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Das geweihte Leben
und die Gesellschaften apostolischen Lebens
44. Im Nachsynodalen
Apostolischen Schreiben Vita consecrata betonte ich die enge Verbindung
zwischen geweihtem Leben und Mission. In den drei Aspekten – »confessio
Trinitatis«, »signum fraternitatis« und »servitium caritatis« – verdeutlicht
das geweihte Leben die Liebe Gottes in der Welt und bezeugt insbesondere jenen
Erlösungsauftrag, den Christus durch seine Ganzhingabe an den Vater erfüllt
hat. Im Bewußtsein, daß jede kirchliche Tätigkeit im Gebet und
in der Gemeinschaft mit Gott Unterstützung findet, blickt die Kirche
Asiens in tiefer Achtung und Anerkennung auf die kontemplativen
Ordensgemeinschaften als besondere Quelle der Kraft und Inspiration. Den
Empfehlungen der Synodenväter beipflichtend, möchte ich intensiv die
Gründung kontemplativer Ordensgemeinschaften überall dort befürworten,
wo die Umstände es erlauben. Wie das II. Vatikanische Konzil erinnert, wird so der Bau
der irdischen Gesellschaft immer in Gott gründen und auf ihn ausgerichtet
sein, und seine Erbauer werden nicht vergeblich arbeiten. (210)
Die Suche nach Gott, ein
Leben in der Gemeinschaft und der Dienst am Nächsten sind die drei
wesentlichen Merkmale des geweihten Lebens, die der heutigen Bevölkerung
Asiens ein attraktives christliches Zeugnis bieten können. Die
Sonderversammlung der Bischofskonferenz für Asien wies mit Nachdruck
darauf hin, daß das geweihte Leben vor Christen und Nichtchristen Zeugnis
des allumfassenden Rufs zur Heiligkeit sei und sowohl für den einen als
auch den anderen ein überzeugendes Beispiel hochherziger Liebe für
alle werde, insbesondere aber für die Geringsten unter den Brüdern
und Schwestern. In einer Welt, in der das Bewußtsein der Gegenwart Gottes
oft getrübt ist, müssen Ordensleute den Primat Gottes und des ewigen
Lebens auf überzeugende und prophetische Art und Weise bezeugen. Durch ihr
Leben in der Gemeinschaft sind sie Zeugen der Werte christlicher Brüderlichkeit
und der erneuernden Kraft der Frohbotschaft.(211) Alle, die das geweihte Leben
gewählt haben, sind berufen, andere auf der Suche nach Gott zu führen,
jener Suche, die seit jeher das Herz des Menschen bewegt und die vor allem in
den verschiedenen Formen der Spiritualität und der Askese Asiens sichtbar
ist.(212) In zahlreichen Religionen
dieses Kontinents genießen die dem kontemplativen und asketischen Leben
geweihten Männer und Frauen große Achtung, und ihr Zeugnis ist von
besonderer Überzeugungskraft. Durch ihr Leben in der Gemeinschaft, ihr
friedliches und stilles Zeugnis, ihre Existenz inspirieren sie die Menschen,
sich für größere Eintracht in der Gesellschaft einzusetzen.
Gleiches wird auch von den geweihten Männern und Frauen der christlichen
Tradition erwartet. Das Beispiel der Armut und Entäußerung, der
Reinheit und Aufrichtigkeit, der Opferbereitschaft im Gehorsam kann ein
ausdrucksvolles Zeugnis sein, dazu geeignet, Menschen guten Willens zu bewegen
und einen fruchtbaren Dialog mit benachbarten Kulturen und Religionen, mit den
Armen und Schutzlosen anzuregen. Das macht das geweihte Leben zu einem
besonderen Mittel wirksamer Evangelisierung.(213)
Die Synodenväter bestätigten
die grundlegende Rolle von Ordensgemeinschaften und Kongregationen,
Missionsinstituten und Gesellschaften des apostolischen Lebens für die
Evangelisierung Asiens in den vergangenen Jahrhunderten. Die Synode dankte ihnen
im Namen der Kirche für diesen außerordentlichen Beitrag und
ermutigte sie, nicht von ihrer missionarischen Arbeit abzulassen.(214) Gemeinsam mit den Synodenvätern
lade ich alle Ordensleute ein, die heilbringende Wahrheit Christi mit neuem
Eifer zu verkünden. Allen muß eine angemessene, auf Christus
ausgerichtete Ausbildung und Vorbereitung gewährt werden in Übereinstimmung
mit dem jeweiligen Gründungscharisma, mit besonderer Betonung der persönlichen
Heiligkeit und des Zeugnisses; ihre Spiritualität und Lebensweise sollte
dem religiösen Erbe jener Personen entsprechen, unter denen sie leben und
denen sie dienen.(215)
Unter Berücksichtigung ihres jeweiligen Charismas sollten sie in den
Pastoralplan ihrer Heimatdiözese integriert werden; ihrerseits sind die
Ortskirchen aufgerufen, den Sinn für das Ideal des Ordens- und
Weihestandes neu zu entfachen und diese Berufungen zu fördern. Das setzt
voraus, daß jede Diözese einen Pastoralplan zur Förderung von
Berufungen ausarbeitet und auch Priester oder Ordensleute beauftragt,
hauptamtlich mit den Jugendlichen zu arbeiten und ihnen zu helfen, den Ruf
Gottes zu hören und zu erkennen. (216)
Im Kontext der
weltkirchlichen Gemeinschaft muß ich auch die Kirche in Asien auffordern,
Missionare auszusenden, obwohl sie selbst Arbeiter in ihrem Weinberg braucht.
Mit Freude habe ich feststellen können, daß unlängst in
verschiedenen asiatischen Ländern Missionsinstitute des apostolischen
Lebens gegründet worden sind, die den missionarischen Charakter der Kirche
und die Verantwortung der Teilkirchen Asiens für die Verkündigung des
Evangeliums in aller Welt beweisen.(217) Den Empfehlungen der Synodenväter
entsprechend, sollten »in jeder Ortskirche Asiens Missionsgesellschaften des
apostolischen Lebens gegründet werden, die sich durch einen besonderen
Geist für die Mission ›ad gentes‹, ›ad exteros‹ und ›ad vitam‹ auszeichnen«.(218) Eine derartige Initiative wird
nicht nur jenen Kirchen reiche Früchte bringen, die Missionare empfangen, sondern
auch jenen, die Missionare entsenden.
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