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Ioannes Paulus PP.II
Ecclesia in Asia

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  • KAPITEL IV
    • Schlüsselbereiche der Inkulturation
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Schlüsselbereiche der Inkulturation

22. Die Synode hat den Theologen Mut zugesprochen, die mit der anspruchsvollen Aufgabe betraut sind, eine inkulturierte Theologie speziell im Bereich der Christologie zu entwickeln (91). Sie hob hervor, daß »diese Art, Theologie zu treiben, zwar mutig angegangen werden muß, man aber der Heiligen Schrift und der Tradition der Kirche treu zu bleiben hat, indem man aufrichtig hinter dem Lehramt der Kirche steht und sich in der seelsorglichen Situation auskennt«(92). Auch ich möchte die Theologen dazu einladen, im Geist der Einheit mit den Hirten und den Gliedern des Gottesvolkes vorzugehen, das »über den ursprünglichen Glaubenssinn nachdenkt, was nie aus dem Blick verlorengehen soll«(93), also in Einheit und nie getrennt voneinander. Die theologische Arbeit muß stets von der Achtung vor der Sensibilität der Christen bestimmt sein, so daß die Menschen durch ein schrittweises Hineinwachsen in die durch die Inkulturation aufgenommenen Formen des Glaubensausdrucks weder verwirrt noch verstimmt werden. Auf alle Fälle muß die Inkulturation von der Kompatibilität mit dem Evangelium und der Gemeinschaft mit dem Glauben der Universalkirche bestimmt sein (94). Sie muß in voller Übereinstimmung mit der Tradition der Kirche ausgeführt werden, wobei man die Glaubensstärkung des Volkes im Blick haben muß. Der Beweis für eine wahre Inkulturation ist, wenn sich die Gläubigen deshalb mehr im christlichen Glauben engagieren, weil sie denselben deutlicher mit den Augen der eigenen Kultur wahrnehmen. Die Liturgie ist die Quelle und der Höhepunkt des ganzen christlichen Lebens und der christlichen Sendung (95). Sie ist ein grundlegendes Mittel der Evangelisierung besonders in Asien, wo die Angehörigen der verschiedenen Religionen so sehr vom Kult, von den religiösen Festen und der Volksfrömmigkeit angezogen sind (96).

Die Liturgie der Orientalischen Kirchen wurde mit Erfolg im Lauf jahrhundertelanger wechselseitiger Beziehungen zu der sie umgebenden Kultur größtenteils inkulturiert, während sie für die jungen Kirchen noch zur einer stärkeren Nahrungsquelle für die Gläubigen werden muß, indem man den örtlichen Kulturen Elemente entlehnt und diese auf kluge und wirksame Weise in das liturgische Brauchtum übernimmt. Aber dennoch verlangt die Inkulturation der Liturgie wesentlich mehr als eine Konzentration auf traditionelle Kulturwerte, Symbole und Riten. Man muß sich dabei auch die Veränderungen im Bewußtsein und Verhalten vergegenwärtigen, die vom Aufkommen einer säkularisierten Konsumkultur herrühren, die den asiatischen Kult- und Gebetssinn beeinflußt. Auch darf man zu Gunsten einer genuinen liturgischen Inkulturation in Asien die spezifischen Bedürfnisse der Armen, der Migranten, der Flüchtlinge, der Jugendlichen und der Frauen nicht vergessen.

Die nationalen und regionalen Bischofskonferenzen müssen enger mit der Kongregation für den Gottesdienst und die Sakramentenordnung zusammenarbeiten, um nach wirksamen Wegen zur Förderung geeigneter Gottesdienstformen im Kontext Asiens zu suchen (97). Eine solche Zusammenarbeit ist von wesentlicher Bedeutung, weil die Liturgie durch ihre Feier den einzigen, von allen bekannten Glauben zum Ausdruck bringt, und da sie Erbe der ganzen Kirche ist, kann sie nicht durch von der Gesamtkirche isolierte Ortskirchen bestimmt werden.

Die Synodenväter bestanden vor allem auf der Bedeutung des Wortes der Bibel für die Weitergabe der Heilsbotschaft an die Völker jenes Kontinentes, wo das mitgeteilte Wort so wichtig ist für die Erhaltung und Weitergabe religiöser Erfahrung (98). Daraus folgt aber, daß ein wirksames Bibelapostolat der Entfaltung bedarf, um sicherzustellen, daß die heiligen Worte weiter verbreitet und in einem Gebetsgeist der Glieder der Kirche in Asien intensiver genutzt werden. Die Synodenväter hoben auch die Dringlichkeit hervor, daß die Bibel die Grundlage jeglicher missionarischer Verkündigung, jeglicher Katechese und Predigttätigkeit sowie jeder Art von Spiritualität sei (99) . Auch sollen die Anstrengungen, die Bibel in die einzelnen Volkssprachen zu übersetzen, ermutigt und unterstützt werden, während die biblische Unterweisung als ein wichtiges Mittel zur Glaubenserziehung der Menschen betrachtet werden sollte, wodurch diese zur Aufgabe der Verkündigung befähigt werden. Man wird dabei an der Seelsorge orientierte Bibelkurse miteinbeziehen müssen, wobei der Akzent auf der Anwendung der biblischen Lehre innerhalb der komplexen Realität Asiens im Blick auf die Bildungsprogramme für den Klerus, die Ordensleute und den Laienstand liegen muß (100) . Die Heilige Schrift sollte auch unter den Anhängern anderer Religionen bekannt gemacht werden, da dem Wort Gottes eine Kraft innewohnt, das Herz der Menschen anzurühren, denn dadurch offenbart der Geist Gottes den göttlichen Heilsplan für die Welt. Außerdem haben die Erzählstile, die in vielen biblischen Büchern auffallend sind, eine Affinität zu den für Asien typischen religiösen Texten (101).

