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Schlüsselbereiche der Inkulturation
22. Die Synode hat den Theologen Mut zugesprochen, die mit der
anspruchsvollen Aufgabe betraut sind, eine inkulturierte Theologie speziell im
Bereich der Christologie zu entwickeln (91).
Sie hob hervor, daß »diese
Art, Theologie zu treiben, zwar mutig angegangen werden muß, man aber der
Heiligen Schrift und der Tradition der Kirche treu zu bleiben hat, indem man
aufrichtig hinter dem Lehramt der Kirche steht und sich in der seelsorglichen
Situation auskennt«(92). Auch ich möchte die Theologen dazu einladen, im Geist der
Einheit mit den Hirten und den Gliedern des Gottesvolkes vorzugehen, das ȟber
den ursprünglichen Glaubenssinn nachdenkt, was nie aus dem Blick
verlorengehen soll«(93), also in Einheit und nie getrennt voneinander. Die theologische
Arbeit muß stets von der Achtung vor der Sensibilität der Christen
bestimmt sein, so daß die Menschen durch ein schrittweises Hineinwachsen
in die durch die Inkulturation aufgenommenen Formen des Glaubensausdrucks weder
verwirrt noch verstimmt werden. Auf alle Fälle muß die Inkulturation
von der Kompatibilität mit dem Evangelium und der Gemeinschaft mit dem
Glauben der Universalkirche bestimmt sein (94). Sie muß in voller Übereinstimmung
mit der Tradition der Kirche ausgeführt werden, wobei man die Glaubensstärkung
des Volkes im Blick haben muß. Der Beweis für eine wahre
Inkulturation ist, wenn sich die Gläubigen deshalb mehr im christlichen
Glauben engagieren, weil sie denselben deutlicher mit den Augen der eigenen
Kultur wahrnehmen. Die Liturgie ist die Quelle und der Höhepunkt des
ganzen christlichen Lebens und der christlichen Sendung (95). Sie ist ein grundlegendes
Mittel der Evangelisierung besonders in Asien, wo die Angehörigen der
verschiedenen Religionen so sehr vom Kult, von den religiösen Festen und
der Volksfrömmigkeit angezogen sind (96).
Die Liturgie der
Orientalischen Kirchen wurde mit Erfolg im Lauf jahrhundertelanger
wechselseitiger Beziehungen zu der sie umgebenden Kultur größtenteils
inkulturiert, während sie für die jungen Kirchen noch zur einer stärkeren
Nahrungsquelle für die Gläubigen werden muß, indem man den örtlichen
Kulturen Elemente entlehnt und diese auf kluge und wirksame Weise in das
liturgische Brauchtum übernimmt. Aber dennoch verlangt die Inkulturation
der Liturgie wesentlich mehr als eine Konzentration auf traditionelle
Kulturwerte, Symbole und Riten. Man muß sich dabei auch die Veränderungen
im Bewußtsein und Verhalten vergegenwärtigen, die vom Aufkommen
einer säkularisierten Konsumkultur herrühren, die den asiatischen
Kult- und Gebetssinn beeinflußt. Auch darf man zu Gunsten einer genuinen
liturgischen Inkulturation in Asien die spezifischen Bedürfnisse der
Armen, der Migranten, der Flüchtlinge, der Jugendlichen und der Frauen
nicht vergessen.
Die nationalen und
regionalen Bischofskonferenzen müssen enger mit der Kongregation für
den Gottesdienst und die Sakramentenordnung zusammenarbeiten, um nach wirksamen
Wegen zur Förderung geeigneter Gottesdienstformen im Kontext Asiens zu
suchen (97).
Eine solche Zusammenarbeit ist von wesentlicher Bedeutung, weil die Liturgie durch
ihre Feier den einzigen, von allen bekannten Glauben zum Ausdruck bringt, und
da sie Erbe der ganzen Kirche ist, kann sie nicht durch von der Gesamtkirche
isolierte Ortskirchen bestimmt werden.
Die Synodenväter
bestanden vor allem auf der Bedeutung des Wortes der Bibel für die
Weitergabe der Heilsbotschaft an die Völker jenes Kontinentes, wo das
mitgeteilte Wort so wichtig ist für die Erhaltung und Weitergabe religiöser
Erfahrung (98).
Daraus folgt aber, daß ein wirksames Bibelapostolat der Entfaltung
bedarf, um sicherzustellen, daß die heiligen Worte weiter verbreitet und
in einem Gebetsgeist der Glieder der Kirche in Asien intensiver genutzt werden.
