34. Gewiß sind zum Gebet vor
allem jene Gläubigen aufgerufen, die das Geschenk der Berufung zu einem
Leben besonderer Weihe empfangen haben: Das Gebet macht sie auf Grund seines
Wesens bereiter für die kontemplative Erfahrung. Deshalb müssen sie
es mit hochherzigem Einsatz pflegen. Aber man ginge fehl, würde man
annehmen, die gewöhnlichen Christen könnten sich mit einem
oberflächlichen Gebet zufriedengeben, das ihr Leben nicht zu erfüllen
vermag. Besonders angesichts der zahlreichen Prüfungen, vor die die
heutige Welt den Glauben stellt, wären sie nicht nur
mittelmäßige Christen, sondern »gefährdete Christen«. Denn sie
würden das gefährliche Risiko eingehen, ihren Glauben allmählich
schwinden zu sehen. Schließlich würden sie womöglich dem Reiz
von »Surrogaten« erliegen, indem sie alternative religiöse Angebote
annehmen und sogar den seltsamen Formen des Aberglaubens nachgeben.
Deshalb muß die Gebetserziehung auf irgendeine Weise zu einem
bedeutsamen Punkt jeder Pastoralplanung werden. Ich selbst habe mich darauf
eingestellt, die nächsten Mittwochskatechesen der Reflexion über
die Psalmen zu widmen, angefangen mit denen der Laudes. Da lädt das
öffentliche Gebet der Kirche uns ein, unsere Tage zu heiligen und ihnen
eine Richtung zu geben.
Wie nützlich wäre es, wenn nicht nur in den Ordensgemeinschaften,
sondern auch in den Pfarrgemeinden mehr Wert auf ein Klima gelegt würde,
in dem das Gebet vorherrscht. Man müßte mit der gebotenen
Unterscheidung die Weisen der Volksfrömmigkeit hochschätzen und das
Volk vor allem für die liturgischen Formen bilden. Der Tagesplan einer
christlichen Gemeinde müßte die vielfältigen pastoralen
Tätigkeiten und das Zeugnis in der Welt mit der Feier der Eucharistie und
womöglich mit den Laudes und der Vesper verbinden. Ein solcher Tagesablauf
ist denkbarer, als man gemeinhin glauben mag. Das zeigt die Erfahrung vieler
christlich engagierter Gruppen, die auch einen hohen Anteil an Laien unter sich
verzeichnen.
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