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Der Geist Gottes in
der Schöpfungs- und Heilsgeschichte
15. Wenn die Heilsbedeutung
Jesu wirklich nur im Kontext seiner Offenbarung des trinitarischen Heilsplans
verstanden werden kann, folgt daraus, daß der Heilige Geist zutiefst mit
dem Mysterium Jesu und der durch ihn ermöglichten Erlösung verbunden
ist. Oft erwähnten die Synodenväter die Rolle des Heiligen Geistes in
der Heilsgeschichte und betonten, daß die irrige Trennung zwischen dem
Erlöser und dem Heiligen Geist die Wahrheit über Christus als
alleinigem Retter aller Menschen gefährden könnte.
In der christlichen
Tradition wurde der Heilige Geist stets mit dem Leben und dessen Vermittlung in
Verbindung gebracht. Das Glaubensbekenntnis von Nizäa-Konstantinopel
bezeichnet den Heiligen Geist als den, der »Herr ist und lebendig macht«. Daher
ist es durchaus nicht überraschend, daß viele Interpretationen der
Schöpfungsgeschichte der Genesis den Heiligen Geist in jenem starken Wind
erkennen, der über dem Wasser schwebte (vgl. Gen 1,2). Vom ersten
Augenblick an ist er im Schöpfungsbericht gegenwärtig; seit dem
ersten Zeichen der Liebe des dreieinigen Gottes.(52) Da die Schöpfung die
Geschichte einleitet, ist der Geist gewissermaßen eine in ihr wirksame
unsichtbare Kraft, die sie auf dem Weg der Wahrheit und des Guten führt.
Die Offenbarung der Person
des Heiligen Geistes, der gegenseitigen Liebe des Vaters und des Sohnes, ist
ein bezeichnendes Element des Neuen Testaments. Aus christlicher Sicht ist Er
Ursprung allen Lebens. Die Schöpfung ist die freie Mitteilung der Liebe
Gottes, die aus dem Nichts alles zum Leben erweckt. Die gesamte Schöpfung
ist erfüllt von jenem immerwährenden Austausch der Liebe, der das
innere Leben der Dreifaltigkeit kennzeichnet, das heißt: erfüllt vom
Heiligen Geist: » Der Geist des Herrn erfüllt den Erdkreis« (Weish
1,7). Der in der Schöpfung gegenwärtige Geist bewirkt Ordnung, Harmonie
und die gegenseitige Abhängigkeit alles Existierenden. Nach Gottes
Ebenbild geschaffen, werden die Menschen auf neue Art und Weise Wohnung des
Geistes, wenn sie die Würde der Gotteskindschaft erlangt haben (vgl. Gal
4,5). In der Taufe wiedergeboren, erfahren sie die Gegenwart und Kraft des
Geistes, nicht nur weil sie lebendig macht, sondern auch weil sie reinigt und
heilt, denn die Frucht des Geistes ist »Liebe, Freude, Frieden, Langmut,
Freundlichkeit, Güte, Treue, Sanftmut und Selbstbeherrschung« (Gal
5,22). Diese Früchte sind ein Zeichen dafür, daß »die Liebe
Gottes ausgegossen ist in unsere Herzen durch den Heiligen Geist, der uns
gegeben ist« (vgl. Röm 5,5). Wenn sie in Freiheit angenommen wird,
dann macht diese Liebe die Menschen zu sichtbaren Werkzeugen des unablässigen
Wirkens des unsichtbaren Geistes in der Schöpfungs- und Heilsgeschichte.
Es ist vor allem diese neue Fähigkeit, Liebe zu geben und zu empfangen,
die die innere Gegenwart und Kraft des Heiligen Geistes bezeugt. Durch die in
Herz und Geist des einzelnen Menschen erwirkte Wandlung und Erneuerung berührt
der Geist auch die menschlichen Gesellschaften und Kulturen . (53) »Der Geist steht ebenso am
Ursprung edler Ideale und guter Initiativen der Mensch-heit auf deren Wege: ›In
wunderbarer Vorsehung lenkt er den Weg der Zeiten und erneuert er das Gesicht
der Erde.‹«(54)
Dem Weg des II.
Vatikanischen Konzils folgend, schenkten die Synodenväter ihre
Aufmerksamkeit der vielfachen und unterschiedlichen Wirkung des Heiligen Geistes,
der immerfort Samen der Wahrheit unter allen Völkern und in ihren
Religionen, Kulturen und Philosophien aussät.(55) Das bedeutet, daß diese
den Menschen auf individueller wie auch auf kollektiver Ebene helfen können,
gegen das Böse anzugehen und dem Leben und allem, was gut ist, zu dienen.
Die Kräfte des Todes isolieren Völker, Gesellschaften und
Religionsgemeinschaften gegenseitig, schüren Mißtrauen und Rivalitäten,
die schließlich zu Konflikten führen. Der Heilige Geist hingegen unterstützt
das Verständnis füreinander und die gegenseitige Annahme unter den
Menschen. Mit Recht sieht die Synode daher den Geist Gottes als ersten Förderer
des Dialogs zwischen der Kirche und allen Völkern, Kulturen und
Religionen.
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