Auf das Wort hören
39. Es besteht kein Zweifel, daß man diesen Primat des Gebets und der
Heiligkeit nur von einem erneuerten Hören des Wortes Gottes her
annehmen kann. Seitdem das II. Vatikanische Konzil die herausragende Rolle des
Wortes Gottes im Leben der Kirche unterstrichen hat, hat man im eifrigen
Hören und aufmerksamen Lesen der Heiligen Schrift sicher große
Fortschritte gemacht. Der Heiligen Schrift ist die Ehre sicher, die sie im
öffentlichen Gebet der Kirche verdient. Auf sie greifen nunmehr in
größerem Maße die einzelnen und die Gemeinden zurück;
gerade unter den Laien gibt es viele, die sich ihr auch mit der wertvollen
Hilfe theologischer und biblischer Studien widmen. Vor allem ist es auch die
Arbeit der Evangelisierung und der Katechese, die gerade in der Aufmerksamkeit
für das Wort Gottes neu belebt wird. Liebe Brüder und Schwestern,
diese Linie gilt es auch durch die Verbreitung der Bibel in den Familien zu
festigen und zu vertiefen. Besonders notwendig ist es, daß das Hören
des Wortes zu einer lebendigen Begegnung in der alten und noch immer
gültigen Tradition der lectio divina wird. Sie läßt uns
im biblischen Text das lebendige Wort erfassen, das Fragen an uns stellt,
Orientierung gibt und unser Dasein gestaltet.
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