Aufgabe des gesamten Gottesvolkes ist.(204) Da das Volk Gottes als solches
ausgesandt ist, das Evangelium zu verkünden, kann die Evangelisierung nie
das Werk eines einzelnen sein; sie ist vielmehr eine gesamtkirchliche Aufgabe,
die von der ganzen Glaubensgemeinschaft erfüllt werden muß. Es ist
ein- und dieselbe Mission mit demselben Ursprung und demselben Ziel. Aber
innerhalb von ihr gibt es verschiedene Aufgaben und Tätigkeiten.(205) Jedenfalls kann von einer
wirklichen Verkündigung des Evangeliums erst dann die Rede sein, wenn die
Christen gleichzeitig Zeugen eines Lebens sind, das mit der von ihnen
vermittelten Botschaft übereinstimmt: »Die erste Form des Zeugnisses ist
das Leben des Missionars, der christlichen Familie und der kirchlichen
Gemeinschaft; diese Form läßt eine neue Verhaltensweise erkennen. …
Dieses Zeugnis können und müssen jedoch alle in der Kirche geben,
indem sie sich bemühen, den göttlichen Meister nachzuahmen; ein
Zeugnis, das in vielen Fällen die einzig mögliche Form ist, Missionar
zu sein.«(206)
Heute brauchen wir vor allem ein wahrhaft christliches Zeugnis, denn »der
Mensch unserer Zeit glaubt mehr den Zeugen als den Lehrern, mehr der Erfahrung
als der Lehre, mehr dem Leben und den Taten als den Theorien«.(207) Das gilt ganz besonders für
Asien, wo ein Leben in Heiligkeit überzeugender ist als intellektuelle
Argumente. Die Erfahrung des Glaubens und der Gaben des Heiligen Geistes werden
somit Ausgangspunkt jeder missionarischen Tätigkeit in Dörfern und Städten,
in Schulen und Krankenhäusern, unter Behinderten, Emigranten und Naturvölkern
oder bei der Wahrung von Gerechtigkeit und Menschenrechten. Jede Situation gibt
den Christen Gelegenheit, zu beweisen, welch bedeutenden Einfluß die
Wahrheit Christi auf ihr Leben hat. Von zahlreichen Missionaren inspiriert, die
in der Vergangenheit auf heroische Art und Weise die Liebe Gottes unter den Völkern
des Kontinents bezeugt haben, bemüht sich die Kirche in Asien heute um ein
ebenso eifriges Zeugnis für Jesus Christus und sein Evangelium, denn
nichts Geringeres als dies verlangt der christliche Auftrag.
Im Bewußtsein des
missionarischen Wesens der Kirche und in Erwartung eines neuen Ausgießens
der Kraft des Heiligen Geistes zu Beginn des kommenden Jahrtausends betonten
die Synodenväter, dieses Nachsynodale Apostolische Schreiben müsse
der Orientierung all jener dienen, die auf dem breiten Sektor der
Evangelisierung in Asien tätig sind.
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