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Ioannes Paulus PP. II
Novo Millennio

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  • IV
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Die Vielfalt der Berufungen

46. Diese Sicht von Gemeinschaft ist eng verbunden mit der Fähigkeit der christlichen Gemeinschaft, allen Gaben des Geistes Raum zu geben. Die Einheit der Kirche bedeutet nicht Einförmigkeit, sondern organische Integration der legitimen Verschiedenheiten. Es geht um die Wirklichkeit, daß die vielen Glieder in einem Leib verbunden sind, dem einzigen Leib Christi (vgl. 1 Kor 12,12). Es ist daher notwendig, daß die Kirche des dritten Jahrtausends alle Getauften und Gefirmten dazu anspornt, sich ihrer aktiven Verantwortung im kirchlichen Leben bewußt zu werden. Neben dem geweihten Amt können zum Wohl der ganzen Gemeinschaft noch andere Dienste blühen, die durch Einsetzung oder einfach durch Anerkennung übertragen werden. Diese Dienste unterstützen die Gemeinschaft in ihren vielfältigen Bedürfnissen — von der Katechese bis zur Gestaltung des Gottesdienstes, von der Erziehung der Kinder bis zu den verschiedenartigsten Formen der Nächstenliebe.

Gewiß muß man sich mit vollem Eifervor allem durch das inständige Gebet zum »Herrn der Ernte« (vgl. Mt 9,38) — für die Förderung der Priester- und Ordensberufe einsetzen. Darin liegt ein Problem, das für das Leben der Kirche in allen Teilen der Welt von hoher Tragweite ist. In bestimmten Ländern, die schon seit alten Zeiten das Evangelium empfangen hatten, ist es geradezu dramatisch geworden. Das liegt an dem veränderten gesellschaftlichen Umfeld und an der religiösen Austrocknung, die vom Konsumismus und vom Säkularismus herrührt. Es ist dringend notwendig, eine breitangelegte und engmaschige Berufungspastoral zu schaffen. Sie muß die Pfarreien, Bildungszentren und Familien erreichen und ein aufmerksameres Nachdenken über die wesentlichen Werte des Lebens wecken. Diese finden ihre entscheidende Zusammenschau in der Antwort, die jeder auf den Ruf Gottes geben soll. Dies gilt besonders dann, wenn die Antwort es erfordert, sich selbst ganz hinzugeben und die eigenen Energien für das Reich Gottes einzusetzen.

In diesem Zusammenhang bekommt auch jede andere Berufung ihre Bedeutung, die letztlich im Reichtum des im Sakrament der Taufe empfangenen neuen Lebens wurzelt. Besonders muß man immer besser die Berufung entdecken, die den Laien zu eigen ist. Sie sind dazu berufen, »in der Verwaltung und gottgemäßen Regelung der zeitlichen Dinge das Reich Gottes zu suchen« 32 und »durch ihr Bemühen um die Evangelisierung und Heiligung der Menschen« 33

 die ihnen eigenen Aufgaben in Kirche und Welt zu erfüllen.

Genauso bedeutsam für die Gemeinschaft ist die Verpflichtung, die verschiedenen Wirklichkeiten von Zusammenschlüssen zu fördern. Ob in den traditionelleren Formen oder in den neueren Formen der kirchlichen Bewegungen, jedenfalls hören sie nicht auf, der Kirche eine Lebendigkeit zu verleihen, die Geschenk Gottes ist und einen echten »Frühling des Geistes« darstellt. Natürlich müssen die Verbände und Bewegungen sowohl in der Universalkirche als auch in den Teilkirchen in vollem Einklang mit der Kirche und im Gehorsam gegenüber den authentischen Weisungen der Bischöfe arbeiten. Für alle gilt aber auch die anspruchsvolle und deutliche Mahnung des Apostels: »Löscht den Geist nicht aus! Verachtet prophetisches Reden nicht! Prüft alles und behaltet das Gute!« (1 Thess 5,19-21).




32) II. Vat. Konzil, Dogmatische Konstitution über die Kirche Lumen gentium, 31.



33) II. Vat. Konzil, Dekret über das Laienapostolat Apostolicam actuositatem, 2.






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