Die Synodenväter hoben auch die Dringlichkeit hervor, daß die Bibel
die Grundlage jeglicher missionarischer Verkündigung, jeglicher Katechese
und Predigttätigkeit sowie jeder Art von Spiritualität sei (99) . Auch sollen die Anstrengungen,
die Bibel in die einzelnen Volkssprachen zu übersetzen, ermutigt und
unterstützt werden, während die biblische Unterweisung als ein
wichtiges Mittel zur Glaubenserziehung der Menschen betrachtet werden sollte,
wodurch diese zur Aufgabe der Verkündigung befähigt werden. Man wird
dabei an der Seelsorge orientierte Bibelkurse miteinbeziehen müssen, wobei
der Akzent auf der Anwendung der biblischen Lehre innerhalb der komplexen
Realität Asiens im Blick auf die Bildungsprogramme für den Klerus,
die Ordensleute und den Laienstand liegen muß (100) . Die Heilige Schrift sollte
auch unter den Anhängern anderer Religionen bekannt gemacht werden, da dem
Wort Gottes eine Kraft innewohnt, das Herz der Menschen anzurühren, denn
dadurch offenbart der Geist Gottes den göttlichen Heilsplan für die
Welt. Außerdem haben die Erzählstile, die in vielen biblischen Büchern
auffallend sind, eine Affinität zu den für Asien typischen religiösen
Texten (101).
Ein weiterer wesentlicher
Aspekt der Inkulturation ist die Ausbildung derer, die das Evangelium verkünden.
Von ihnen hängt zum großen Teil auch deren Zukunft ab. In der
Vergangenheit hat man bei der Ausbildung häufig die im Abendland
entstandenen Stile, Methoden und Programme befolgt. Zwar kommt dem Dienst, der
durch diese Art der Ausbildung geleistet wurde, Anerkennung zu, aber die
Synodenväter haben auch die Mühen jüngster Zeit hinsichtlich
einer Anpassung der Ausbildung für die Evangelisierung an den kulturellen
Kontext Asiens als positive Entwicklung anerkannt. Außer einer soliden
biblischen und patristischen Ausbildung müssen die Seminaristen eine
artikulierte und sichere Kenntnis des theologischen und philosophischen Erbes
der Kirche erwerben, wie es die Enzyklika Fides et ratio hervorhebt (102). Von der Grundlage dieser
Vorbereitung werden sie dann profitieren können, wenn sie daran gehen,
sich mit den philosophischen und religiösen Traditionen Asiens zu beschäftigen
(103). Außerdem haben die
Synodenväter auch die Professoren und Mitarbeiter in den Seminaren
ermutigt, doch zu versuchen, die dem asiatischen Geist nahestehenden Elemente
der Spiritualität und des Gebetes zu verstehen und sich bei der Suche der
asiatischen Völkern nach einem Leben in Fülle immer tiefer einbinden
zu lassen (104) .
Zu diesem Zweck betonte man besonders die Notwendigkeit, dem Lehrkörper in
den Seminaren eine angemessene Ausbildung zuzusichern (105). Auch gab die Synode ihrer
Sorge für die Ausbildung der Männer und Frauen für das geweihte
Leben Ausdruck, wobei man besonders deutlich hervorhob, daß ihre
Spiritualität und ihr Lebensstil eine Sensibilität für das
religiöse und kulturelle Erbe der Menschen aufweisen muß, unter
denen sie leben und denen sie dienen unter der Voraussetzung der notwendigen
Unterscheidung zwischen dem, was mit dem Evangelium im Einklang steht und was
ihm entgegensteht (106). Außerdem
ist aufgrund der Tatsache, daß die Inkulturation das ganze Gottesvolk mit
einbezieht, die Rolle des Laienstandes von wesentlicher Bedeutung, denn die
Laien sind vor allen anderen zur Umwandlung der Gesellschaft berufen, und zwar
indem sie in Zusammenarbeit mit den Bischöfen, dem Klerus und den
Ordensleuten der Mentalität, den Sitten, Gesetzen und Strukturen der
nichtchristlichen Welt, in der sie leben, den »Gedanken Christi« eingießen
(107). Eine größer
angelegte Inkulturation des Evangeliums in allen Gesellschaftsschichten Asiens
wird in bemerkenswerter Weise von einer geeigneten Ausbildung abhängen,
welche die Ortskirche dem Laienstand zu vermitteln weiß.
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