42. »Daran werden alle erkennen, daß ihr
meine Jünger seid: wenn ihr einander liebt« (Joh 13,35). Wenn wir
das Antlitz Christi wirklich betrachtet haben, liebe Brüder und
Schwestern, dann muß sich unsere pastorale Planung an dem »neuen Gebot«
ausrichten, das er uns gegeben hat: »Wie ich euch geliebt habe, so sollt auch
ihr einander lieben« (Joh 13,34).
Der andere große Bereich, wo sich ein entschlossenes Engagement
für die Planung auf der Ebene der Gesamtkirche und der Teilkirchen
ausdrücken muß, ist die Gemeinschaft (koinonía,
communio), die das eigentliche Wesen des Geheimnisses der Kirche
verkörpert und deutlich macht. Die Gemeinschaft ist Frucht und sichtbarer
Ausdruck jener Liebe, die aus dem Herzen des ewigen Vaters entspringt und durch
den Geist, den uns Jesus schenkt (vgl. Röm 5,5), in uns ausgegossen
wird, um aus uns allen »ein Herz und eine Seele« (Apg 4,32) zu machen.
Durch die Verwirklichung dieser Liebesgemeinschaft offenbart sich die Kirche
als »Sakrament«, das heißt als »Zeichen und Werkzeug für die
innigste Vereinigung mit Gott wie für die Einheit der ganzen
Menschheit«.26
Die Worte, die der Herr dafür findet, sind zu klar, als daß man
ihre Bedeutung unterschätzen könnte. Wenn die Kirche auf ihrem Weg
durch die Zeit auch im neuen Jahrhundert viele Dinge braucht, ohne die Liebe (agape)
wäre alles umsonst. Der Apostel Paulus selbst erinnert uns daran in seinem
Hymnus an die Liebe: Auch wenn wir in den Sprachen der Menschen und
Engel redeten und einen Glauben hätten, »um damit Berge zu versetzen«,
hätten aber die Liebe nicht, wäre alles »nichts« (vgl. 1 Kor 13,2).
Die Liebe ist wirklich das »Herz« der Kirche, wie es die heilige Theresia von
Lisieux richtig erfaßt hatte. Gerade als Expertin der scientia amoris habe
ich sie zur Kirchenlehrerin erhoben: »Ich verstand, daß die Kirche ein
Herz hatte und daß dieses Herz von Liebe entflammt war. Ich verstand,
daß nur die Liebe die Glieder der Kirche handeln ließ [...]. Ich
verstand, daß die Liebe alle Berufungen einschloß, daß die
Liebe alles war«.27
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