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Ioannes Paulus PP. II
Novo Millennio

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  • IV
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Der ökumenische Einsatz

48. Was soll man sagen über die Dringlichkeit einer Förderung der Gemeinschaft in dem heiklen Bereich des ökumenischen Bemühens? Die traurige Hinterlassenschaft der Vergangenheit verfolgt uns noch über die Schwelle des neuen Jahrtausends hinaus. Die Feier des Jubiläums hat einige wahrhaft prophetische und ergreifende Zeichen gesetzt; aber es steht uns noch ein weiter Weg bevor.

Indem das Große Jubiläum unseren Blick auf Christus hinlenkte, hat es uns die Kirche als Geheimnis der Einheit wieder bewußter gemacht. »Ich glaube die eine Kirche«: Was wir im Glaubensbekenntnis sprechen, hat seine letzte Grundlage in Christus (vgl. 1 Kor 1,11-13), in dem die Kirche nicht geteilt ist. Insofern die Kirche in der vom Geschenk des Geistes her gewirkten Einheit sein Leib ist, ist sie unteilbar. Die Wirklichkeit der Spaltung ist ein Ergebnis der Geschichte und eine Sache der Beziehung unter den Söhnen und Töchtern der Kirche, eine Folge der menschlichen Gebrochenheit im Hinblick auf die Annahme des Geschenks, das ständig von Christus, dem Haupt, in den mystischen Leib fließt. Jesus hat im Abendmahlssaal gebetet: »Alle sollen eins sein. Wie du, Vater, in mir bist und ich in dir bin, sollen auch sie in uns sein« (Joh 17,21). Diese Bitte ist Offenbarung und Anrufung zugleich. Sie offenbart die Einheit Jesu Christi mit dem Vater als Quelle der Einheit der Kirche und immerwährendes Geschenk, das die Kirche in ihm auf geheimnisvolle Weise bis zum Ende der Zeiten empfängt. Diese Einheit, die sich trotz der dem Menschlichen eigenen Grenzen in der katholischen Kirche konkret verwirklicht, wirkt in verschiedenem Maß auch in den vielen Elementen der Heiligung und Wahrheit, die sich in den anderen Kirchen und kirchlichen Gemeinschaften finden. Diese Elemente sind der Kirche Jesu Christi eigene Gaben und drängen die anderen Kirchen und kirchlichen Gemeinschaften unablässig zur vollen Einheit. 34

Das Gebet Jesu Christi erinnert uns, daß dieses Geschenk immer mehr angenommen und noch tiefer erfaßt werden muß. Die Anrufung »ut unum sint« ist zugleich Imperativ, der verpflichtet, Kraft, die trägt und heilsamer Tadel für unsere Trägheit und Enge des Herzens. Nicht auf unseren Fähigkeiten, sondern auf dem Gebet Jesu fußt das Vertrauen, daß wir auch in der Geschichte zur vollen und sichtbaren Gemeinschaft mit allen Christen gelangen können.

Aus dieser Sicht eines nach dem Jubiläumsjahr erneuerten Weges blicke ich mit großer Hoffnung auf die Kirchen des Ostens und wünsche mir, daß jener Austausch von Gaben wieder voll einsetzen möge, der die Kirche des ersten Jahrtausends bereichert hat. Möge die Erinnerung an die Zeit, in der die Kirche mit »zwei Lungen« atmete, die Christen im Osten und im Westen anspornen, einen gemeinsamen Weg zu gehen in der Einheit des Glaubens und in der Achtung vor den legitimen Unterschieden, indem sie sich gegenseitig als Glieder des einen Leibes Christi annehmen und unterstützen.

Mit ähnlichem Engagement muß man den ökumenischen Dialog mit den Brüdern und Schwestern der anglikanischen Gemeinschaft und der aus der Reformation hervorgegangenen kirchlichen Gemeinschaften pflegen. Die theologische Gegenüberstellung über wesentliche Punkte des Glaubens und der christlichen Moral, die Zusammenarbeit in der Liebe und vor allem der großartige Ökumenismus der Heiligkeit werden mit Gottes Hilfe in Zukunft ihre Früchte tragen. Inzwischen setzen voll Zuversicht unseren Weg fort, während wir den Augenblick herbeisehnen, da wir zusammen mit allen Jüngern Christi ohne Ausnahme aus voller Kehle singen können: »Seht doch, wie gut und schön ist es, wenn Brüder miteinander in Eintracht wohnen« (Ps 133,1).




34) Vgl. II. Vat. Konzil, Dogmatische Konstitution über die Kirche Lumen gentium, 8.






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