Ein weiterer wesentlicher Aspekt der Inkulturation ist die Ausbildung derer, die das Evangelium verkünden. Von ihnen hängt zum großen Teil auch deren Zukunft ab. In der Vergangenheit hat man bei der Ausbildung häufig die im Abendland entstandenen Stile, Methoden und Programme befolgt. Zwar kommt dem Dienst, der durch diese Art der Ausbildung geleistet wurde, Anerkennung zu, aber die Synodenväter haben auch die Mühen jüngster Zeit hinsichtlich einer Anpassung der Ausbildung für die Evangelisierung an den kulturellen Kontext Asiens als positive Entwicklung anerkannt. Außer einer soliden biblischen und patristischen Ausbildung müssen die Seminaristen eine artikulierte und sichere Kenntnis des theologischen und philosophischen Erbes der Kirche erwerben, wie es die Enzyklika Fides et ratio hervorhebt (102). Von der Grundlage dieser Vorbereitung werden sie dann profitieren können, wenn sie daran gehen, sich mit den philosophischen und religiösen Traditionen Asiens zu beschäftigen (103). Außerdem haben die Synodenväter auch die Professoren und Mitarbeiter in den Seminaren ermutigt, doch zu versuchen, die dem asiatischen Geist nahestehenden Elemente der Spiritualität und des Gebetes zu verstehen und sich bei der Suche der asiatischen Völkern nach einem Leben in Fülle immer tiefer einbinden zu lassen (104) . Zu diesem Zweck betonte man besonders die Notwendigkeit, dem Lehrkörper in den Seminaren eine angemessene Ausbildung zuzusichern (105). Auch gab die Synode ihrer Sorge für die Ausbildung der Männer und Frauen für das geweihte Leben Ausdruck, wobei man besonders deutlich hervorhob, daß ihre Spiritualität und ihr Lebensstil eine Sensibilität für das religiöse und kulturelle Erbe der Menschen aufweisen muß, unter denen sie leben und denen sie dienen unter der Voraussetzung der notwendigen Unterscheidung zwischen dem, was mit dem Evangelium im Einklang steht und was ihm entgegensteht (106). Außerdem ist aufgrund der Tatsache, daß die Inkulturation das ganze Gottesvolk mit einbezieht, die Rolle des Laienstandes von wesentlicher Bedeutung, denn die Laien sind vor allen anderen zur Umwandlung der Gesellschaft berufen, und zwar indem sie in Zusammenarbeit mit den Bischöfen, dem Klerus und den Ordensleuten der Mentalität, den Sitten, Gesetzen und Strukturen der nichtchristlichen Welt, in der sie leben, den »Gedanken Christi« eingießen (107). Eine größer angelegte Inkulturation des Evangeliums in allen Gesellschaftsschichten Asiens wird in bemerkenswerter Weise von einer geeigneten Ausbildung abhängen, welche die Ortskirche dem Laienstand zu vermitteln weiß.




91) Vgl. Propositio 7.


92) Ebd.


93) Johannes Paul II., Enzyklika Redemptoris missio (7. Dezember 1990), 54: AAS 83 (1991), 302.


94) Vgl. ebd., a.a.O., 301.


95) Vgl. II. Vatikanisches Konzil, Konstitution über die heilige Liturgie, Sacrosanctum concilium, 2; Sonderversammlung der Bischofssynode für Asien, Relatio post disceptationem, 14.


96) Bischofssynode, Sonderversammlung für Asien, Relatio post disceptationem, 14; Propositio 43.



97) Vgl. Propositio 43.


98) Vgl. Bischofssynode, Sonderversammlung für Asien, Relatio post disceptationem, 13.


99) Vgl. ebd.


100) Vgl. Propositio 18.


101) Vgl. Propositio 17.


102) Vgl. Nr. 60, 62, 105: AAS 91 (1999), 52–53; 54; 85–86.


103) Vgl. Propositio 24.


104) Vgl. Propositio 25.


105) Vgl. ebd.


106) Vgl. Propositio 27.


107) Vgl. Propositio 29





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